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Energiesysteme im internationalen Vergleich

Strom wird heute an immer mehr Orten erzeugt und verbraucht – in großen Industrieanlagen ebenso wie in privaten Photovoltaikanlagen und Haushalten. Damit beides in einem immer dezentraleren Stromsystem verlässlich zusammenfindet, braucht es neue Formen der Zusammenarbeit, leistungsfähige Netze und digitale Lösungen. Welche Modelle dafür in Europa bereits erprobt werden und was Österreich daraus lernen kann, war Thema der Themensession „Energiesysteme im internationalen Vergleich“. Wichtigste Erkenntnis: Die Transformation des Energiesystems lässt sich nicht mit einer einzelnen Lösung organisieren. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Kooperationen, Netzen, Energiegemeinschaften und Flexibilität.

Zusammenspiel von Verbrauchern und Erzeugern

Eurelectric-Generalsekretär Kristian Ruby stellte dabei verschiedene „Power Couples“ vor – also Projekte, bei denen Energieunternehmen eng mit ihren Kunden zusammenarbeiten. So übernahm etwa im Zuge eines Projekts in Portugal ein Energieversorger die Finanzierung und Installation einer Wärmebatterie für eine Brauerei, die Wärme als Dienstleistung bezieht. In Polen nutzt eine Molkerei die Abwärme eines Rechenzentrums. „All diese Projekte können als Blaupause verwendet werden, um das Energiesystem effizienter zu machen“, betonte Ruby.

Christoph Amlacher von CANCOM Österreich erläuterte anhand eines eigenen Beispiels, wie eine solche Kooperation im Kleinen umgesetzt werden kann. So hat CANCOM in der Steiermark eine Energiegemeinschaft mit derzeit rund 350 Teilnehmern für Mitarbeitende und befreundete Betriebe aufgebaut, die mittlerweile österreichweit vernetzt ist. Dabei profitieren alle Beteiligten: Die Mitglieder erhalten günstigere Strombezugskonditionen und bessere Möglichkeiten für den Verkauf von Strom, während auch CANCOM selbst wirtschaftliche Vorteile erzielt. Als internationales Beispiel verwies Amlacher auf Finnland. Dort soll ab 2027 ein Flexibilitätshub eingerichtet werden, über den Serviceprovider mithilfe flächendeckend verfügbarer Smart Meter auf Flexibilitätspotenziale im Stromsystem zugreifen und Lasten zeitlich verschieben können.

Die wichtigsten Aussagen

  • Kooperationen sind der Schlüssel, um Erzeugung und Verbrauch besser aufeinander abzustimmen.
  • Ausreichende Netzkapazitäten und damit einhergehend die Akzeptanz für den Netzausbau sind entscheidend.
  • Digitalisierung schafft Flexibilität, um den Verbrauch besser zu steuern und Netzkapazitäten dynamischer und vorausschauend zu nutzen.

Netze als Grundlage der Zusammenarbeit

Welche Anforderungen sich daraus für Netzbetreiber ergeben, erläuterte Eva Tatschl-Unterberger, Geschäftsführerin der KNG-Kärnten Netz GmbH. Sie bezeichnete Energiegemeinschaften als „kleine Power Couples“ zwischen privaten Photovoltaikanlagen und privaten Verbraucher:innen. Neben dem Austausch von Energie hob sie den Wissensaufbau der Teilnehmer zu Erzeugung, Verbrauch und Netzen hervor. Zugleich verwies sie auf den erheblichen technischen Aufwand: Die für Energiegemeinschaften erforderlichen Daten werden von den österreichischen Netzbetreibern bereitgestellt und müssen mit hoher Präzision verarbeitet werden. Zudem verwies sie auf die Notwendigkeit des Netzausbaus, der eine breite Akzeptanz der Bevölkerung voraussetze. Als internationale Beispiele erwähnte sie unter anderem ein umfangreiches Open-Data-Portal der Northern Power Grid in England sowie neue Ansätze im Netzausbau aus Portugal, bei denen stärker mit Fertigelementen gearbeitet werde.

Podiumsteilnehmer:innen

 

Kristian Ruby
Secretary General, Eurelectric

Eva Tatschl-Unterberger
Geschäftsführerin, KNG-Kärnten Netz GmbH

Christoph Amlacher
CANCOM Austria AG