Speicher als Sicherheitspolster

Neben Energieeffizienz, flexiblem Verbrauch und heimischer Energieerzeugung sind Speicher ein wichtiger Baustein für mehr Versorgungssicherheit und Energieunabhängigkeit: Speicher ermöglichen es, Energie unabhängig vom Zeitpunkt ihrer Erzeugung oder Lieferung zu nutzen und damit zeitliche Unterschiede zwischen Angebot und Nachfrage auszugleichen.

Besonders wichtig ist das bei Versorgungsengpässen: Werden Lieferketten unterbrochen, steigen in der Regel die Energiepreise. Speicher und Reserven können jedoch helfen die Versorgung über einen gewissen Zeitraum aufrechtzuerhalten. Aber auch abseits derartiger Angebotsschocks erfüllen Speicher eine zentrale Funktion, indem sie Schwankungen bei Energieerzeugung und Verbrauch ausgleichen.

Speicher erfüllen – je nach Energieträger – unterschiedliche Aufgaben und decken verschiedene Zeiträume ab. Stromspeicher können ein breites Zeitspektrum abdecken – von der Überbrückung kurzfristiger Schwankungen über wenige Minuten bis zur Speicherung von Energie für mehrere Monate. Bei Energieträgern wie Erdöl, Kohle, Erdgas und Biomasse erstrecken sich die Speicherzeiträume in der Regel über Monate bis Jahre. Ein direkter Vergleich der jeweiligen Speicherkapazitäten ist daher nur bedingt aussagekräftig bzw. mit Vorsicht zu interpretieren.  Entscheidend ist nicht allein, wie viel Energie gespeichert werden kann, sondern auch, über welchen Zeitraum und für welchen Zweck sie zur Verfügung steht.

 

Erdgas

SpeichergrößeKapazität in Relation zum relevanten VerbrauchKommentar
100 TWh in Untertagespeichern80% des JahresgasverbrauchsDie Speicherbewirtschaftung ist ein diskrimierungsfreier Markt, auch ausländische Händler oder Versorger speichern ihr Gas in Österreich. Etwa 40 bis 50% der gespeicherten Gasmengen sind in der Regel nicht-österreichischen Speicherkunden zuzurechnen. 20% der Gasspeicherkapazität (20 TWh) ist mit Gas befüllt, das im Eigentum der Republik Österreich steht, die strategische Gasreserve. Ergänzt werden die Untertage-Gasspeicher von betrieblichen Röhrenspeichern oder Druckgas-Puffern, die Flexibilität für sehr kurze Zeiträume bereitstellen können (Sekunden bis Stunden). Ihre Reichweite ist aber stark eingeschränkt.

Öl und Ölprodukte

SpeichergrößeKapazität in Relation zum relevanten VerbrauchKommentar

35 TWh Lagerbestand mit Ende 2025 (= 3 Millionen Tonnen)

24,5 TWh als Rohöl und 10,5 TWh als Produkte.

29 der 35 TWh kommen aus der Pflichtnotstands-reserve.

35 TWh entspricht 29% des Jahresölverbrauchs (nach Energieinhalt)Als Mitglied der IEA sowie der EU besteht eine Verpflichtung zur Haltung von Notstandsreserven für Erdöl und Mineralölprodukte im Umfang von mindestens 25% bzw. 90 Tage der Nettoimporte des vorangegangenen Jahres. Diese Mengen sind in Tanklagern in ganz Österreich gespeichert. Zusätzlich sind auch Hunderttausende Heizöltanks sowie Treibstofftanks bei Tankstellen, Betrieben und in Fahrzeugen Instrumente zur Entkopplung von Lieferung und Verbrauch. Die gesamte Speicherkapazität dürfte demnach höher sein als der angegebene Lagerbestand, der große Tanklager umfasst.

Strom

SpeichergrößeKapazität in Relation zum relevanten VerbrauchKommentar
Hydro-Speicher-Kraftwerke:
9,6 GW Leistung installiert,
12,7 TWh erzeugt (2025)
Hydro-Speicher-Kraftwerke:
12,7 TWh entspricht etwa 18 Prozent des Inlandstromverbrauchs 2025

Strom ist kein Primärenergieträger. Als solcher muss er immer aus anderen Quellen umgewandelt werden. Die Entkopplung von Lieferung und Verbrauch beginnt damit schon vor der Produktion: Strom aus Gaskraftwerken kann in Form von Gas gespeichert werden, bei Biomasse-Kraftwerken als Biomasse. Aber auch potenzielle Energie (Pumpspeicher, Speicherkraftwerke) sowie chemische Speicherformen (Batterien) werden in Anbetracht der steigenden Bedeutung volatiler, dargebotsabhängiger Erzeugungsformen (Wind, PV) immer relevanter. Neben der Speicherkapazität ist bei Strom auch die Leistung von Bedeutung.

Bei stationären Batteriespeichern muss erst ein umfassendes Monitoring aufgebaut werden. Schätzungen der Energieagentur gehen davon aus, dass in Österreich mit Stand Mitte 2026 etwa 3 bis 4 GWh an Batteriespeichern installiert sind. Der Großteil davon sind Speicher, die in Kombination mit PV-Anlagen „behind-the-meter“ arbeiten. Eine netzdienliche Bewirtschaftung dieser Batterien mit Hilfe von Energiemanagementsystemen birgt großes Potenzial. Auch die Batteriespeicherkapazität von Elektroautos bringt große Flexibilitätschancen, die über bidirektionales Laden realisiert werden können.

Wieviel Kapazität haben die Wasserspeicher der Speicher-Kraftwerke in Österreich? 3,3 TWh3,3 TWh an Nenninhalt der Wasserspeicher entspricht einer Reichweite von etwa 18 Tagen an Stromverbrauch in Österreich.

Pumpspeicher-Kraftwerke:
Ein großer Teil der Speicher-Kraftwerke funktioniert auch im Pumpbetrieb.

6 GW Erzeugungsleistung | 3,8 TWh Jahreserzeugung (2025)

Pumpspeicher-Kraftwerke:

6 GW ist mehr als 50% der maximalen Spitzen-Netzlast im österreichischen Netz. Der Spitzen-Tageswert an Erzeugung mit Pumpspeichern liegt bei 55 GWh (5. Jänner 2026), was an diesem Tag 28% des gesamten Strombezugs aus dem Netz entspricht.

Bioenergie

Biomasse ist als molekulare Energie gut speicherbar. Der gesamte Waldbestand, Bauholzbestände sowie andere Holzprodukte oder Reststoffe aus Landwirtschaft oder Industrie ist theoretisch gespeicherte Energie. Eine dokumentierte Größe an energetisch verwertbaren Lagerbeständen in Form von Pellets, Hackgut, Scheitholz oder Biogas existiert allerdings nicht, weshalb das Ausmaß der Speicher schwer quantifizierbar ist. Unter guten Bedingungen ist Holz über mehrere Jahre bis Jahrzehnte lagerbar.

Quellen: Gas: AGSI, energie.gv.at | Öl: BMWET | Hydro-Speicher: E-Control, e3 Consult, ENTSO-E

Kompass Energieunabhängigkeit ist ein gemeinsames Projekt von Oesterreichs Energie und Österreichische Energieagentur.