Leuchttürme der Energiezukunft. Vermuntwerk
Fast 100 Jahre nach seiner Errichtung hat die Illwerke-VKW das Vermuntwerk umfassend erneuert. Zwei nahezu einzigartige Peltonturbinen ersetzen die bisherigen fünf Maschinensätze, steigern den Wirkungsgrad und erhöhen die Jahreserzeugung um rund sechs Prozent.

Sie war eine technische, aber auch energiewirtschaftliche Pionierleistung: die Errichtung des Vermuntwerks, des mit 80 Megawatt (MW) damals leistungsstärksten Speicherkraftwerks Österreichs, durch die damaligen Vorarlberger Illwerke, die in den Jahren 1925 bis 1930 erfolgte. Installiert wurden seinerzeit vier Maschinengruppen, die 1939 durch eine fünfte ergänzt wurden. Das Kraftwerk nutzt den Höhenunterschied zwischen dem eigens geschaffenen Vermunt-Speichersee mit rund fünf Millionen Kubikmetern Volumen auf 1.743 Höhenmetern und dem Krafthaus in Partenen, einem auf rund 1.030 Metern gelegenen Ortsteil der Montafoner Gemeinde Gaschurn. Das Vermuntwerk war das erste Großkraftwerk der Vorarlberger Illwerke. Ihm kam somit eine prägende Rolle in der Geschichte der Nutzung Erneuerbarer Energien in Vorarlberg zu.
Über die Rheinlandleitung mit einer Spannung von 220 Kilovolt (kV) war das Vermuntwerk von Beginn an mit dem deutschen Hochspannungsnetz verbunden. Dabei handelte es sich um die erste Überlandleitung mit 220 kV in ganz Europa. Mit ihr, die das Vermuntwerk mit den Kohlekraftwerken im Ruhrgebiet verband, begann der grenzüberschreitende Stromnetzbetrieb. Seit 1931, einem Jahr nach seiner Inbetriebnahme, trug das Vermuntwerk über diese Leitung zur Stabilisierung der Frequenz im internationalen Verbundnetz bei.
Und nicht nur wegen seiner Leistungsstärke war das Vermuntwerk eine Besonderheit: Seine sogenannte „Hausmaschine“ machte es schon damals schwarzstartfähig. Somit stand es für den Wiederaufbau der Stromversorgung nach einem großflächigen, lange andauernden Ausfall (Blackout) zur Verfügung – was bis heute der Fall ist. In den folgenden Jahrzehnten wurde das Vermuntwerk immer wieder modernisiert und erreichte schließlich im Turbinenbetrieb eine Höchstleistung von 163 MW.
Hochmoderne Peltonturbinen
Kürzlich nun schrieb die Eigentümerin des Kraftwerks, die Illwerke-VKW, neuerlich Geschichte – im Zuge der Generalerneuerung des Vermuntwerks fast genau 100 Jahre nach dem Bau, die im Sommer 2025 begann und Ende August 2026 zum Abschluss kam. Dabei ersetzte die Illwerke-VKW die bisherigen fünf Maschinensätze durch zwei hochmoderne sechsdüsige horizontale Peltonturbinen und steigerte den Wirkungsgrad der installierten Maschinen inklusive Maschinentrafos im Kraftwerk damit um rund sechs Prozent. Die zum Einsatz kommenden Turbinen sind international nahezu einzigartig: Weltweit ist bis dato nur eine einzige vergleichbare Maschine im Einsatz. Durch die Modernisierung ist es möglich, den Aufwand für die laufende Wartung der Anlagen zu verringern und die Betriebssicherheit weiter zu steigern. Ferner lässt sich die jährliche Stromerzeugung von 270 Gigawattstunden (GWh) um etwa sechs Prozent auf 286 GWh erhöhen – ein keinesfalls zu unterschätzender Effizienzgewinn. Stichwort Energieeffizienz: Die Illwerke-VKW nutzte die Gelegenheit, um die in die Jahr(zehnt)e gekommenen Heizungsanlagen zu modernisieren. Das Unternehmen verwendet nun die Abwärme der Turbinen für die Bereitstellung von Raumwärme und Warmwasser am Standort. Überdies brachte die Illwerke-VKW die Kraftwerkstechnik inklusive der Freiluftschaltanlage auf den technisch neuesten Stand.
Das Projekt
Inbetriebnahme: 1930 als damals leistungsstärkstes Speicherkraftwerk Österreichs
Generalerneuerung: Juli 2025 bis August 2026; Außen- und Infrastrukturarbeiten bis Oktober 2026
Investition: Ersatz von fünf Maschinensätzen durch zwei sechsdüsige horizontale Peltonturbinen
Leistung: Mehr als 160 Megawatt
Wirkungsgrad: Steigerung um rund sechs Prozent
Jahreserzeugung: Anstieg von 270 auf 286 Gigawattstunden
Speicher: Vermuntsee auf 1.743 Metern Seehöhe mit rund fünf Millionen Kubikmetern Volumen
Systemfunktion: Schwarzstartfähigkeit und Bereitstellung flexibel abrufbarer Leistung für das öster-reichische und internationale Verbundnetz
Eine nicht zu unterschätzende Herausforderung bei der Generalerneuerung des Vermuntwerks war die Absenkung des Vermunt-Speichersees. Sie war erforderlich, um Untersuchungen normalerweise unter Wasser liegender Anlagen, darunter des Grundablasses sowie des Umlaufstollens, zu ermöglichen. Darüber hinaus mussten umfassende Instandhaltungsmaßnahmen an der Talsperre und am Einlaufbauwerk durchgeführt werden. Überdies entwickelte die Illwerke-VKW ein nachhaltiges Sedimentmanagement für den Vermuntspeicher. Damit ist es möglich, die natürlich anfallenden Ablagerungen geregelt über die Ill abzugeben. Die Arbeiten im Bereich des Stausees unterlagen einem straffen Zeitplan, betont die Illwerke-VKW: Der Vermuntsee bildet das Unterbecken des Pumpspeicherkraftwerks Obervermunt II, das 2019 in Betrieb ging und eine Turbinenleistung von 380 MW hat. Es ist damit das zweitstärkste Pumpspeicherkraftwerk der Illwerke-VKW nach dem seit 2008 in Betrieb befindlichen Kopswerk II mit 525 MW Turbinenleistung. Das Obervermuntwerk II konnte während der Dauer der Arbeiten am Vermuntsee nicht betrieben werden. Somit war es notwendig, die Arbeiten schnellstmöglich durchzuführen, um die Zeit der Werkssperre – die zugleich für eine Generalüberholung der Maschinen im Obervermuntwerk II genutzt wurde – kurz zu halten. Ein weiterer wesentlicher Grund dafür war: Spätestens ab Dezember herrschen in dem betreffenden hochalpinen Gebiet des Silvrettagebirges winterliche Verhältnisse, die das sichere Arbeiten erheblich erschweren. Ende November 2025 konnte die Werkssperre des Obervermuntwerks II planmäßig aufgehoben werden.
Zusammengefasst stellte sich der Zeitplan für die Generalerneuerung des Vermuntwerks wie folgt dar: Die Hauptarbeiten im Bereich des Krafthauses Partenen inklusive der Freiluftschaltanlage begannen im Juli 2025 und dauerten bis August 2026. Die Absenkung des Vermunt-Speichersees nahm die Illwerke-VKW im August vergangenen Jahres auf und beendete sie Ende November. Nach einer Bauzeit von nur elf Monaten konnte das Unternehmen Mitte Juni des heurigen Jahres die erste der beiden neuen Maschinen in Betrieb nehmen. Damit standen mehr als 80 MW an Leistung zur Verfügung. Die zweite Maschine ging am 21. August ans Netz. Der Illwerken-VKW zufolge war dies der „letzte große Meilenstein der Generalerneuerung. Das Vermuntwerk ist somit wieder mit voller, gesteigerter Kraft am Netz“.
Über die Grenzen
Für die Energietransformation ist das Projekt von erheblicher Bedeutung, und dies insbesondere grenzüberschreitend. Bekanntlich baut Deutschland die Stromerzeugung mittels Erneuerbarer Energien massiv aus, wobei neben der Photovoltaik die Onshore- und Offshore-Windkraft im Mittelpunkt steht. Damit aber beruht ein zunehmender Anteil der dortigen Stromproduktion auf witterungsabhängigen Technologien und schwankt je nach Wind- sowie Solardargebot stark. Umso wichtiger werden die Vorarlberger Speicher und Pumpspeicher, die in der Lage sind, derartige Schwankungen binnen kürzester Zeit auszugleichen und so eine ebenso sichere wie saubere Versorgung mit elektrischer Energie zu gewährleisten. Die Generalerneuerung des Vermuntwerks ist damit ein für die kommenden Jahrzehnte über die Grenzen Österreichs wirkender Leuchtturm der Energietransformation.

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