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25 Jahre Strommarktliberalisierung

Wie stellen wir das Energiesystem jetzt richtig auf?

Ein Vierteljahrhundert Strommarktliberalisierung hat Wettbewerb, Wahlfreiheit, Innovation und Kundenorientierung gestärkt. Doch die Rahmenbedingungen haben sich grundlegend verändert: Hohe Energiekosten, volatile Preise, der rasche Ausbau erneuerbarer Energien sowie der wachsende Bedarf an Speichern und Netzen stellen das Energiesystem vor neue Aufgaben. Im Zentrum der ersten Podiumsdiskussion des Oesterreichs Energie Kongresses 2026 stand daher die Frage, wie der Strommarkt weiterentwickelt werden muss, damit er die Transformation des Energiesystems erfolgreich tragen kann – und welche Rolle eine stärkere europäische Integration dabei spielt. Wichtigste Erkenntnis: Die Liberalisierung des Strommarktes hat Wahlfreiheit, Service und Versorgungssicherheit gestärkt. Haushalte zahlen dadurch heute rund 16 Prozent weniger für Strom.

Franz ANGERER, Geschäftsführer, Österreichische Energieagentur; Barbara SCHMIDT, Generalsekretärin, Oesterreichs Energie; Elisabeth ZEHETNER, Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus, Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus; Markus J. BEYRER, Generaldirektor, BusinessEurope; Moderation: Jakob ZIRM, Ressortleiter Wirtschaft, Die Presse © Oesterreichs Energie/Christian Fürthner

Bilanz nach 25 Jahren Marktöffnung

25 Jahre nach der Strommarktliberalisierung zog Franz Angerer, Geschäftsführer der Österreichischen Energieagentur, Bilanz. Er präsentierte eine Studie, die belegt, dass sich die österreichischen Stromkunden durch die Öffnung des Strommarktes seit 2001 rund 15,3 Milliarden Euro erspart haben. Für die Zukunft brauche es vor allem Flexibilität und Speicher. Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften könnten zwar das Bewusstsein für den eigenen Stromverbrauch stärken, ihr Beitrag zum Gesamtsystem sei derzeit aber gering. „Wir dürfen bei all der Diskussion nicht vergessen, dass der Markt die Physik nicht schlagen kann.“ Marktmechanismen und technische Netzerfordernisse müssten daher gemeinsam gedacht werden.
 

Rahmenbedingungen für ein flexibles Stromsystem

Elisabeth Zehetner, Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus, unterstrich die Aufgabe des Staates, die richtigen Rahmenbedingungen für diesen Markt zu schaffen. Der Wettbewerb und die Einbindung in den europäischen Energiemarkt seien wesentliche Voraussetzungen für eine sichere, saubere und leistbare Energieversorgung. Auch Speichern misst Zehetner künftig eine zentrale Rolle bei. Dabei müsse das klare Ziel sein, alle Elemente des Systems – die unterschiedlichen Erzeugungsformen mit ihren jeweiligen Stärken und Schwächen ebenso wie verschiedene Speichertechnologien – sinnvoll miteinander zu verknüpfen. Zugleich müsse sichergestellt werden, dass Netze nur ausgebaut würden, wenn das auch tatsächlich nötig sei.

Die wichtigsten Aussagen

  • Die Strommarktliberalisierung vor 25 Jahren hat zu mehr Wettbewerb, sinkenden Preisen und mehr Service für die Kund:innen geführt.
  • Die Energietransformation heute steht vor regulatorischen und technologischen Herausforderungen, allen voran die Speicherthematik.
  • Für Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern braucht es einen europäischen Gesamtmarkt.

Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie, nannte die Liberalisierung eine wesentliche Voraussetzung für die heutige Transformation des Energiesystems. „Der Markt funktioniert“, so Schmidt, die in diesem Zusammenhang vor neuen Eingriffen warnt, die zu einer Vielzahl von Sonderregelungen und damit einer Fragmentierung des Marktes führen würden. Zudem forderte sie bessere Rahmenbedingungen für Speicher, die immer unverzichtbarer für den Ausgleich der volatilen erneuerbaren Erzeugung würden.
 

Europäischer Strommarkt als Wettbewerbsfaktor

Markus J. Beyrer, Generaldirektor von BusinessEurope,rückte die Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Industrie in den Mittelpunkt seiner Ausführungen. Die Liberalisierung habe der Industrie zwar genutzt, Europa habe derzeit aber ein massives Energiekostenproblem und zu hohe regulatorische Vorgaben. Hinzu komme eine zunehmende Volatilität. Langfristiges Ziel müsse deshalb ein gut funktionierender europäischer Energie- und Strombinnenmarkt sein. Strom solle dort produziert werden, wo dies am effizientesten und kostengünstigsten möglich sei, und über gut ausgebaute grenzüberschreitende Stromverbindungen innerhalb Europas dorthin gelangen, wo er gebraucht werde. Für die Übergangsphase hält Beyrer auch Gas weiterhin für notwendig. „Wir brauchen eine europäische Energiepolitik, die mehr faktengetrieben und weniger ideologiegetrieben ist“, sagte Beyrer. Ziel müsse es sein, neue einseitige Abhängigkeiten zu vermeiden.

Podiumsteilnehmer:innen

 

Franz Angerer
Geschäftsführer, Österreichische Energieagentur

Markus J. Beyrer
Generaldirektor, BusinessEurope

Barbara Schmidt
Generalsekretärin, Oesterreichs Energie

Elisabeth Zehetner
Staatssekretärin für Energie, Startups und Tourismus, Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und Tourismus