Bild im Seitenkopf

Reden wir über Strom

Portrait Dr. Barbara Schmidt
Dr. Barbara Schmidt, Generalsekretärin Oesterreichs Energie © Martin Hörmandinger

Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie klärt in unserer neuen Kommentarreihe, die auch in Kronen Zeitung veröffentlicht wird, wichtige Fragen rund um das Thema Strom.

Strom macht unabhängiger

6.12.2025

In den vergangenen Tagen ist wieder Bewegung in die ukrainischen Friedensverhandlungen gekommen. Das spürt man auch auf den Energiemärkten: Die Preise für Gas und Öl geben nach. Doch selbst wenn die Waffen irgendwann schweigen sollten: das Vertrauen in die russischen Gaslieferungen ist zerstört. Die vergangenen Jahre haben uns weltweit eindringlich gezeigt, wie schnell bei Öl und Gas aus Energieträgern politische Druckmittel werden – und wie empfindlich die Preise darauf reagieren. Das  sollten wir uns auch bei vermeintlich verlässlichen Partnern immer vor Augen führen. Gerade für ein Land wie Österreich ist der konsequente Ausbau der Erneuerbaren daher eine Frage der Sicherheit – und damit eine der politischen und wirtschaftlichen Vernunft. Bereits jetzt stammen über 90 Prozent unseres Stroms aus erneuerbaren Quellen. Doch das ist nicht das ganze Bild. Noch immer brauchen wir vor allem im Winter viel zu oft Gaskraftwerke, die den Strompreis treiben. Wenn wir unabhängiger werden wollen, müssen wir den Umbau unseres Energiesystems konsequent vorantreiben – weg von Energieimporten, hin zu mehr eigener Erzeugung, verbunden durch moderne Netze und gepuffert durch leistungsfähige Speicher. Dafür müssen wir jetzt investieren – denn die Energie, die wir selbst erzeugen, ist langfristig der beste Garant für leistbare Preise und eine hohe Versorgungs­sicherheit.

Resilienz statt Rabatte

29.11.2025

Die Regierung hat ein grundsätzlich vernünftiges Strommarktgesetz vorgelegt. Inhaltlich geht dabei Vieles in die richtige Richtung: Vorhandene Kapazitäten sollen künftig noch besser genutzt, netzdienliches Verhalten belohnt und kluge Anreize für Investitionen geschaffen werden. Zugegeben, noch nicht alles ist ideal – insbesondere die noch stärkere Belastung von Stromerzeugern durch Netztarife lehnen wir weiterhin ab. Sie würden Stromimporte begünstigen und den Erneuerbaren-Ausbau bremsen ohne Kunden nachhaltig zu entlasten. Insgesamt kann das neue Gesetz aber einen wichtigen Beitrag leisten, um die Kosten für die Modernisierung unseres Energiesystems im Rahmen zu halten. Was diesem Vorhaben aber in keinster Weise gerecht wird, ist sein neuer Name: „Günstiger-Strom-Gesetz“ – denn billiger wird der Strom dadurch sicher nicht. Wie auch? Wir befinden uns mitten im größten Umbau, den unser Energiesystem bislang gesehen hat. Er macht uns unabhängiger und widerstandsfähiger. Er stärkt unsere Versorgungssicherheit und unseren Wirtschaftsstandort. Er schafft Arbeitsplätze und Wertschöpfung im Land. Wer aber heute Billigstrom für morgen verspricht, schafft Erwartungen, die sich nicht erfüllen werden. Das größte Infrastrukturprojekt unserer Zeit ist eine Chance. Es ist eine Investition in unsere Zukunft – und die findet man üblicherweise nicht im Sonderangebotsregal.