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Start-up: Solaranlagen mit Speicher

Drei ehemalige TU-Graz-Studenten entwickelten eine Lösung, die erkennt, ob in einem Haushalt Bedarf an Photo­voltaik-Strom besteht oder dieser in einem Akku gespeichert werden soll.

Diese Geschäftsidee ist überraschend, doch sie funktioniert. Das Grazer Start-up EET produziert Solaranlagen mit Speicher, die vom Nutzer selbst installiert werden können. Den Erfolg verdankt das von Christoph Grimmer, Stephan Weinberger und Florian Gebetsroither gegründete Unternehmen einer Erfindung aus der Forscher-Zeit des Trios an der TU Graz. Und eben auch der Tatsache, dass die Anlagen innerhalb von Minuten und ohne die Hilfe eines Installateurs einsatzbereit gemacht werden können.

Plug and Play PV System am Balkon
© EET
© EET

„Als wir unsere Diensterfindung der TU meldeten, erwies sich die zuständige Stelle als sehr hilfreich. Es war kein Problem, die Erlaubnis zu bekommen, die Erfindung für eine Unternehmensgründung zu nützen“, erzählt Grimmer über die Anfänge von EET, der Efficient Energy Technology GmbH im Jahr 2017. Heute, nach mehreren Zwischenstationen, darunter in einem Business Accelerator, ist EET auf tausend Quadratmetern Büro- und Produktionsfläche im Süden von Graz untergebracht. Die drei Unternehmensgründer beschäftigen rund dreißig Mitarbeiter, zu den Mentoren des Start-ups gehören Klaus Fronius und Michael Koncar. „Solche Leute als Ratgeber und Sparringpartner an Bord zu haben, ist ein unschätzbarer Vorteil“, findet Grimmer.

Christoph Grimmer, Stephan Weinberger, Florian Gebetsroither
„Wenn jemand zum Beispiel auf einem bestehenden Gelände ein PV-Modul montieren will, ist unsere Lösung ideal. Auspacken, Modul anbringen, einstecken.“ Christoph Grimmer Unternehmensgründer EET

Plug and Play

Die Erfindung, die Grimmer den Weg ins Unternehmertum geebnet hat, ist ein Messverfahren, das über ein Signal erkennt, ob in einem Haushalt gerade Bedarf nach zusätzlichem Photovoltaik-Strom besteht oder ob der Solarstrom in einem Akku gespeichert werden soll. „Das hat uns ermöglicht, ein PV-System zu entwickeln, bei dem die Messtechnologie direkt im Speicher verbaut ist“, erklärt Grimmer. Und damit eine perfekte, weil kleine und sehr einfach zu montierende Nachrüstlösung.
„Wenn neu gebaut wird, dann erfolgen sowohl Planung als auch Installation ohnehin durch Fachleute. Dann braucht es unser System nicht. Wenn jemand aber zum Beispiel auf einem bestehenden Balkongeländer ein PV-Modul montieren will, dann ist unsere Lösung ideal, weil sie wirklich nach dem Plug-and-Play-Prinzip funktioniert.

Nachrüst-PV-Anlagen

Was man noch wissen muss

Kleinsterzeugungsanlagen bis 800 W Nennwirkleistung sind von der Anwendung der technischen und organisatorischen Regeln für Stromerzeugungsanlagen, der sogenannten „TOR Erzeuger“, ausgenommen.

Dennoch ist der Netzbetreiber spätestens zwei Wochen vor Inbetriebnahme einer Kleinsterzeugungsanlage schriftlich zu verständigen. In dieser Zeit wird der Netzbetreiber die Eignung des Zählers prüfen und diesen, wenn nötig, austauschen – moderne Smart Meter sind übrigens geeignet.

Auch Kleinsterzeugungsanlagen müssen fest angeschlossen werden. Eine Verbindung mit einem Schutzkontaktstecker ist laut der Norm ÖVE E 8101 (Errichtungsbestimmungen für elektrische Niederspannungsanlagen) nicht zulässig.

Auspacken, Modul anbringen, anstecken“, sagt Grimmer. Das Einzige, was es braucht, sind drei Quadratmeter Platz. Die Leistung des Systems erlaubt es einem durchschnittlichen Haushalt, über das Jahr gerechnet immerhin ein Viertel des Stromverbrauchs autark abzudecken. Wichtig ist zu wissen, dass der Netzbetreiber zwei Wochen vor Inbetriebnahme schriftlich über die bevorstehende Inbetriebnahme verständigt werden muss.
 

Wachstumsphase

Rund 250 Einheiten pro Monat verkauft EET inzwischen. „Im Moment haben wir aber, wie viele andere auch, das Problem, dass wir wegen Lieferengpässen gar nicht so leicht an die Teile kommen, die wir für die Produktion brauchen“, erzählt Grimmer. Weshalb man das Ziel, nach Österreich und Deutschland auch den italienischen und spanischen Markt zu bearbeiten, nicht in der Intensität angehen kann, wie es sich der Firmengründer wünschen würde.

Christoph Grimmer, Stephan Weinberger, Florian Gebetsroither
Christoph Grimmer, Stephan Weinberger und Florian Gebetsroither: Unternehmensgründer mit einer Idee aus der Forscher-Zeit des Trios an der TU Graz © Edi Haberl

Wie jedes Unternehmen, das wächst, durchläuft EET im Moment eine Transformation. „Noch vor kurzem haben wir uns zu zehnt vier Schreibtische geteilt. Da hat jeder vom anderen gewusst, was der gerade macht. Die Entscheidungswege waren extrem kurz“, erinnert sich Grimmer. „Heute mit drei Mal so vielen Leuten müssen wir uns mehr Gedanken über interne Strukturen, interne Organisation machen.“

Weiterwachsen will er dennoch. Wenn aus dem Start-up in einigen Jahren ein Unternehmen mit hundert Mitarbeitern würde, wäre das schon sehr schön. Wiewohl Grimmer auch gern eingesteht: „Den Moment, in dem man sich fragt, warum man sich all das antut, den kenne natürlich auch ich.“ Und auch den Gedanken, dass er glücklicherweise nicht wusste, worauf er sich einließ, als er beschloss, eine eigene Firma zu gründen. „Auf der anderen Seite: Die Idee, etwas Eigenes aufzubauen und an einem Ort zu arbeiten, wo ich selbst die Entscheidungen trage – diese Vorstellung habe ich schon ziemlich früh in meiner Jugend entwickelt.“


Gutes Timing

Dass er sie so gut in die Wirklichkeit umsetzen konnte, verdankt Grimmer auch einem Quäntchen Glück. „Wie bei jedem Unternehmen, das Erfolg hat, war auch bei uns die Mischung aus Produkt und richtigem Timing ausschlaggebend“, sagt er und erzählt dann vom Unternehmensstart im Jahr 2017. „Damals gab es viele, auch erfahrene Leute, die uns gesagt haben: ‚Burschen, ihr seid viel zu teuer, die Idee ist zwar gut, aber niemand wird so viel Geld für Solarzellen ausgeben wollen, die er am Balkon montieren kann.‘“

Vier Jahre später ist die Energiewende voll im Gang, der Preis, so er je ein Hindernisgrund war, wird von den Kunden anstandslos akzeptiert – auch weil er sich über die verringerten Stromkosten bald amortisiert. EET selbst hat inzwischen seine Startkosten auch überwunden und im Herbst den Break Even geschafft.

Gute Idee, grundsätzlich simple Technik, zum richtigen Zeitpunkt am Markt – Start-ups mit diesem Profil performen oft überdurchschnittlich. Doch sie müssen auch damit rechnen, dass früher oder später jemand ihre Idee kopiert. Christoph Grimmer stört das nicht: „Natürlich wird früher oder später jemand kommen und sich in direkte Konkurrenz zu uns begeben. Aber erstens belebt Konkurrenz das Geschäft. Und zweitens ist der Markt, auf dem wir tätig sind, so groß, dass Verdrängungswettbewerb ganz sicher nicht die Gefahr ist, vor der ich mich am meisten fürchte.“ Klingt nachvollziehbar. Schließlich gibt es allein in Graz unendlich viele sonnseitige Balkone, die eine Nachrüst-Solaranlage vertragen könnten.

Das Unternehmen:

Name:EET – Efficient Energy Technology
Sitz:Graz
Gründung: 2017
Aktuelle Märkte:  Österreich, Deutschland, Schweiz, Italien, Spanien

Geschäftsmodell:  

Nachrüst-Solaranlagen. Die Anlagen samt einem Speicher können ohne Installateur in dreißig bis sechzig Minuten montiert werden. Der Platzbedarf beträgt drei Quadratmeter.