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Zweite Hauptstufe für Kaprun

Leuchttürme der Energiewende. Das Projekt Schaufelberg kompensiert die Auswirkungen der Wasserrahmenrichtlinie der EU auf einen von Österreichs bedeutendsten Pumpspeicher. Ferner verbessert es die Versorgungssicherheit in ganz Österreich und den Hochwasserschutz an der oberen Salzach.

Kraftwerkskaverne Limberg III: Das neu geplante Pumpspeicherkraftwerk Schaufelberg wird – wie Limberg II und III – großteils unterirdisch errichtet und hat ebenfalls eine Leistung von 480 MW.

Unter der Bezeichnung „Schaufelberg“ errichtet Verbund bis Ende des Jahrzehnts eine zweite Hauptstufe für die Kraftwerksgruppe Kaprun. Ebenso wie der dort heuer in Betrieb gehende Pumpspeicher Limberg III, hat auch Schaufelberg eine Leistung von 480 Megawatt (MW). Insgesamt steigt die Leistung der „grünen Batterie“ in den Salzburger Tauern damit auf rund 1.860 MW. Das neue Kraftwerk erhöht die Flexiblität der Gruppe Kaprun weiter, trägt dazu bei, die witterungsbedingt schwankende Stromerzeugung von Windparks und Photovoltaikanlagen auszugleichen und verbessert damit die Versorgungssicherheit Österreichs unter den Bedingungen der Energiewende zusätzlich.

Auch in ökologischer Hinsicht bringt das Vorhaben erhebliche Vorteile mit sich: Es unterstützt die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) der EU in Österreich, indem es die durch den Pumpspeicherbetrieb bedingten Herausforderungen von Schwall und Sunk in der Kapruner Ache vollständig beseitigt. Dazu dient nicht zuletzt ein neu zu errichtendes Ausgleichsbecken im Piesendorfer Ortsteil Kottingeinöden. Mit einem Nutzinhalt von rund 1,8 Millionen Kubikmetern Wasser kann das Becken überdies dazu genutzt werden, Hochwasserextremereignisse im Salzachtal besser als bisher zu bewältigen. 

„Unter idealen Umständen können wir 2027 mit dem Bau beginnen und die neue Hauptstufe zirka Ende 2030 in Betrieb nehmen.“ Thomas Etzer Projektleiter

Die Aufwendungen für das Projekt Schaufelberg belaufen sich nach derzeitigem Stand auf etwa 600 Millionen Euro. Der Investitionsplan von Verbund beläuft sich in den kommenden drei Jahren auf 5,5 Milliarden Euro. Bezahlt macht sich das nicht zuletzt auch volkswirtschaftlich: Insgesamt etwa 75 Prozent der mit dem Vorhaben verbundenen Wertschöpfung verbleiben in Österreich. Allein auf die Region Kaprun entfallen rund 20 Prozent, auf das Bundesland Salzburg 40 Prozent. 

Grundlegende Pläne für die Errichtung einer zweiten Hauptstufe für Kaprun entwickelte bereits die Tauernkraftwerke AG, die von 1947 bis 1999 bestand und seit damals Teil der Verbund Hydro Power (VHP), der Wasserkraftwerksgesellschaft von Verbund, ist. Nun wurden diese Pläne bis zur Umsetzungsreife ausgearbeitet. Zurzeit sind die zuständigen Abteilungen der VHP damit befasst, die Unterlagen für die Umweltverträglichkeitserklärung (UVE) und die nachfolgende Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) zu erstellen. Voraussichtlich im Sommer des heurigen Jahres beginnt das Genehmigungsverfahren. „Unter idealen Umständen können wir 2027 mit dem Bau beginnen und die neue Hauptstufe zirka Ende 2030 in Betrieb nehmen“, berichtet Projektleiter Thomas Etzer. Gelingt dies, wäre Schaufelberg auch noch für das im Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) verankerte Ziel Österreichs relevant, seinen Strombedarf ab 2030 bilanziell vollständig mit Erneuerbaren Energien zu decken.

Kaprun-Ausbau als Leuchtturm der Energiewende: Projektleiter Pumpspeicher Schaufelberg Thomas Etzer, Werksgruppenleiterin Kaprun Tanja Janisch-Breuer, Gesamtprojekt­leiter „Kaprun 2029“ Christian Rieder (v. l.)

Klassischer Pumpspeicher  

Als Herzstück der Kraftwerksgruppe Kaprun gelten die beiden großen, ursprünglich als Jahresspeicher konzipierten, Stauseen Wasserfallboden mit einem Stauziel von 1.672 Metern Seehöhe und 81,2 Millionen Kubikmetern Nutzinhalt sowie Mooserboden, dessen Stauziel auf 2.036 Metern Seehöhe liegt und dessen Nutzinhalt sich auf 84,9 Millionen Kubikmeter beläuft. Rund 340 Kubikmeter Wasser pro Sekunde kann Verbund zwischen den beiden Speicherseen je nach Bedarf turbinieren oder pumpen. Bisher besteht dabei die Herausforderung, das abgearbeitete Wasser nach der Stromerzeugung in der 260 MW leistenden Hauptstufe in die Kapruner Ache einleiten zu müssen. Laut Etzer ist die Hauptstufe gewissermaßen der „Flaschenhals“ der Kraftwerksgruppe, weil sie lediglich eine Ausbauwassermenge von 36,5 Kubikmetern pro Sekunde bewältigen kann. In früheren Zeiten, als Mooser- und Wasserfallboden im Wesentlichen als Jahresspeicher genutzt wurden und das im Sommer eingespeicherte Wasser im Winter abzuarbeiten war, stellte dies kein Problem dar. Mit dem Ausbau der Windkraft und der Photovoltaik hat sich die Situation gründlich geändert. Damit aber ist es sinnvoll, eine zweite, stärkere Hauptstufe zu errichten. 

Dies erfolgt im Inneren des Schaufelbergs oberhalb von Piesendorf im Salzachtal, etwa dreieinhalb Kilometer nordwestlich von Kaprun. Verbunden damit ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil: Am Fuß des Schaufelbergs befindet sich das Umspannwerk Tauern der Austrian Power Grid (APG), über das die Netzanbindung des neuen Kraftwerks ohne nennenswerte Schwierigkeiten erfolgen kann. Ferner kann Verbund unmittelbar westlich des Umspannwerks das bereits erwähnte Speicherbecken Kottingeinöden errichten, was im Ortsgebiet von Kaprun aus Platzmangel nicht möglich wäre. Damit aber würde der Betrieb der bestehenden Hauptstufe von Kaprun unter den Bedingungen der EU-Wasserrahmenrichtlinie auf längere Sicht erheblich eingeschränkt. 

Das Projekt in Zahlen 


Projektbeginn: Einleitung der UVP im Sommer 2025 

Projektabschluss: Fertigstellung für Ende 2030 geplant

Investitionsvolumen: rund 600 Millionen Euro 

Effekt: weitere Stärkung der „grünen Batterie“ in den Salzburger Tauern mit erheblichen positiven Auswirkungen auf die Versorgungs­sicherheit Österreichs unter den Bedingungen der Energiewende

Die neue Hauptstufe Schaufelberg dagegen wird einerseits über einen Druckschacht mit dem Speicher Wasserfallboden verbunden, andererseits über einen Unterwasserstollen mit dem Becken Kottingeinöden. Somit lässt sie sich mit ihren beiden reversiblen Maschinensätzen mit je 240 MW Leistung als klassischer Pumpspeicher fahren. Über das Becken Kottingeinöden, das gleichsam als Unterbecken des Speichers Wasserfallboden dient, kann das im Kraftwerk abgearbeitete Wasser umweltschonend in die Salzach abgegeben werden. Zwecks optimaler energetischer Nutzung des Wassers erfolgt dies über Kaplanturbinen im Auslaufbauwerk. 
 

Kraftwerk schützt vor Hochwasser 

Damit verbunden ist noch ein weiterer Vorteil für die Region: Die Kaplanturbinen erlauben, Wasser aus der Salzach in das Speicherbecken zu transferieren – und das in erheblichen Mengen. Bis zu zwölf Stunden lang lassen sich 40 Kubikmeter pro Sekunde aus der Salzach entnehmen. Im Fall eines extremen Hochwasserereignisses entscheidet dies unter Umständen darüber, ob Siedlungsräume am Oberlauf des Flusses überflutet werden oder nicht. Und derartige Optionen gewinnen gerade in Zeiten des Klimawandels immer mehr an Bedeutung. 

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