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Wasserstoff als Gamechanger bei der Versorgungssicherheit

Die österreichische Bundesregierung hat sich ehrgeizige Ziele im Bereich der Klima- und Energiepolitik gesetzt. Die erneuerbare Stromerzeugung spielt hier eine wichtige Rolle – eine vollständige Dekarbonisierung lässt sich jedoch nur über den Einsatz weiterer Energieträger wie grünen Wasserstoff erreichen. In der E-Wirtschaft könnte Wasserstoff künftig vor allem bei der Versorgungssicherheit, bei der saisonalen Verlagerung und bei der Bereitstellung von Flexibilität eine Rolle spielen. Zu diesem Ergebnis kommt Frontier Economics in einer Studie im Auftrag von Oesterreichs Energie.

In den klassischen Wasserstoff-Szenarien fällt der E-Wirtschaft oft nur eine Rolle als Lieferant zu: Sie ist die Blackbox, die künftig dafür zu sorgen hat, dass die benötigten Energiemengen verfügbar sind – und diese werden beträchtlich sein.

Diese Betrachtung greift jedoch zu kurz, denn dabei werden zwei wichtige Aspekte übersehen:

Die E-Wirtschaft wird in diesem Bereich künftig nicht nur als Energielieferant – oder möglicherweise als Wasserstoffproduzent auftreten – sondern hat im Hinblick auf Versorgungssicherheit, Flexibilität und die saisonale Verlagerung von Energie auch eigene Einsatzbereiche und Interessen. KWK-Anlagen und Gasturbinen sind für die Aufrechterhaltung unserer Versorgungssicherheit essentiell. Wie in der Industrie oder im Transportbereich, gibt es derzeit bei der Dekarbonisierung unserer thermischen Kapazitäten keine echten Alternativen zum Wasserstoff.

In den kommenden Jahren werden wir erneuerbare Erzeugungskapazitäten im Ausmaß von 27 TWh errichten und unsere Verteiler- und Übertragungsnetze massiv ausbauen. Das ist viel – dennoch wird elektrische Energie ein rares Gut bleiben. Das muss uns beim Aufbau unserer Wasserstoffwirtschaft bewusst sein. Wir werden uns hier auch in Zukunft immer die Frage stellen müssen, wie wir die vorhandene Energie bestmöglich einsetzen können. Wir müssen deshalb darauf achten, dass wir am Ende ein effizientes System errichten das sich gegenseitig stützt (Stichwort Sektorkopplung) und nicht auf der einen Seite Anreize setzen, die dann auf der anderen Seite zusätzliche Kosten verursachen.

Im Zuge der Etablierung einer Wasserstoffwirtschaft müssen wir die Weichen bereits jetzt richtig stellen und auch die Forschung in diese Richtung intensivieren.

Aus Sicht der E-Wirtschaft gibt es derzeit folgende Kernpunkte, die in einer künftigen Wasserstoffstrategie Beachtung finden sollten:

1. E-Wirtschaft braucht Wasserstoff

In einer künftigen Wasserstoffwirtschaft wird die E-Wirtschaft nicht nur Energie bereitstellen oder Wasserstoff produzieren, sondern auch selbst Wasserstoff verbrauchen. Anders ist eine vollständige Dekarbonisierung des Strombereichs unter Aufrechterhaltung der Versorgungssicherheit nicht möglich.

2. Übergang zur Wasserstoffwirtschaft muss jetzt geplant werden

Die mittel- und langfristig notwendigen Rahmenbedingungen für eine etablierte Wasserstoffwirtschaft sind klar von der Markthochlaufphase abzugrenzen, in der Wasserstoffprojekte durch gezielte Maßnahmen umfangreich und unkompliziert unterstützt werden sollen. Der Übergang zwischen den beiden Phasen muss bereits jetzt mitgedacht werden.

3. Elektrolyseure müssen sich in das Stromsystem einfügen

Elektrolyseure können das Stromsystem belasten oder zu seiner Stabilisierung beitragen – es braucht daher klare Signale und Anreize, damit Elektrolyseure Flexibilität bereitstellen können und langfristig an den richtigen Stellen im Stromnetz errichtet werden.

4. Marktfähigkeit von grünem Wasserstoff herstellen

In der Markthochlaufphase sind auch regulatorische Anreize ein geeignetes Instrument um die Entstehung einer Wasserstoffwirtschaft zu fördern, langfristig lässt sich die Marktfähigkeit von grünem Wasserstoff aber nur über eine Bepreisung von CO2 herstellen.

Oesterreichs Energie Trendforum zum Thema Wasserstoff

DiskutantInnen
Magnus Brunner, Staatssekretär für Klimaschutz und Energie
Christoph Gatzen, Associate Director Frontier Economics
Thorsten Herdan, Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, Deutschland
Michael Strugl, Präsident Oesterreichs Energie
Theresia Vogel, Geschäftsführerin Klima- und Energiefonds Barbara Schmidt, Generalsekretärin Oesterreichs Energie