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Energiesysteme zwischen Fakten, Mythen und Machtspielen

Wem glaubt man noch?

Die Transformation des Energiesystems entscheidet sich nicht allein an Netzen, Anlagen und Investitionen. Sie braucht auch eine Öffentlichkeit, die nachvollziehen kann, warum Veränderungen notwendig sind und welche Auswirkungen sie haben. In einer Zeit, in der Informationsflut, schwindendes Vertrauen und gezielte Desinformation den öffentlichen Diskurs prägen, wird glaubwürdige Kommunikation damit selbst zu einem wichtigen Erfolgsfaktor. Wie ein faktenbasierter Dialog gelingen kann, diskutierten Fachleute aus Wirtschaft, Wissenschaftsjournalismus, Meinungsforschung und Sicherheitspolitik in der Themensession „Energiesysteme zwischen Fakten, Mythen und Machtspielen“.

Oesterreichs Energie Kongress 2026
Lukas BITTNER, Referatsleiter Abteilung Militärstrategie, Bundesministerium für Landesverteidigung; Christoph HOFINGER, Geschäftsführer, FORESIGHT Research Hofinger GmbH; Elke ZIEGLER, Leiterin Aktuelle Wissenschaft TV/Radio/Online, ORF; Bernhard MÜLLER, Industry Lead Aerospace & Defence, PwC Österreich GmbH

Bernhard Müller von PwC Österreich rückte die gesellschaftliche Akzeptanz in den Mittelpunkt. Neben einer robusten Infrastruktur brauche die Transformation des Energiesystems eine belastbare wissenschaftliche Grundlage – und die Fähigkeit, komplexe Inhalte verständlich zu vermitteln. Informationen müssten auch jene Menschen erreichen, die sich nicht täglich mit energiewirtschaftlichen Fragen beschäftigten. Entscheidend sei dabei auch die Reihenfolge der Kommunikation: Bevor über den konkreten Verlauf einer Stromtrasse gesprochen werde, müsse zunächst nachvollziehbar erklärt werden, warum diese Infrastruktur überhaupt benötigt wird. Müllers Fazit: „Ohne Akzeptanz wird die Energiewende nicht gelingen.“

Lukas Bittner, Referatsleiter der Abteilung Militärstrategie im Verteidigungsministerium, unterschied zwischen der alltäglichen Informationsflut und gezielt eingesetzter Desinformation. Die Vielzahl an Nachrichten und Inhalten könne Menschen überfordern und ihre Aufmerksamkeit zunehmend beanspruchen. Davon abzugrenzen seien strategisch verbreitete Narrative, mit denen bewusst Einfluss genommen werde. Im Rahmen hybrider Auseinandersetzungen könnten solche Botschaften zudem mit wirtschaftlichen oder anderen Druckmitteln verbunden werden. Für die öffentliche Kommunikation bedeutet das, Informationsüberlastung und gezielte Manipulation als unterschiedliche Herausforderungen zu behandeln.

Die wichtigsten Aussagen der Panelteilnehmer:innen

  • Akzeptanz entsteht, wenn die Notwendigkeit von Veränderungen frühzeitig und verständlich erklärt wird.
  • Informationsüberlastung und gezielte Desinformation sind unterschiedliche Herausforderungen und erfordern jeweils passende Antworten.
  • Vertrauen wächst durch transparente und kontinuierliche Kommunikation, die auch Unsicherheiten offen benennt.

Wie stark das gesellschaftliche Vertrauen bereits unter Druck steht, zeigte Christoph Hofinger von Foresight anhand des Demokratiemonitors. Waren 2018 noch 66 Prozent der Menschen in Österreich mit dem Funktionieren der Demokratie zufrieden, lag dieser Wert zuletzt bei 35 Prozent. Für diese Entwicklung sei jedoch nicht allein Desinformation verantwortlich. Auch enttäuschte Erwartungen und nicht eingelöste politische Versprechen hätten zu Misstrauen und Erschöpfung beigetragen. Desinformation treffe somit auf ein gesellschaftliches Umfeld, in dem Vertrauen bereits geschwächt sei, und könne diese Entwicklung zusätzlich beschleunigen. Für die Energiebranche leitete Hofinger daraus einen klaren Auftrag ab: Entwicklungen müssten frühzeitig, transparent und nachvollziehbar erklärt werden – nicht erst dann, wenn bereits eine Krise entstanden ist.

Elke Ziegler, Wissenschaftsredakteurin beim ORF, beschrieb die besonderen Anforderungen an die Vermittlung wissenschaftlicher Erkenntnisse. Forschung liefere nicht immer einfache und endgültige Antworten. Wissen entwickle sich weiter, enthalte Unsicherheiten und müsse dennoch verständlich dargestellt werden. Die journalistische Aufgabe bestehe deshalb darin, komplexe Themen kontinuierlich zu begleiten und die Menschen damit nicht allein zu lassen. Dabei komme es nicht nur auf die Menge der vermittelten Fakten an. Kommunikation müsse an den konkreten Lebenssituationen, Fragen und Interessen der Menschen anknüpfen und zugleich ihre Sorgen ernst nehmen. Zu viel Angst könne dazu führen, dass Menschen „die Ohren zuklappen“. Wissenschaftliche Unsicherheiten zu verschweigen, sei dennoch der falsche Weg: Gerade die offene Erklärung dessen, was bekannt ist und was noch nicht sicher beantwortet werden kann, schaffe Glaubwürdigkeit.

Podiumsteilnehmer:innen

 

Lukas Bittner
Referatsleiter Abteilung Militärstrategie, Bundesministerium für Landesverteidigung

Christoph Hofinger
Geschäftsführer, FORESIGHT Research Hofinger GmbH

Bernhard Müller
Industry Lead Aerospace & Defence, PwC Österreich GmbH

Elke Ziegler
Leiterin Aktuelle Wissenschaft TV/Radio/Online, ORF