25 Jahre Strommarktliberalisierung
Seit der vollständigen Marktöffnung für alle Stromkund:innen im Jahr 2001 können Haushalte und Unternehmen ihren Stromlieferanten frei wählen. Die vorliegende Studie untersucht die Auswirkungen dieser Marktöffnung auf die Strompreise sowie die daraus resultierenden volkswirtschaftlichen Effekte und ordnet die Ergebnisse im Kontext weiterer Entwicklungen des Energiesystems der letzten 25 Jahre ein. Die dabei im Folgenden ausgewiesenen Strompreiseffekte sind als Differenzen zwischen der tatsächlichen Entwicklung und einem modellierten Szenario ohne Liberalisierung zu verstehen.
Mit der Liberalisierung wurden Erzeugung und Vertrieb im Strombereich dem Wettbewerb geöffnet, während die Stromnetze als regulierte Monopole bestehen blieben. Diese Trennung bildet bis heute die Grundlage des österreichischen Strommarktes. Der Wettbewerb hat sich seither deutlich entwickelt. Im Jahr 2025 waren in Österreich 143 Stromlieferanten tätig, davon 39 österreichweit. Transparenzinstrumente wie die Stromkennzeichnung, standardisierte Rechnungen und insbesondere der Tarifkalkulator der E-Control haben die Vergleichbarkeit von Angeboten verbessert und die Wechselmöglichkeiten für Kund:innen erleichtert. Im Jahr 2025 wechselten rund 345.000 Kund:innen ihren Stromlieferanten. Die Marktöffnung schuf neben den Preiseffekten auch die Grundlage für weitere strukturelle Veränderungen am Endkund:innenmarkt, etwa eine höhere Transparenz, erweiterte Wahlmöglichkeiten für Kund:innen sowie die Entwicklung neuer Angebote und Dienstleistungen.
Die quantitative Analyse zeigt, dass die Strommarktliberalisierung insgesamt zu niedrigeren Strompreisen geführt hat. Im Vergleich zu einem modellierten Szenario ohne Liberalisierung liegen die tatsächlichen Endkund:innenpreise für Strom für Haushalte einschließlich Umsatzsteuer durchschnittlich um rund 16,3 % niedriger, für Nicht-Haushalte ohne Umsatzsteuer um rund 2,5 % niedriger. Bis 2025 ergeben sich kumulierte Entlastungen für alle Gruppen von Endkund:innen von insgesamt rund 15 Mrd. Euro. Die unterschiedlich großen Effekte sind dabei vor dem Hintergrund unterschiedlicher Marktstrukturen und Ausgangsbedingungen von Haushalten gegenüber Nicht-Haushalten zu interpretieren.
Neben den direkten liberalisierungsbedingten Preisvorteilen führte die Liberalisierung auch zu positiven gesamtwirtschaftlichen Effekten. Gegenüber einer Situation ohne Liberalisierung erhöhen die niedrigeren Strompreise die Kaufkraft der privaten Haushalte, verbessern die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen und stärken Konsum, Investitionen und Exporte. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) liegt dadurch zwischen 2001 und 2022 durchschnittlich um 0,11 % höher, während die Beschäftigung um durchschnittlich jährlich rund 2.700 Arbeitsplätze im Vergleich zu einer Situation ohne Liberalisierung des Strommarktes zunimmt. Die Effekte für den Zeitraum 2023–2025 sind aufgrund geringerer Strompreiseffekte deutlich niedriger aber ebenfalls positiv. Diese geringeren Strompreiseffekte sind durch gestiegene Brennstoffkosten begründbar, die zu einer Steigerung der Strompreise geführt haben. Dies wäre auch in einer Situation ohne Liberalisierung passiert. Es ist zu beachten, dass aufgrund fehlender vergleichbarer Krisen in der Historie keine abweichende Preiskrisenintervention zwischen den Szenarien mit und ohne Liberalisierung modelliert wurde.
Im Zeitraum von 1990 bis 2025 veränderte sich der Strommarkt tiefgreifend. Der Stromverbrauch stieg gegenüber 1990 um fast 50 %, während die installierte Kraftwerksleistung um rund 87 % zunahm. Besonders dynamisch entwickelte sich der Ausbau erneuerbarer Energien. Photovoltaik und Windkraft gewannen stark an Bedeutung und zählen mittlerweile zu bedeutenden Bestandteilen des österreichischen Kraftwerkparks. Auch die Integration in den europäischen Strommarkt nahm deutlich zu. Der grenzüberschreitende Stromhandel wuchs erheblich und ermöglichte eine effizientere Nutzung von Erzeugungskapazitäten im europäischen Verbundsystem. Diese Entwicklung wirkte zusätzlich preisdämpfend und erhöhte die Versorgungssicherheit.
Für die Entwicklung der Strompreise werden in Zukunft insbesondere der weitere Ausbau erneuerbarer Erzeugungskapazitäten, die Integration von Flexibilitäten und Speichern, die Modernisierung der Stromnetze sowie die Ausgestaltung von Steuern, Abgaben und Fördermechanismen entscheidend sein. Die Liberalisierung bleibt dabei eine zentrale Grundlage für einen wettbewerbsfähigen, innovativen und effizienten Strommarkt in Österreich.


