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Strommacherin: Daniela Schlüsselberger

Das Thema „Frauen in Technikberufen“ ist ein zwiespältiges. Dass es überhaupt noch ein Thema ist, empfinde ich manchmal als zermürbend. Aber andererseits muss man wohl darüber sprechen.

Da mich der Bereich Elektro- und Energietechnik von Beginn an gefesselt hat, habe ich vor rund 20 Jahren eine Lehre zur Elektroinstallateurin begonnen. Ich fand damals ein einziges Unternehmen, das den Mut hatte, es mit mir zu probieren – und auch das wohl nur, weil ich beim Aufnahmetest am besten abgeschnitten hatte. Für ein junges Mädchen auf Montage ging es damals wirklich ums Überleben, und am meisten hat mich erschreckt, wie normal die dummen Sprüche irgendwann für mich wurden.

Daniela Schlüsselberger, Verbund
„Manche Männer empfinden Frauen im Job immer noch als potenzielle Bedrohung.“ Daniela Schlüsselberger Projektleiterin Wasserkraft, VERBUND AG

Mit wachsender Kompetenz wurde es natürlich leichter. Nach dem Lehrabschluss habe ich berufsbegleitend die Ausbildung zur Ingenieurin und Diplomingenieurin nachgeholt und zuletzt noch eine Ausbildung im Bereich Changemanagement absolviert. Heute leite ich Projekte bei Wasserkraftwerken des VERBUND: Ich konzipiere Umbauarbeiten, begleite die Ausschreibungsverfahren und die technische Umsetzung bis hin zur Inbetriebsetzung. Außerdem beschäftige ich mich mit Prozess- und Wissensmanagement.

Gleichzeitig hat sich in diesen zwei Jahrzehnten selbstverständlich auch das generelle Mindset verändert. Viele Unternehmen, auch außerhalb unserer Branche, heften sich auf die Fahnen, dass wir mehr Frauen in der Technik brauchen. Vor allem auf Vorstandsebene gibt es hier viel Commitment. Aber dann kommt die berühmte Lehmschicht, in die das oft noch nicht eingesickert ist. Manche Männer empfinden Frauen im Job immer noch als potenzielle Bedrohung. Ich habe auf Montage durchaus schon erlebt, dass alle auf den Herrn Schlüsselberger gewartet haben. Und dass sich niemand gewundert hat, warum ich hier eigentlich auch herumstand.

Manchmal erschüttert mich, wie wenig sich im Kern verändert hat. Dann wieder erlebe ich, wie sich jüngere Kolleginnen über die Probleme wundern, die ich früher hatte, und sehe, dass manche Konflikte wohl einfach ausgekämpft werden müssen. Und dass es sich lohnt, immer wieder darüber zu sprechen.