Die Zukunft ist elektrisch
Solarenergie, Batteriespeicher, intelligente Energiesteuerung und Elektromobilität wachsen zunehmend zu einem Gesamtsystem zusammen – dieses Bild einer „All Electric“-Welt zeichnete Herbert Diess, Aufsichtsratsvorsitzender von Infineon, in seiner Keynote am ersten Tag des Oesterreichs Energie Kongresses. Seine zentrale These: „Alles, was man elektrifizieren kann, wird elektrisch.“

Solarenergie und E-Mobilität als Wachstumstreiber
Diess rückte dabei insbesondere die Sonnenenergie in den Mittelpunkt, der er in den kommenden Jahren ein weiterhin rasantes Wachstum bei stark fallenden Kosten prognostizierte: „Die Solarindustrie und die Energieerzeugung mit Photovoltaik sind wahrscheinlich der größte Hebel im Kampf für eine unabhängige Versorgung und gegen den Klimawandel.“ Eine grundlegende Herausforderung von Photovoltaik sei es aber, Erzeugung und Verbrauch in Einklang zu bringen. Batterien – auch in Form von Akkus für Elektroautos – könnten dabei künftig eine wichtige Rolle spielen.
Die Einbindung von Millionen von Fahrzeugen in das Energiesystem könne erhebliche zusätzliche Flexibilität schaffen. Voraussetzung dafür seien bidirektionale Ladeinfrastrukturen, intelligente Steuerung und die entsprechenden regulatorischen Rahmenbedingungen. Während China die Elektrifizierung derzeit besonders schnell vorantreibe, neige Europa dazu, sie zu unterschätzen, so Diess.
Die wichtigsten Aussagen
- Laut Herbert Diess entwickelt sich die Zukunft zu einer „All Electric“-Welt: „Alles wird elektrisch, was man elektrifizieren kann.“
- Insbesondere Solarenergie wird an Bedeutung zunehmen und den Strompreis relevant senken.
- Europa muss Investitionen in Speichertechnologien forcieren und entsprechende Regulatorik vorantreiben.
Europas Know-how in neuen Technologien
Eine zentrale Voraussetzung für die weitere Elektrifizierung sei leistungsfähige Mikroelektronik. Gerade bei Leistungshalbleitern auf Basis von Siliziumkarbid und Galliumnitrid gebe es derzeit große Fortschritte. Sie ermöglichten höhere Wirkungsgrade, kompaktere Bauformen und neue Anwendungen – etwa die bidirektionale Übertragung von Energie. So könnten halbleiterbasierte Lösungen künftig Wirkungsgrade von mehr als 99 Prozent erreichen und damit dazu beitragen, Energieverluste zu reduzieren und Energiesysteme flexibler zu machen. Europa spiele bei diesen Technologien eine wichtige Rolle.
Anhand von Beispielen aus der Landwirtschaft und der urbanen Mobilität machte Diess deutlich, dass die „All Electric“-Entwicklung weit über die Stromversorgung und den Pkw hinausreicht. Er zeichnete dabei das Bild eines Energiesystems, in dem Solarenergie, Batteriespeicher, intelligente Stromnetze, Leistungshalbleiter und Elektromobilität künftig eng miteinander verwoben sein werden.


