Energiezukunft gelingt nur gemeinsam
Hofburg Wien
Das war Oesterreichs Energie Kongress 2026
Zwei Tage, mehr als 800 Teilnehmende und über 70 Sponsoren und Aussteller: Der Oesterreichs Energie Kongress 2026 in der Wiener Hofburg verzeichnete eine Rekordbeteiligung. Unter dem Motto „Zukunft unter Strom“ diskutierten Vertreter:innen aus E-Wirtschaft, Politik, Wissenschaft und Wirtschaft, wie eine sichere, saubere und leistbare Energiezukunft gelingt. Im Mittelpunkt standen der Ausbau von Erzeugung, Netzen und Speichern, die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts sowie die Chancen und Herausforderungen von Digitalisierung und künstlicher Intelligenz.

Aus unterschiedlichen Meinungen gemeinsames Handeln und konkrete Lösungen entwickeln – dazu rief Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie, bei der Eröffnung des diesjährigen Oesterreichs Energie Kongresses auf. „Wenn ich in den Raum blicke, sehe ich Menschen aus den unterschiedlichsten Bereichen der Energiebranche, aber eines eint uns: Wir alle wollen eine sichere, saubere und leistbare Energiezukunft.“ Gerade weil die Branche wächst und neue Akteur:innen hinzukommen, brauche es Austausch und gegenseitiges Verständnis.
Michael Baminger, Präsident von Oesterreichs Energie, appellierte an die Branche, die Transformation des Energiesystems mit Zuversicht und Vertrauen in die eigenen Gestaltungsmöglichkeiten anzugehen. „Was dieser Diskussion fehlt, ist ein gerütteltes Maß an Optimismus.“ Gemeint sei das konstruktive Zutrauen in die eigene Stärke und in die Fähigkeit, gemeinsam etwas zu bewegen. „Wenn Ziele allein reichen würden, wären wir schon fertig. Es geht ums Umsetzen.“


Mehr Unabhängigkeit durch heimische Energie
Bundespräsident Alexander Van der Bellen rückte in seiner Grußbotschaft die Unabhängigkeit der Energieversorgung in den Mittelpunkt: „Ich stelle mir gerne eine Zukunft vor, in der wir Europäer unseren eigenen sauberen Strom produzieren, die Industrie dekarbonisieren und uns energietechnisch auf eigene Beine stellen.” Dafür sei der Ausbau sauberer Technologien unabdingbar. „Wir dürfen keine Abkürzungen nehmen, die der Umwelt, dem Klima und uns selbst schaden“, betonte er.
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer unterstrich die Bedeutung der Energieversorgung für den Wirtschaftsstandort: „Energie steht ganz oben auf der Agenda der Bundesregierung.“ Versorgungssicherheit und leistbare Energie seien entscheidend dafür, Österreich wieder wettbewerbsfähiger zu machen. Mehr Unabhängigkeit und niedrigere Preise ließen sich nur durch den Ausbau erreichen. Dazu brauche es beschleunigte UVP-Verfahren sowie neue Wasserkraft- und Pumpspeicherkraftwerke. „Wasserkraft wird das Rückgrat der Stromversorgung in Österreich bleiben.“

Kundennutzen als Maßstab
Für Baminger stehe bei allen Vorhaben der konkrete Nutzen für die Kund:innen im Zentrum. Die Branche müsse verständlich erklären, warum der Umbau des Energiesystems notwendig ist und welche Vorteile er bringt. Damit schaffe sie die Grundlage für gesellschaftliche Akzeptanz und Unterstützung.
Gleichzeitig gelte es, die anstehenden Aufgaben konsequent anzugehen: den Ausbau von Erzeugung, Netzen und Speichern, die Modernisierung bestehender Anlagen, den Einsatz neuer Technologien und den Schutz kritischer Infrastruktur. „Wir müssen den Umbau als Teamplay verstehen. Nicht als Großprojekt für irgendwann, sondern jetzt im Alltag“, so Baminger.
Neue Perspektiven auf die Energiezukunft
Zu den Höhepunkten des Programms zählten die Keynotes von Herbert Diess, Aufsichtsratsvorsitzender der Infineon Technologies AG, und Florence Gaub, Forschungsdirektorin am NATO Defense College. Gemeinsam mit den Panels eröffneten sie unterschiedliche Perspektiven auf die Herausforderungen der kommenden Jahre.


Im Anschluss an die Keynote von Diess zog das Panel „25 Jahre Strommarktliberalisierung“ Bilanz über ein Vierteljahrhundert Wettbewerb und Marktöffnung. Die Diskussion verband den Rückblick auf die Errungenschaften der Liberalisierung mit der Frage, welche Rahmenbedingungen das Stromsystem künftig braucht.
Auch die beiden Vorstände der Regulierungsbehörde E-Control, Michael Strebl und Alfons Haber, brachten ihre Perspektiven ein. Strebl verwies im Panel „Preis und Wert von Strom“ auf die zunehmende Bedeutung des Zeitpunkts und des Orts des Strombezugs. Haber diskutierte in der Session „100% Strom – Wie gelingt die Umsetzung im Energiesystem?“ über die Elektrifizierung und das dafür notwendige Zusammenspiel von Netzen, Speichern und Flexibilität.
Heimische Wertschöpfung stärkt den Standort
Erwin Raffeiner, CEO von Sprecher Automation, rückte den Beitrag der E-Wirtschaft zur österreichischen Wettbewerbsfähigkeit in den Mittelpunkt. Leistbare elektrische Energie und resiliente Netze könnten internationale Abhängigkeiten verringern. Zugleich müsse der Erhalt von Arbeitsplätzen und technischem Know-how stärker berücksichtigt werden.
„Wir müssen lokalen Produktionen in den Beschaffungsprozessen viel mehr Gewicht geben“, forderte Raffeiner. Er plädierte für realistische Ziele, eine hohe Priorität für Cybersicherheit und eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit den Unternehmen rund um die kritische Infrastruktur.
Mit Optimismus und Realismus ins Handeln kommen
„Der Kongress hat geschafft, die Vielfalt der Herausforderungen und die Vielfalt der Perspektiven zu zeigen“, bilanzierte Baminger zum Abschluss. Die Mischung aus Optimismus und Realismus habe sich als roter Faden durch die beiden Tage gezogen. Entscheidend sei, auch Sichtweisen von außen einzubeziehen und Entscheidungen auf Klarheit und Fakten zu stützen.
Dabei nahm Baminger die E-Wirtschaft selbst in die Verantwortung: Vertrauen müsse aktiv aufgebaut und langfristig gesichert werden. Sein Dank galt der Branche und allen Partner:innen, die den Kongress ermöglicht hatten, sowie Bundesminister Wolfgang Hattmannsdorfer und Staatssekretärin Elisabeth Zehetner für ihre Teilnahme und die Wertschätzung gegenüber der E-Wirtschaft.
Die Themen des Kongresses im Überblick
Von 25 Jahren Strommarktliberalisierung über Preis und Wert von Strom bis hin zu internationalen Kooperationen: Die Diskussionen beleuchteten zentrale Fragen der E-Wirtschaft aus unterschiedlichen Perspektiven. Weitere Schwerpunkte waren die Resilienz des Stromsystems, die Elektrifizierung sowie die Chancen und Anforderungen beim Einsatz künstlicher Intelligenz. Im Mittelpunkt stand dabei, wie aus technischen Möglichkeiten und gemeinsamen Zielen konkrete Lösungen für die Energiezukunft werden.







Alle Vorträge des Oesterreichs Energie Kongresses im Überblick




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