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Gedächtnis als menschliche Stärke im KI-Zeitalter

Künstliche Intelligenz kann immer größere Informationsmengen verarbeiten und Antworten in kürzester Zeit bereitstellen. Der Mensch wird mit dieser Leistung nicht konkurrieren können – und muss es nach Ansicht des Gedächtnisexperten Markus Hofmann auch nicht. In seiner Keynote beim Oesterreichs Energie Kongress 2026 zeigte er, warum ein gut trainiertes Gedächtnis gerade im KI-Zeitalter wichtig bleibt: Es hilft dabei, Wissen einzuordnen, Zusammenhänge herzustellen und vermeintlich eindeutige Antworten kritisch zu hinterfragen.

Oesterreichs Energie Kongress 2026
© Oesterreichs Energie/Christian Fürthner

Eine gute Gedächtnisleistung sei weniger eine Frage des Talents als der richtigen Techniken und regelmäßigen Trainings. Besonders wichtig sei es, das Gehirn immer wieder mit neuen Aufgaben zu konfrontieren. Wer Routinen verlasse, eine Fremdsprache lerne oder bewusst ungewohnte Denkwege einschlage, fördere seine geistige Flexibilität und halte das Gedächtnis leistungsfähig.

Damit Informationen langfristig verfügbar bleiben, brauche es außerdem Struktur. Hofmann sprach von „mentalen Briefkästen“, in denen neue Inhalte mit bereits vorhandenem Wissen verknüpft werden. Besonders wirksam seien ungewöhnliche oder emotionale Bilder; auch Bewegung und Sprache könnten das Erinnern unterstützen. Dabei gehe es nicht darum, möglichst viele Einzelinformationen auswendig zu lernen. Entscheidend sei vielmehr, zentrale Begriffe so zu verankern, dass das dazugehörige Wissen im richtigen Moment abrufbar ist. Wer sich in ein Thema eingearbeitet habe, könne dadurch fundiert mitdiskutieren, ohne jede Information auf einem digitalen Gerät nachschlagen zu müssen.
 

Menschliche Stärken

Die besondere Stärke des Menschen liegt für Hofmann darin, Wissen kreativ und assoziativ zu verbinden. Ebenso wichtig sei die Fähigkeit, Antworten kritisch zu prüfen – gerade bei KI-Systemen, die häufig große Sicherheit und Autorität vermitteln. „Diese Fähigkeiten müssen wir uns angesichts von Systemen wie ChatGPT oder Claude, die uns Autorität vorgaukeln, unbedingt behalten“, so Hofmann. Hinzu komme die über Jahre gewachsene Erfahrung, die sich nicht durch Faktenwissen oder Anleitungen ersetzen lasse. „Wenn die beiden aufeinandertreffen, dann haben wir es mit Intuition zu tun, dem sich schnell einstellenden Gefühl, dass etwas nicht stimmt und eine Entscheidung noch einmal überprüft werden muss.“

Die wichtigsten Aussagen

  • Gedächtnisleistung lässt sich durch Training und gezielte Verknüpfung von Informationen verbessern.

  • Die Stärke des Menschen liegt darin, Wissen, Erfahrung und kritisches Denken zu verbinden.

  • Im KI-Zeitalter muss der Mensch Zusammenhänge erkennen und den Überblick behalten.

Moral und Ethik

Angesichts der Fähigkeiten, über die KI-Systeme verfügen, plädierte Hofmann auch dafür, den Menschen wieder stärker als Generalisten zu verstehen. „Für Spezialwissen kann KI zuständig sein, doch der Mensch muss derjenige sein, der den Überblick behält“, sagt Hofmann. Damit gewinnen auch moralische und ethische Fragen an Bedeutung. Die entscheidende menschliche Kompetenz liegt nicht im Speichern möglichst vieler Informationen, sondern darin, Wissen, Erfahrung und Urteilsvermögen miteinander zu verbinden.