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Warum ist der Strompreis derzeit so hoch?

Global stark steigende Energiepreise schlagen nur zum Teil auf die Strompreise der Endkunden durch. Am Marktdesign besteht jedoch kein Zweifel. Der Umbau in Richtung Erneuerbare wird die Abhängigkeit von Fossilen reduzieren.

Im Spätherbst 2021 schnellte der Preis für Heizöl im Jahresvergleich um mehr als 60 Prozent, die Preise für Diesel bzw. Superbenzin um knapp 35 bzw. 30 Prozent in die Höhe. Gas wurde um 15,6 Prozent teurer, Strom immerhin noch um 9,6 Prozent.

Warum sind die Strompreise derzeit so hoch?

Eine von uns bei der Österreichischen Energieagentur in Auftrag gegebene Studie zeigt, dass die aktuellen Steigerungen aus dem Markt resultieren. Zentraler Treiber sind die Gaspreise im zunehmend globalisierten Gasgroßhandel.

Weil die großen Stromlieferanten langfristige Beschaffungsstrategien verfolgen, kommen Preisänderungen bei den Konsumentinnen und Konsumenten zeitverzögert und abgeschwächt an. Die aktuellen Entwicklungen auf den Großhandelsmärkten deuten für das Frühjahr eine leichte Entspannung. Insgesamt werden sich die Großhandelspreise aber auf einem höheren Niveau einpendeln, als wir es zuletzt gewohnt waren.

Für die Verbraucherinnen und Verbraucher sind das natürlich zunächst keine guten Nachrichten – für den Ausbau der Erneuerbaren allerdings schon: Durch die hohen Strompreise wird der Förderbedarf massiv sinken – viele Projekte, die bislang Förderungen gebraucht haben, werden künftig auch ohne Unterstützung konkurrenzfähig sein. Im Hinblick auf die Energie- und Klimaziele hat diese Entwicklung also durchaus positive Effekte. 

Gegenstrategien

Aus Sicht der E-Wirtschaft gibt es Maßnahmen, welche die Politik setzen könnte um die Strompreise für die Verbraucherinnen und Verbraucher zu senken.

Der österreichische Strompreis ist relativ hoch belastet – Steuern und Abgaben machen rund ein Drittel des Endkundenpreises aus. Die Senkung der Umsatzsteuer von 20 auf 10 Prozent, die Senkung oder gar Aussetzung der Elektrizitäts- und Erdgasabgabe oder die zielgerichtete Verwendung der ETS-Erlöse für schutzbedürftige Kunden wären möglich. Weiters könnte die EAG-Förderpauschale ausgesetzt werden.

Für weitere dämpfende Maßnahmen zur Wahrung der sozialen Verträglichkeit hat die EU-Kommission eine Toolbox mit einer Reihe von Empfehlungen veröffentlicht. Hebel dabei ist der traditionell hohe Anteil an Steuern und Abgaben am Strompreis. Mit der temporären Aussetzung des EAG-Förderbeitrags für 2022 machte die Regierung schon einen ersten Schritt.

Einen weiteren, auch langfristig wirksamen Ausweg aus der aktuellen Situation gäbe es zusätzlich: Denn was Kunden ebenso wie der Branche fehlt, ist Planbarkeit. Mit einer Änderung bei den „Allgemeinen Lieferbedingungen“ im ElWOG könnte ein stabilisierendes Element geschaffen werden, das sowohl bei der Weitergabe von fallenden wie auch von steigenden Preisen Rechtssicherheit schafft. Werden hier klare Klauseln festgelegt, sollte künftig auch die Überraschung bei Preissenkungen und -steigerungen überschaubar bleiben.

Unsere Position

 

› Keine Eingriffe in einen gut funktionierenden Markt

› Raschen Umbau des Energiesystems ermöglichen

› Rechtssicherheit für Preisänderungen durch eine gesetzliche Grundlage

› Möglichkeiten der EU-Toolbox zur Wahrung der sozialen Verträglichkeit ausschöpfen