Bild im Seitenkopf

Smart Meter: Österreich als Vorreiter

Österreich ist im internationalen Vergleich in Sachen Smart Metering  ein Vorreiter, zeigen aktuelle Berichte der Regulierungsbehörden. Und an der nächsten Generation der digitalen Messgeräte wird bereits gearbeitet. 

Fast überschwänglich lobte Michael Merz, der Geschäftsführer und Mitgründer des deutschen Beratungsunternehmens Ponton, kürzlich das Vorgehen Österreichs bei der Einführung der digitalen Stromzähler (Smart Meter). Anlässlich des Netzservice-Forums von Oesterreichs Energie Ende vergangenen Jahres schrieb er in seinem Blog: „Während wir uns in Deutschland – dem spirituellen Zentrum der Energiewende – mit dem Smart-Meter-Rollout beschäftigen und dabei noch im einprozentigen Bereich der Durchdringung liegen, liegt Österreich nahe bei 100 Prozent. Dies gilt übrigens auch für fast alle anderen europäischen Mitgliedsstaaten. ‚Felix Austria‘ heißt hier: keine Smart-Meter-Gateways, kein Simon und keine Silke. Wie auch anderswo in Europa wird hier mit dem Smart Meter über die P1-Schnittstelle kommuniziert. In Deutschland dürfen wir hingegen hoffen, dass wir bis 2032 den Smart Meter-Rollout vollzogen haben werden – so der Plan.“ Nachsatz: „Wenn irgendwann in den 30er Jahren die Durchdringung mit Smart Metern in Deutschland bei 50 Prozent liegt, haben alle österreichischen Anbieter bereits eine zehnjährige Lernkurve hinter sich und freuen sich auf den Rollout ihrer Software Richtung Norden.“

„Simon“ und „Silke“ sind übrigens weder Bedienstete des für Energiefragen zuständigen Berliner Wirtschaftsministeriums noch solche der Bundesnetzagentur, des deutschen Gegenstücks zur E-Control. Vielmehr handelt es sich um die Abkürzungen für den „SIcheren MONteur“, der mittels entsprechender Ausbildung behördlich befugt ist, Smart Meter zu installieren, sowie die „SIchere Liefer-KEtte“, die bei der Beschaffung der Geräte und ihrer Komponenten einzuhalten ist.
 

Ziel vielerorts erreicht  

Wie auch immer: Sicher ist, dass in Österreich so gut wie alle große Netzbetreiber die hierzulande auf Ende vergangenen Jahres festgesetzte Ausrollungsquote von mindestens 95 Prozent erreicht haben – manche sogar deutlich mehr: Die Netz Niederösterreich etwa teilte auf Anfrage der „Stromlinie“ mit, sie sei mit der Einführung der Smart Meter „bis auf wenige Ausnahmen fertig“. Mehr als 835.000 Geräte seien installiert worden, was einen Roll-out von 99,98 Prozent bedeute. Die Wiener Netze haben mit 1,5 Millionen digitalen Zählern das Ziel ebenso erreicht. Die Netz Burgenland wiederum ist bei „rund 99 Prozent Smart Metern, und das seit etwa drei Jahren“, verlautete seitens des Unternehmens. Als traditionelle Vorreiterin in Sachen Smart Metering gilt bekanntlich die Netz Oberösterreich, die bereits im Oktober 2019 auf rund 640.000 digitale Stromzähler und damit eine flächendeckende Installation kam.

Und Mitte Dezember des vergangenen Jahres meldete auch die Linz Netz, dass sie mit rund 280.000 installierten Geräten das 95-Prozent-Ziel erreicht hatte. Schon im Juli 2024 war dies bei den Innsbrucker Kommunalbetrieben (IKB) der Fall gewesen, die für das Stromnetz in der Tiroler Landeshauptstadt verantwortlich zeichnen. 

Mit Interesse erwartet werden darf der Überblick über die Ausrollung in sämtlichen österreichischen Netzgebieten, den die Regulierungsbehörde E-Control üblicherweise in der zweiten Jahreshälfte vorlegt. Bis einschließlich 31. März haben ihr die Netzbetreiber die exakten Daten für 2024 zu übermitteln. Bereits im letzten „Bericht zur Einführung von intelligenten Messgeräten in Österreich“ vermerkte die E-Control, dass 2024/25 wohl ein bundesweiter Ausrollungsgrad von 97 Prozent erreicht – und damit das angestrebte Ziel deutlich übertroffen würde. Insgesamt waren der E-Control zufolge rund 6,6 Millionen Zählpunkte mit Smart Metern auszurüsten gewesen. 

Technisch und organisatorisch

Leicht fiel das den Netzbetreibern nicht immer, und zwar keineswegs aus eigenem Verschulden, wie auch die Behörde in ihrem Bericht sinngemäß festhielt. Wegen verschiedener organisatorischer und technischer Gründe sei die Installation von Smart Metern bei circa zwei bis drei Prozent der Zählpunkte nicht möglich gewesen“. Zu den „organisatorischen Gründen“ gehörte und gehört unter anderem die notorische Abwesenheit der Inhaber:innen respektive Nutzer:innen von Liegenschaften, auf denen sich umzurüstende Zählpunkte befinden. „In bestimmte Wohnungen kommen wir trotz aller Bemühungen einfach nicht hinein“, berichtete ein Vertreter eines Netzbetreibers, der nicht namentlich genannt werden wollte, der „Stromlinie“. Nachsatz: Der Anteil dieser Wohnungen liege im betreffenden Netzgebiet bei knapp fünf Prozent. Unter den technischen Gründen wiederum war zu verstehen, dass die auf dem Markt verfügbaren Smart Meter manche ursprünglich erhobenen Anforderungen der E-Control nicht erfüllten, was zu angeregten Diskussionen führte. Schon fast vergessen unter den Gründen für Verzögerungen beim Smart-Meter-Einbau ist die COVID-19-Pandemie, die seinerzeit landauf, landab für Aufregung gesorgt hatte. 

Aufgrund dieser Herausforderungen wurde der Zeitpunkt für das Erreichen des Ausrollungsziels bekanntlich mehrmals verschoben. In ihrer „Intelligente Messgeräte-Einführungsverordnung“ (IME-VO) vom Jahr 2012 hatte die E-Control vorgesehen, bereits bis Ende 2019 mindestens 95 Prozent aller Zählpunkte mit Smart Metern auszustatten. Eine Novelle dieser Verordnung vom November 2017 verschob das Ziel auf Ende 2020 und senkte den zu erreichenden Ausrollungsgrad auf 80 Prozent. Erst bis Ende 2022 sollten mindestens 95 Prozent erreicht werden. Eine neuerliche Verschiebung ergab sich nach einem Montoringbericht der E-Control sowie nach Meldungen der Netzbetreiber im Jahr 2022. Die damalige Novelle der IME-VO verlängerte die Frist bis zum Erfüllen der 95-Prozent-Quote bis zum Dezember 2024. 
 

Vereinfachte Bestimmungen  

Von Ausrollungszahlen wie in Österreich lässt sich in Deutschland bis auf Weiteres ohnedies nur träumen. Zwar hatte der Bundestag die Bestimmungen zu „Simon“ und „Silke“ bereits Anfang 2023 durch eine Novelle des „Gesetzes zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende“ (GNDEW) nach vielfacher massiver Kritik vereinfacht und entschärft. Und laut einer Aussendung des deutschen Parlaments von Mitte Dezember 2024 wurden seither in der Bundesrepublik „mehr intelligente Messsysteme verbaut als in der gesamten Zeit seit 2016“: Von 272.024 Geräten Ende 2022 hätten sich die Einbauten bis Mitte 2024 auf 724.432 gesteigert. 

Der Nutzen könne sich sehen lassen: Einem nicht näher spezifizierten „externen Gutachten“ zufolge sei von „marktseitigen Einsparungen durch eine Einsatzoptimierung der Erzeugung zwischen 1,5 und 8,1 Milliarden Euro jährlich sowie einem netzseitigen Einsparpotenzial zwischen 0,5 und 2,5 Milliarden Euro jährlich auszugehen“. Ferner hätten die Kundinnen und Kunden Vorteile durch eine „höhere Verbrauchstransparenz sowie neue Einspar- und Vermarktungsmöglichkeiten, etwa durch die Nutzung von dynamischen Stromtarifen“. 

Smart Meter: Die nächste Generation 


Die ersten Smart Meter wurden in Österreich vor rund anderthalb Jahrzehnten installiert. Sie genügen daher den Anforderungen an die Bedingungen der Energiewende und dem damit verbundenen Digitalisierungsschub nur noch bedingt. Aus diesem Grund arbeitet die E-Wirtschaft unter dem Arbeitstitel „Smart Meter 2.0“ (SM 2.0) an der Entwicklung der nächsten Smart-Meter Generation. Ihre flächendeckende Einführung ist für die Zeit ab etwa 2028 geplant. Wie die E-Control in ihrem Smart-Metering-Bericht festhält, fehlen derzeit noch die rechtlichen Grundlagen, namentlich das Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) und die darauf beruhende neue Intelligente Messgeräte-Anforderungs-Verordnung (IMA-VO).  Wie es aus der E-Wirtschaft heißt, sind die Anforderungen an die SM 2.0 zwar „erkennbar, aber von Seiten der Behörden nicht verbindlich formuliert und veröffentlicht“. Und die Erfahrungen der Vergangenheit mit der mehrfachen Änderung der Anforderungen an die Smart Meter sowie der behördlich verfügten Verschiebung des Roll-outs sollten nach Möglichkeit „nicht nochmals durchlebt werden müssen“. Vorgesehen ist deshalb, bis circa Ende des ersten Quartals 2026 einen „Companion Standard“ für die neuen Smart Meter zu erarbeiten. Zu vermeiden gilt es freilich, eine Art „Insellösung“ für den österreichischen Markt zu schaffen. Angestrebt wird, dass 2028 „zertifizierte Zähler auf Basis einheitlicher Use Cases mit unterschiedlichen Kommunikationstechnologien auf dem österreichischen Markt von unter­schiedlichen Lieferanten verfügbar sind“. 

Deutschland unter den Schlusslichtern 

Doch das ändert nichts an der Tatsache, dass die Bundesrepublik beim Smart Metering zu den Schlusslichtern in Europa gehört. Das zeigt nicht zuletzt der im September 2024 veröffentlichte Monitoringbericht „Energy retail - Active consumer participation is key to driving the energy transition: how can it happen?“ der Agentur der europäischen Regulierungsbehörden (ACER) und des Council of European Energy Regulators (CEER). Den darin veröffentlichten Zahlen zufolge verfügte zur Zeit der Berichtslegung gerade einmal ein Prozent der deutschen Endkundinnen und Endkunden über einen (mehr oder weniger funktionierenden) Smart Meter. 

Europaweit an der Spitze lagen mit einem Ausrollungsgrad von je 100 Prozent Dänemark, Finnland, Italien und Schweden. Auf je 99 Prozent kamen Estland, Lettland und Spanien sowie das EWR-Mitglied Norwegen. In Slowenien betrug der Ausrollungsgrad 95 Prozent, in Frankreich und Malta je 94 Prozent, in den Niederlanden 90 Prozent. Dahinter folgte Österreich mit 80 Prozent, das somit im oberen Mittelfeld lag. Am unteren Ende der Liste fanden sich in dem Bericht demgegenüber Ungarn mit neun Prozent, Griechenland mit sechs Prozent, die Tschechische Republik mit drei und eben Deutschland mit einem Prozent. In Bulgarien und Zypern war laut der ACER und dem CEER zum Erhebungszeitpunkt noch kein einziger Smart Meter installiert. In der Slowakei (15 Prozent), Rumänien (23 Prozent), Kroatien (24 Prozent) sowie Polen (27 Prozent) waren die Ausrollungsgrade mit weniger als 30 Prozent ebenfalls einigermaßen niedrig. 

„Trotz der maßgeblichen Bedeutung der Smart Meter für die Einführung dynamischer Tarife und für die Flexibilität der Kunden bleibt die Smart-Meter-Ausrollung in zehn EU-Mitgliedsstaaten stark begrenzt. Dies hindert die Kunden daran, von variablen Preisen zu profitieren, Energie optimal zu nutzen und CO2-Emissionen zu vermeiden. Deshalb sollten die Mitgliedsstaaten, unterstützt durch die nationalen Regulierungsbehörden, die Ausrollung beschleunigen und gleichzeitig die Einführung dynamischer sowie hybrider Kontrakte vorantreiben“, resümierten die europäischen Regulierungsbehörden. 

Weitere spannende Berichte zum Thema Energie finden Sie in der „StromLinie“. Die aktuelle Ausgabe unseres Magazins zur Energiewende finden Sie hier.
 

Kostenloses Abo – jetzt bestellen!

Wenn sie die „StromLinie“ künftig per Post erhalten möchten, können Sie unser Magazin auch kostenlos abonnieren.