Bild im Seitenkopf

Preis und Wert von Strom

Preis und Wert von Strom: Was ein erneuerbares Energiesystem für Kunden bedeutet

Eine Kilowattstunde Strom ist nicht nur so viel wert, wie sie gerade am Markt kostet. Für Kunden zählt ebenso, dass Energie jederzeit verfügbar, langfristig leistbar und möglichst unabhängig von internationalen Preisschwankungen ist. Mit dem Ausbau wetterabhängiger Erzeugung verändert sich zugleich, wann Strom günstig ist und wie er sinnvoll genutzt werden kann. Die Themensession „Preis und Wert von Strom“ ging daher der Frage nach, wie sich Leistbarkeit, Versorgungssicherheit und der Umbau des Energiesystems miteinander verbinden lassen.

Oesterreichs Energie Kongress 2026
Herwig HAUENSCHILD, Geschäftsführer, ENERGIEALLIANZ Austria; Martin HOYER, Lead Strategy and Execution for Power & Utilities Europe West EY Strategy & Transactions GmbH; Manuela LENK, Generaldirektorin, Statistik Austria; Michael STREBL, Vorstand, E-Control

Mehr Erneuerbare, weniger Abhängigkeit von Gas

Den Ausgangspunkt bildeten die Ergebnisse der Studie „Auswirkungen eines hohen Erneuerbaren-Anteils auf den Endkunden“ des AIT (Austrian Institute of Technology). Tara Esterl, Head of Competence Unit Integrated Energy Systems beim AIT, erläuterte, wie sich unterschiedliche Ausbaupfade auf die Strompreise auswirken. Die Berechnungen zeigen: Je näher die europäischen Staaten ihren Ausbauzielen kommen, desto stärker sinken in den untersuchten Szenarien tendenziell die Preise. Den größten Effekt bringt ein ausgewogener Mix unterschiedlicher erneuerbarer Erzeugungsformen.
 

Nicht kurzfristig billig, sondern langfristig günstig

Herwig Hauenschild, Geschäftsführer der ENERGIEALLIANZ Austria, betonte, dass Energieversorger Strom für jede Stunde des Jahres beschaffen und die Versorgung damit planen müssen. Es gehe daher nicht nur um einzelne besonders günstige Stunden oder kurzfristige Preisbewegungen. Entscheidend sei nicht kurzfristig billiger, sondern „langfristig günstiger Strom“ in einem resilienten System. Damit sinkende Marktpreise auch bei den Kunden ankommen können, brauche es geeignete Geschäftsmodelle und entsprechende regulatorische Möglichkeiten. Ebenso wichtig sei die Verständlichkeit der Angebote. Unterschiedliche Tarife und Preisbestandteile erschwerten vielen Menschen den Überblick. Klare Informationen, nachvollziehbare Preismodelle und eine konsistente Kommunikation seien deshalb wesentliche Voraussetzungen, um Vertrauen zu schaffen und Kunden fundierte Entscheidungen zu ermöglichen.

Die wichtigsten Aussagen der Panelteilnehmer:innen

  • Der Wert von Strom umfasst neben dem Preis auch Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit und Resilienz.
  • Der Zeitpunkt des Verbrauchs gewinnt an Bedeutung und eröffnet durch flexible Tarife und automatisierte Steuerung neue Möglichkeiten.
  • Leistbarkeit erfordert geeignete Geschäftsmodelle, verständliche Angebote und gezielte Unterstützung für besonders belastete Haushalte.

Wie Strompreise die Inflation beeinflussen

Manuela Lenk, Generaldirektorin von Statistik Austria, zeigte auf, wie stark Strompreise die allgemeine Teuerung und einzelne Haushalte beeinflussen können. Besonders belastend seien Preissteigerungen dort, wo Energiekosten einen hohen Anteil des verfügbaren Einkommens ausmachen. Eine gezielte Entlastung einkommensschwacher Haushalte sei daher sinnvoll. Die wachsende Zahl unterschiedlicher Tarife und Preisbestandteile stelle jedoch nicht nur Kundinnen und Kunden, sondern auch die amtliche Statistik vor Herausforderungen: Preisentwicklungen könnten nur dann zuverlässig abgebildet werden, wenn über längere Zeiträume tatsächlich Vergleichbares miteinander verglichen werde.
 

Starke Schwankungen

E-Control-Vorstand Michael Strebl unterschied zwischen den Kosten für Energie, Netze sowie Steuern und Abgaben. Beim Energiepreis bestimme grundsätzlich das Verhältnis von Angebot und Nachfrage den Markt. Mit dem steigenden Anteil von Wind- und Solarstrom werde allerdings immer wichtiger, „wann und wo“ Strom bezogen wird. Während die Preise morgens und abends häufig höher liegen, könnten sie bei starker Photovoltaikerzeugung zu Mittag sehr niedrig oder sogar negativ sein.

Darin liege erhebliches Potenzial – für Kunden ebenso wie für das gesamte Energiesystem. Elektroautos, Wärmepumpen und Speicher könnten ihren Verbrauch teilweise in Zeiten mit einem großen Stromangebot verlagern. Eine gleichmäßigere Netznutzung reduziere Lastspitzen und könne damit den notwendigen Ausbau sowie die damit verbundenen Kosten begrenzen. Voraussetzung dafür seien digitale Anwendungen, die den Verbrauch auf Basis von Preissignalen automatisiert steuern könnten.
 

Resilienz als Teil des Stromwerts

Martin Hoyer, Strategy & Transactions bei EY, weitete den Blick über den unmittelbar sichtbaren Strompreis hinaus. Entscheidend sei es, die einzelnen Elemente des Systems stärker gemeinsam zu optimieren: flexible Tarife, Speicher, Netzausbau, Erzeugung und Regulierung. Den Wert des Energiesystems bestimmten dabei drei Faktoren: Leistbarkeit, Umweltverträglichkeit und Resilienz. Gerade die verlässliche Verfügbarkeit von Strom werde in Preisdiskussionen oft unterschätzt. Bei allen Schwankungen bleibe es ein wesentlicher Wert, „dass der Strom überhaupt da ist“.

Podiumsteilnehmer:innen

 

Herwig Hauenschild
Geschäftsführer, ENERGIEALLIANZ Austria

Martin Hoyer
Lead Strategy and Execution for Power & Utilities Europe West EY Strategy & Transactions GmbH

Manuela Lenk
Generaldirektorin, Statistik Austria

Michael Strebl
Vorstand, E-Control