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100 % Strom

Wie gelingt die Umsetzung im Energiesystem?

Je stärker Industrie, Mobilität und Wärmeversorgung elektrifiziert werden, desto anspruchsvoller wird es, Erzeugung und Verbrauch jederzeit im Gleichgewicht zu halten. Für ein vollständig dekarbonisiertes Energiesystem genügt es daher nicht, mehr erneuerbaren Strom zu erzeugen. Ebenso entscheidend sind leistungsfähige Netze, geeignete Speicher, digitale Steuerungsmöglichkeiten und flexible Verbraucher. Wie dieses Zusammenspiel gelingen kann, stand im Mittelpunkt der Themensession „100 % Strom – Wie gelingt die Umsetzung im Energiesystem?“.

Oesterreichs Energie Kongress 2026
Frederik BEELITZ, Head of Advisory DACH, Aurora Energy Research, Berlin; Tara ESTERL, Head of Competence Unit Integrated Energy Systems, AIT Austrian Institute of Technology GmbH; Alfons HABER, Vorstand, E-Control; Michael WEINHOLD, Leiter Stabstelle Innovation & Technologie Smart Infrastructure, Siemens AG

Michael Weinhold, Leiter der Stabsstelle Innovation & Technologie Smart Infrastructure bei Siemens, plädierte dafür, die gesamte Energiekette in den Blick zu nehmen – von der Erzeugung über die Netze bis zu Industrie, Verkehr und Wärmeversorgung. Neben der direkten Elektrifizierung werde dabei auch die indirekte Nutzung erneuerbaren Stroms, etwa über Wasserstoff, an Bedeutung gewinnen. Das Energiesystem müsse deshalb „ganzheitlich“ gedacht werden. Digitale Plattformen könnten Erzeuger, Speicher und Verbraucher miteinander verbinden, während digitale Zwillinge und künstliche Intelligenz die Planung und Steuerung komplexer Netze unterstützen. Projekte wie die Aspern Smart City zeigten bereits, wie Gebäude, Netze und Nutzer intelligent verknüpft werden können. Nun gehe es darum, solche Lösungen in die breite Anwendung zu bringen.

Auch Alfons Haber, Vorstand der E-Control, hob die Bedeutung der Digitalisierung für eine effizientere Nutzung der Netzinfrastruktur hervor. Smart-Meter-Daten und standardisierte Messkonzepte könnten zusätzliche Informationen für Netzplanung und Netzbetrieb liefern. Die regulatorischen Rahmenbedingungen ermöglichten es den Netzbetreibern zudem, Forschungsaufwendungen im Bereich der Digitalisierung zu berücksichtigen. Zugleich müssten Investitionen und Netzkosten für Kunden transparent und nachvollziehbar bleiben.

Die wichtigsten Aussagen der Panelteilnehmer:innen

  • Das zunehmend elektrifizierte Energiesystem muss sektorübergreifend geplant und digital vernetzt werden.
  • Neben dem Netzausbau ist eine effizientere Nutzung der vorhandenen Infrastruktur entscheidend.
  • Kurzfristige und saisonale Schwankungen erfordern unterschiedliche Speicherlösungen und passende regulatorische Rahmenbedingungen.

Tara Esterl, Head of Competence Unit Integrated Energy Systems am AIT Austrian Institute of Technology, setzte ebenfalls bei der effizienten Nutzung der bestehenden Netze an. Untersuchungen des AIT zeigten etwa, wie Heimspeicher netzdienlicher betrieben werden können. Mit der fortschreitenden Elektrifizierung werde zudem mehr Strom über die Netze transportiert, wodurch sich die Kosten auf eine größere Strommenge verteilen ließen. Variable Netzentgelte müssten jedoch sorgfältig ausgestaltet werden: Reagieren viele Verbraucher gleichzeitig auf günstigere Tarife, könnten dadurch neue Lastspitzen entstehen.

Frederik Beelitz, Head of Advisory DACH bei Aurora Energy Research Berlin, brachte Erfahrungen aus Deutschland und dem europäischen Strommarkt ein. Während die Zusammenarbeit auf europäischer Ebene – etwa auf den Regelleistungsmärkten – bereits deutlich enger geworden sei, erschwere die stark fragmentierte Netzbetreiberlandschaft in Deutschland die Koordination von Investitionen und Netzanschlüssen. Bei Speicherprojekten werde daher zunehmend nicht allein der Zeitpunkt des Antrags berücksichtigt, sondern auch, wie weit ein Projekt bereits entwickelt sei.

Podiumsteilnehmer:innen

 

Frederik Beelitz
Head of Advisory DACH, Aurora Energy Research, Berlin

Tara Esterl
Head of Competence Unit Integrated Energy Systems, AIT Austrian Institute of Technology GmbH

Alfons Haber
Vorstand, E-Control

Michael Weinhold
Leiter Stabstelle Innovation & Technologie Smart Infrastructure, Siemens AG