Importe und Importrouten

Der Anteil der Nettoimporte am gesamten Energieverbrauch in Österreich schwankte in den vergangenen zwei Jahrzehnten zwischen 56 und 71 Prozent (2024 bzw. 2005). Importiert werden vor allem fossile Energieträger, während der Bedarf an erneuerbaren Energien weitgehend aus inländischen Quellen gedeckt wird.

Wie groß die Abhängigkeit von Energieimporten ist, zeigt der Blick auf die kumulierte Menge seit dem Jahr 2000: bis einschließlich 2025 importierte Österreich netto mehr als 3.500 TWh Erdöl und Erdölprodukte wie Diesel oder Kerosin. Bei Erdgas waren es im selben Zeitraum mehr als 1.800 TWh, bei Kohle knapp 1.000 TWh. Deutlich geringer fielen die Nettoimporte von Strom mit gut 100 TWh und Bioenergie mit weniger als 50 TWh (weniger als ein Hundertstel im Vergleich zu den fossilen Energien) aus.

Die Nettoimporte ergeben sich aus der Differenz zwischen Importen und Exporten unter Berücksichtigung von Lagerveränderungen.

Auf welchem Wege kommen die Importe ins Land?

Gas

Importabhängigkeit 2025: 93 Prozent

Die Gasversorgung Österreichs hat sich seit Anfang 2025 grundlegend verändert. Über Jahrzehnte hinweg kamen Gasimporte überwiegend aus dem Osten. Russland war seit Ende der 60er-Jahre des letzten Jahrhunderts der wichtigste Lieferant. Zuletzt lag der Anteil russischen Gases an den österreichischen Netto-Gasimporten zwischen 80 bis über 90 Prozent.

Seit 2025 kommt kein Pipeline-Gas aus Russland mehr nach Österreich. Stattdessen wird Gas heute vor allem über Deutschland, teilweise auch über Italien importiert. Ein wichtiger Lieferant ist Norwegen. Darüber hinaus stammt das Gas aus unterschiedlichen Quellen, die über die europäischen Handelsplätze und Fernleitungsnetze miteinander verbunden sind.

Über Italien erreicht Österreich unter anderem Pipeline-Gas aus Algerien und Aserbaidschan sowie Flüssigerdgas (LNG), das per Schiff in Italien angelandet und in das europäische Gasnetz eingespeist wird. Auch bei den Gasimporten über Deutschland spielt LNG eine wichtige Rolle. Es gelangt über Terminals in Deutschland, den Niederlanden und Belgien in das europäische Fernleitungsnetz.

Um die Herkunft der österreichischen Gasimporte besser einordnen zu können, lohnt daher ein Blick auf den europäischen LNG-Mix: Im ersten Halbjahr 2026 stammten 62 Prozent der europäischen LNG-Importe aus den USA, 18 Prozent aus Russland, 12 Prozent aus Afrika und 4 Prozent vom persischen Golf. Vor dem Iran-Krieg lag der Anteil der Golfregion noch zwischen 8 und 12 Prozent. Die übrigen 4 Prozent kamen aus anderen Herkunftsländern.

Insgesamt deckte LNG seit Anfang 2023 durchschnittlich rund 45 Prozent der europäischen Gasimporte ab, zuletzt mit steigender Tendenz.

Erdöl und Erdölprodukte

Importabhängigkeit 2025: 96 Prozent

Bei den Erdölimporten Österreichs ist zwischen Rohöl und bereits verarbeiteten Ölprodukten zu unterscheiden: Rund 60 Prozent der Importe entfallen auf Rohöl, das in der einzigen Raffinerie des Landes (Schwechat, Niederösterreich) zu Kraftsoffen und anderen Produkten verarbeitet wird. Die übrigen rund 40 Prozent werden als fertige oder teilweise verarbeitete Ölprodukte importiert. Etwa zwei Drittel davon entfallen auf Diesel, der Rest auf Benzin, Heizöl, Kerosin und weitere Fertig- und Halbfertigprodukte.

Während Erdölprodukte vor allem per Zug, Lkw und Donauschifffahrt aus Raffinerien der Nachbarländer nach Österreich gelangen, wird importiertes Rohöl nahezu ausschließlich über die „Adria-Wien-Pipeline“ (AWP) zur Raffinerie Schwechat transportiert. Sie zweigt von der so genannten Transalpinen Ölleitung (TAL) ab, die Rohöl vom italienischen Hafen Triest nicht nur nach Österreich, sondern auch nach Süddeutschland und Tschechien befördert.

Das in Triest angelandete Rohöl stammt aus unterschiedlichen Teilen der Welt. Für Österreich ist Kasachstan das wichtigste Herkunftsland: 2024 entfielen 55 Prozent der österreichischen Rohölimporte auf kasachisches Öl.

Dessen Transportweg verdeutlicht die internationale Verflechtung der Ölversorgung: Von den kasachischen Ölfeldern wird das das Rohöl zunächst per Pipeline zum russischen Schwarzmeer-Hafen Noworossijsk gepumpt. Die dortige Infrastruktur ist durch den Krieg Russlands gegen die Ukraine und wiederholte Angriffe der Ukraine auf russische Anlagen gefährdet. In Noworossijsk wird das Öl auf Tanker verladen, die über den Bosporus in der Türkei und das Mittelmeer zur Adria bis nach Triest fahren. Von dort wird das kasachische Rohöl gemeinsam mit Lieferungen aus anderen Herkunftsländern über Pipelines nach Österreich transportiert. Dazu zählen insbesondere Libyen (14 Prozent der Rohölimporte 2024 nach Österreich), Saudi-Arabien (12 Prozent), Aserbaidschan (4 Prozent) und der Irak (3 Prozent).

Kohle

Importabhängigkeit: 100 Prozent

Kohle wird in Österreich vor allem in der Eisen- und Stahlerzeugung eingesetzt. Der Bedarf wird zu 100 Prozent (2025) durch Importe gedeckt.

Steinkohle ist ein global gehandelter Rohstoff und gelangt per Schiff in große europäische Häfen (z.B. Hamburg, Koper) und wird von dort aus per Zug zu den Verbrauchsstandorten transportiert. Ein Teil der Kohle erreicht Österreich auch auf dem Wasserweg.

Die wichtigsten Kohle-Herkunftsländer für Österreich für waren 2024 Polen, die USA und Australien.

 

Strom

Importabhängigkeit: 5 Prozent

Österreich ist eng in den europäischen Strommarkt eingebunden und spielt als Transitland für Strom eine wichtige Rolle. Grenzüberschreitende Übertragungsleitungen verbinden das österreichische Stromnetz mit Deutschland, Tschechien, Italien, Ungarn, Slowenien und der Schweiz.

Dabei ist nicht jeder Stromimport auch für den Verbrauch in Österreich bestimmt. Ein erheblicher Teil grenzüberschreitender Stromflüsse wird durch Österreich weitergeleitet.

Über das Jahr betrachtet fließt Strom vor allem aus dem Norden (Deutschland und Tschechien) nach Österreich. Gleichzeitig werden große Mengen in Richtung Süden (Italien, Slowenien) und Osten (Ungarn) exportiert.

Die enge Vernetzung mit den Nachbarländern ermöglicht einen grenzüberschreitenden Stromaustausch und ist ein wichtiger Bestandteil der österreichischen Stromversorgung.

Kompass Energieunabhängigkeit ist ein gemeinsames Projekt von Oesterreichs Energie und Österreichische Energieagentur.