Wie viel KI verträgt das Energiesystem?
KI im Energiesystem: Effizienz braucht Sicherheit und Kontrolle
Künstliche Intelligenz unterstützt die Energiewirtschaft bereits bei Prognosen, Wartung und Datenanalysen. Weil das Energiesystem zur kritischen Infrastruktur gehört, müssen neue Anwendungen jedoch besonders hohe Anforderungen an Sicherheit, Nachvollziehbarkeit und Verantwortlichkeit erfüllen. Wo KI einen konkreten Mehrwert bietet und wo menschliche Kontrolle unverzichtbar bleibt, stand im Mittelpunkt der Themensession „Wie viel KI verträgt das Energiesystem?“.

Tobias Glück, stellvertretender Leiter des Center for Vision, Automation & Control am Austrian Institute of Technology(AIT), erläuterte, wie KI unter anderem zur Glättung von Lastspitzen oder bei der Inspektion von Strommasten eingesetzt werden kann. Drohnenbilder lassen sich automatisiert auswerten und für Reparaturvorschläge nutzen. Bei eigenständigen Entscheidungen sei hingegen Vorsicht geboten: Trainingsdaten könnten niemals alle denkbaren Situationen vollständig abbilden. Kritische Entscheidungen müssten daher durch zusätzliche Regelwerke und menschliche Kontrolle abgesichert werden. Zu starke Automatisierung berge zudem die Gefahr, dass wichtiges Fachwissen verloren gehe.
Wolfgang Groeller, Principal Solutions Architect bei der Fortinet GmbH, rückte die Cybersicherheit in den Fokus. Manipulierte Eingaben und ungeprüfte Daten könnten das Verhalten von KI-Systemen beeinflussen. Deshalb müsse nicht nur die technische Infrastruktur geschützt, sondern auch kontrolliert werden, welche Informationen in ein Modell gelangen. Für klar abgegrenzte Aufgaben könnten lokal betriebene Modelle eine Alternative zu Cloud-Lösungen darstellen und die Kontrolle über Daten und Anwendungen stärken. Menschliches Fachwissen könne KI dabei nicht ersetzen.
Die wichtigsten Aussagen der Panelteilnehmer:innen
- KI kann Prozesse verbessern, darf kritische Entscheidungen aber nicht unkontrolliert übernehmen.
- Sicherheit, Datenqualität und klare Verantwortlichkeiten sind zentrale Voraussetzungen.
- Der Einsatz von KI muss einen konkreten Mehrwert schaffen und menschliches Fachwissen erhalten.
Nathalie Alon, Juristin und Expertin für Datenschutz, Digital Compliance und KI, unterschied mehrere Risiken: verzerrte Modelle, gezielte Angriffe und die Abhängigkeit von einzelnen Technologieanbietern. Unternehmen könnten ihre Verantwortung nicht durch die Auslagerung technischer Leistungen abgeben. KI dürfe daher nicht ausschließlich einer Stelle wie dem Datenschutz zugeordnet werden, sondern müsse gemeinsam von Geschäftsführung, Technik, Informationssicherheit, Recht und Compliance gesteuert werden. Zusätzlich brauche es klare Regeln, welche KI-Werkzeuge Beschäftigte für welche Aufgaben und Daten verwenden dürfen.
Sadet Kaya-Stein, Senior-Programm-Managerin bei der ACOmarket GmbH, betonte, dass Unternehmen den Einsatz von KI strategisch prüfen sollten: „Nicht jeder Use Case erfordert einen KI-Einsatz.“ Entscheidend sei, ob eine Anwendung ein konkretes Problem löst und einen nachvollziehbaren Mehrwert schafft. Wichtig sei, dass KI interdisziplinär betrachtet werde und nicht auf wenige einzelne Fachbereiche beschränkt bleibe. Gleichzeitig brauche es klare Governance-Strategien und Policies der Unternehmen, um zu verhindern, dass KI außerhalb der definierten Prozesse verwendet wird – mit möglichen Datenlecks als Folge.












Podiumsteilnehmer:innen
Nathalie Alon
Juristin und Expertin für Datenschutz, Digital Compliance und KI
Tobias Glück
Stv. Head of Center for Vision, Automation & Control, AIT Austrian Institute of Technology GmbH
Wolfgang Groeller
Principal Solutions Architect, Fortinet GmbH
Sadet Kaya-Stein
Strategin für Technologie, Business und Governance, ACOmarket GmbH, Women in AI, WomeninICT

