Leuchttürme der Energiezukunft: Repowering von Windparks
Das Repowering von Windparks ist eine vergleichsweise einfache Lösung, um zu mehr Leistung und mehr Erzeugung zu kommen. Das zeigen Anlagen mit 164 Metern Nabenhöhe, die die EVN Naturkraft errichtete.

Es sind im wahrsten Sinn des Wortes „Leucht-Türme“ der Energietransformation, die die EVN Naturkraft in Prellenkirchen etwa 40 Kilometer südöstlich von Wien errichtete: Die dort im vergangenen Sommer installierten sieben Windkraftanlagen der Type Nordex N163 haben eine Nabenhöhe von rund 164 Metern und einen Rotordurchmesser von 163 Metern. Mit ihrer Leistung von jeweils 6,8 Megawatt (MW) gehören sie zu den leistungsstärksten bisher in Österreich installierten Windrädern.
In einem Jahr mit durchschnittlichem Winddargebot können sie insgesamt etwa 119 Gigawattstunden (GWh) elektrische Energie erzeugen, genug, um rund 34.000 Haushalte zu versorgen. Nach Angaben der EVN ist Prellenkirchen ein „klassisches Repoweringprojekt“: Die sieben neuen Windräder mit 47,6 MW Gesamtkapazität ersetzten acht seit mehr als 20 Jahren im Einsatz befindliche Altanlagen, die zusammengenommen auf 14,4 MW kamen und rechnerisch etwa 8.000 Haushalte versorgen konnten. Mit einer reduzierten Anzahl moderner Windräder konnte demnach die Leistung des Windparks fast verdreifacht werden, während die erzeugte Strommenge sogar fast vervierfacht werden konnte.
„In einem Jahr mit durchschnittlichem Winddargebot können sie insgesamt etwa 119 Gigawattstunden (GWh) elektrische Energie erzeugen, genug, um rund 34.000 Haushalte zu versorgen.“
Der EVN zufolge ist Prellenkirchen eine geradezu ideale Windgegend. Der Standort sei einer der windreichsten in Niederösterreich, und die neue Anlagentechnik ermögliche es, dieses Potenzial noch erheblich besser zu nutzen als zuvor. Überdies sind Repoweringvorhaben dem Unternehmen zufolge üblicherweise erheblich einfacher umzusetzen als Projekte in Gebieten, wo die Windkraft bis dato kein Thema war: „Die Menschen haben sich an die Windräder gewöhnt. Sie wissen, sie sind nicht laut, und es gibt auch keine sonstigen Gefahren. Außerdem verringert sich durch das Repowering normalerweise die Zahl der Anlagen. Dazu kommt, dass sich größere Anlagen optisch langsamer bewegen und deshalb weniger wahrgenommen werden.“ Auch das trägt in nicht zu unterschätzender Weise zur Akzeptanz von Repoweringprojekten bei. In Prellenkirchen sei die Bevölkerung der Windkraft gegenüber mittlerweile sehr aufgeschlossen. Aus der Gemeinde heißt es, die Windräder gehörten schon seit rund zwei Jahrzehnten quasi zum Lokalkolorit. Mittlerweile seien sie kaum noch wegzudenken. Und dass es mit dem Repowering möglich sei, „einen noch größeren Beitrag für eine Erneuerbare Energiezukunft leisten zu können“, sei durchaus erfreulich und erwünscht. In Prellenkirchen gingen die ersten Windräder bereits vor rund einem Vierteljahrhundert in Betrieb. Die vor dem Repowering letzte Erweiterung (Prellenkirchen IV) fand 2014 statt. Der 2025 „repowerte“ Teil mit der Bezeichnung Prellenkirchen III wurde ursprünglich 2003 errichtet.
Mit der Planung von Erneuerungsvorhaben beginnen die Betreiber von Windkraftanlagen spätestens, wenn sich das Ende des Förderzeitraums – nach dem Ökostromgesetz 13 Jahre, nach dem Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz (EAG) 20 Jahre – abzeichnet. Jedenfalls erforderlich werden derartige Projekte, wenn der Aufwand für Wartung und Betrieb die Grenzen der Wirtschaftlichkeit erreicht. Und das kann bisweilen auch deutlich vor dem Auslaufen der Förderungen der Fall sein: Nach den Erfahrungen der EVN respektive ihrer Tochter EVN Naturkraft gibt es auch bei Windrädern die berüchtigten „Montagsanlagen“, die aus unerfindlichen Gründen ungewöhnlich häufig repariert werden müssen. Ab einem bestimmten Alter der Anlagen, das bei rund 20 Jahren liegt, steht das Repowering aber jedenfalls auf dem Programm.
Das Projekt in Zahlen
Projektbeginn: Baustart Juni 2024
Projektabschluss: Fertigstellung der Anlagen Ende 2025; Ersatz von acht Anlagen mit insgesamt 14,4 MW durch sieben Windräder mit 47,6 MW Gesamtleistung.
Effekt: Vervierfachung der Erzeugung durch weniger Anlagen mit höherer Leistung. Statt 8.000 können nun 34.000 Haushalte versorgt werden.
Große Pläne
Die EVN als zweitgrößter Betreiber von Windkraftanlagen in Österreich hat hinsichtlich des Ausbaus der Windenergie weitreichende Pläne: Sie will die Leistung ihrer Anlagen von derzeit rund 550 MW bis 2030 auf 770 MW steigern. Repowering spielt dabei eine keinesfalls zu unterschätzende Rolle: Es handle sich um eine „sehr einfache Lösung, um auf viel mehr Leistung und viel mehr Erzeugung“ zu kommen. Nicht zwangsläufig geht es dabei um die Errichtung immer größerer und leistungsstärkerer Windräder. Bisweilen empfehle es sich, eine größere Anzahl vergleichsweise kleiner Anlagen zu installieren und damit auf eine höhere Gesamtleistung zu kommen. Das hat auch mit den verfügbaren Flächen zu tun: Je größer die einzelnen Anlagen sind, desto größer sind auch die Abstände, die zwischen ihnen aus technischen Gründen eingehalten werden müssen.
Stets zu beachten sind sowohl bei Neuvorhaben als auch bei Repoweringprojekten neue rechtliche sowie regulatorische Vorhaben. So räumt etwa das seit Ende vergangenen Jahres in Kraft befindliche Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) den (Verteil-)Netzbetreibern die Möglichkeit ein, ab dem 1. Jänner 2027 die netzwirksame Leistung von Windkraftanlagen „dauerhaft dynamisch zu begrenzen“ (Spitzenkappung). Dem Wortlaut des Gesetzes zufolge darf das Ausmaß der Spitzenkappung „nicht mehr als ein Prozent der von einer mit Verordnung des Bundesministers für Wirtschaft, Energie und Tourismus festzulegenden Referenzanlage mit vollem Netzzugang erzeugten Jahresenergiemenge betragen und 15 Prozent der Maximalkapazität der Referenzanlage nicht überschreiten“. Der EVN zufolge wird dies eine Motivation sein, verstärkt sogenannte Hybridparks zu entwickeln. Bei diesen werden Windkraft- sowie Photovoltaikanlagen mit leistungsstarken Batteriespeichern kombiniert. So lässt sich das Ausmaß der Spitzenkappung minimieren und der Ertrag der kombinierten Anlagen optimieren.
Ausbau in Neusiedl/Zaya
In Prellenkirchen mit seinen insgesamt rund 30 Windrädern, sind laut EVN nun für längere Zeit keine weiteren Repoweringvorhaben geplant. Ausbau ist dagegen in Neusiedl an der Zaya rund 50 Kilometer nordöstlich von Wien angesagt. Seit 2002 stehen dort bereits fünf Windkraftanlagen der EVN. Im Jahr 2023 kamen in einem gemeindeübergreifenden Windpark sieben moderne Anlagen der Type Vestas162 mit je 6 MW Leistung dazu. Nun befinden sich zwei weitere Windräder im Bau, die auf jeweils 7,2 MW kommen sollen. Hinsichtlich des Nachschubs an weiteren „Leucht-Türmen“ ist die EVN zuversichtlich. Aber damit der Ausbau der Windkraft in ganz Österreich und in Zukunft noch deutlich rascher erfolgen kann, braucht die Branche stabile Rahmenbedingungen und vor allem die dazu notwendigen Flächen. Denn nur mit Repowering können die wichtigen energie- und klimapolitischen Ziele nicht erreicht werden.

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