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Startup: Bitcoin aus berschüssigem Solarstrom

Das Kärntner Startup Hashlynk bietet Unternehmen und Privatpersonen ein ungewöhnliches, aber lukratives Alternativmodell für die Verwendung von überschüssigem PV-Strom: Bitcoin-Mining.

Zunächst kam die Abwärme einfach in den Kamin. So erzählt jedenfalls Max Possegger, einer der Founder, die Gründungsgeschichte von Hashlynk. Und erklärt dann, dass es um die Wärme aus den Hochleistungscomputern seines Freundes Thomas Ebner ging.

Aber eigentlich ist das nicht wirklich der Anfang. Der liegt weiter zurück, in jener Zeit, als Ebner seine PV-Anlage ausbauen wollte und überlegte, was er mit dem Strom, den er zeitweise in Überschuss haben würde, anstellen soll.

Die Mining-Anlage von Hashlynk nutzt überschüssigen PV-Strom für Bitcoin-Berechnungen. Die dabei entstehende Abwärme kann zum Heizen verwendet werden.

Geht da mehr?

Ins Netz speisen durfte Ebner nur bis zu einem gewissen Teil und der Einspeisepreis begeisterte ihn auch nicht wirklich. „Warum stattdessen nicht lieber mit der überschüssigen Energie Bitcoins minen?“, dachte er sich. Für die hat Ebner, früher in der Versicherungsbranche tätig, schon länger ein Faible. Und so besorgte er sich einen entsprechenden Hochleistungscomputer, steckte ihn an und begann zu minen. Die Abwärme leitete er in den Kamin ab — nicht sehr energieeffizient, aber dennoch durchaus mit messbarem Einfluss auf die Raumtemperatur.

Einige Wochen später saß Ebner mit Max Possegger bei einem Bier, vielleicht waren es auch zwei, zusammen und fragte: „Können wir aus der Bitcoin-Sache nicht etwas Größeres machen? Du bist Maschinenbauer, hast du eine Idee?“

Max Possegger hatte tatsächlich eine Idee. Wie wäre es, überlegte er, wenn man ein System konzipiert, bei dem die Kundin oder der Kunde eine fixfertig konfigurierte Hardware bekommt, die er nur anstecken muss, damit sie genau das tut, was Ebners privat gebastelter Prototyp tat: überschüssige PV-Energie zu Bitcoins macht und nebenbei die anfallende Wärme zum Heizen nutzt.

Eine weitere wichtige Anforderung, die die Gründer – zu Possegger und Ebner gesellte sich mit Matthias Wagner noch ein weiterer hinzu – an ihre Entwicklung stellten: Die dazugehörige Software soll so programmiert sein, dass immer zuerst alle aktiven Verbraucher im Haus mit Strom versorgt werden und erst dann die Mining-Einheit an die Reihe kommt. 

Das Team von Hashlynk entwickelt Hardware und Software, die Bitcoin-Mining an die verfügbare Strommenge und den Verbrauch im Haus anpassen.

Viele Optionen

Nach vier Jahren Entwicklungsarbeit, die ausschließlich mit Eigenkapital finanziert wurde, war man so weit, den ersten richtigen Prototyp zu fertigen. Inzwischen existieren mehrere Produktvarianten, die die Bedürfnisse von Privatpersonen und KMUs ebenso abdecken wie jene von großen Unternehmen. „Wir passen unsere Produkte aber ohnehin immer an den konkreten Kunden an, unabhängig davon, welches Modell er wählt“, sagt Possegger. Von 3 kW bis in den Megawattbereich reicht jedenfalls das Angebot.

Auch bei den Kühlungsoptionen ist die Palette breit: Es gibt luftgekühlte Varianten, wassergekühlte Modelle mit Wärmerückgewinnung bis etwa 60 Grad sowie ein ölgekühltes System, bei dem die Computer in einem Ölbad liegen und bei dem bis zu 80 Grad Wärme genutzt werden können. Die kleinsten Anlagen beginnen bei 1.500 bis 3.000 Euro, große Lösungen können auch niedrige sechsstellige Beträge erreichen. „Das hängt sehr stark von der Konfiguration, der Kühlung und der Rechenleistung ab“, sagt Possegger.

Zur Person

Max Possegger (30) 

hat einen Meisterabschluss in Elektrotechnik und war rund fünfzehn Jahre in der Maschinenbauindustrie tätig. Derzeit studiert er Systems Engineering an der FH Kärnten in Villach und steht kurz vor dem Bachelorabschluss. Gemeinsam mit Matthias Wagner und Thomas Ebner gründete er 2025 das Unternehmen Hashlynk. Dort beschäftigt sich Possegger mit der Frage, wie Maschinenbau, Elektrotechnik und Softwareentwicklung genutzt werden können, um überschüssigen PV-Strom wirtschaftlich und innovativ zu nutzen.

Gute Erträge

Die Erträge, die Hashlynk verspricht, sind überaus attraktiv. „Während Einspeiser vor allem im Sommer oft mit niedrigen Tarifen leben müssen, sind bei uns je nach Situation und Maschinenmodell bis zu 19 Cent pro Kilowattstunde möglich“, erklärt Possegger.

Das Interesse an Bitcoins aus dem Solarpanel ist jedenfalls beachtlich. Die ersten Projekte sind bereits umgesetzt, zehn weitere in Bearbeitung. Die Kundinnen und Kunden von Hashlynk kommen aktuell zur Hälfte aus dem privaten, zur Hälfte aus dem gewerblichen Bereich. Darunter ist auch ein Hotel, das durch den Einsatz von PV, Mining und der damit verbundenen Wärme die bislang genutzte Ölheizung ersetzen kann.

Dabei ist die Abwärme im Grunde nur ein Nebenprodukt. Denn die Hauptaufgabe der Mining-Maschinen von Hashlynk ist es, überschüssigen Strom in Rechenleistung für das Bitcoin-Netzwerk und damit in Erträge umzuwandeln. 

Diese Geräte zu konzipieren, ideal auszulegen und mit Software zu bestücken, sieht Hashlynk als seine Kernaufgabe. „Wir sind eine reine Maschinenbaufirma. Das bedeutet, wir bauen Maschinen, wir konzipieren die Software, programmieren diese auch und verkaufen sie dann an den Kunden. Alles Weitere wäre Finanzdienstleistung.“ 

Das Unternehmen

Hashlynk

Sitz: Möllbrücke

Gründung: 2025

Märkte: Österreich

Geschäftsmodell: Komplettlösungen, um überschüssigen PV-Strom für Bitcoin-Mining zu verwenden und so zu monetarisieren

Von Bitcoin zu Echtgeld

Die geminten Bitcoins in reales Geld zu verwandeln, geht allerdings mit der von Hashlynk gelieferten Software ganz einfach. „Der Kunde kann über einen Broker festlegen, dass eine Auszahlung erfolgt, sobald das Konto einen bestimmten Gegenwert erreicht hat, oder er kann die Bitcoins auf dem Konto lassen und sie zu einem selbstgewählten Zeitpunkt in Euro umwandeln.“

„Die zweite Variante hat den Vorteil, dass man selbst entscheiden kann, zu welchem Kurs verkauft wird. Bei der automatischen Auszahlung wird hingegen der gerade gültige Kurs verwendet, dafür läuft alles völlig automatisch“, erläutert Possegger die beiden Möglichkeiten.

Inzwischen ist Hashlynk so weit, dass sich Possegger als Geschäftsführer und zwei Software-Ingenieure der Firma in Vollzeit und bezahlt widmen können. Die beiden anderen Gründer, Thomas Ebner und Matthias Wagner, unterstützen vorerst noch ehrenamtlich.

Der nächste Schritt für Hashlynk, sagt Possegger, wird neben der Weiterentwicklung des Produkts darin bestehen, das Unternehmen bekannter zu machen. Im Vorjahr war Hashlynk bereits auf der Bitcoin-Messe in Ingolstadt vertreten, dieses Jahr wird die Intersolar bespielt. „Die Resonanz, die wir bekommen, ist sehr gut“, sagt Possegger.

Und etwaige Berührungsängste mit Kryptowährungen? Wie gehen die Hashlynk-Gründer damit um? Für Max Possegger sind sie kein wirkliches Hindernis: „Menschen, die dem Thema prinzipiell ablehnend gegenüberstehen, werden wir wahrscheinlich nicht als Kunden gewinnen können. Bei den meisten, mit denen wir sprechen, sind es aber keine grundsätzlichen Widerstände, sondern Unsicherheit. Wenn wir unser Produkt erklären, verschwinden die Bedenken meist.“

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