Branchenenquete Energie

ZERO PROJECT Branchenenquete Energie

Chancen durch die Beschäftigung von Menschen mit Behinderungen
Mögliche betriebliche Maßnahmen für die österreichische Elektrizitätswirtschaft

Am 30.9.2019 diskutierten rund 100 Branchenvertreter im Rahmen des Zero Project Unternehmensdialoges im EVN-Forum in Maria Enzersdorf die Chancen für die Elektrizitätswirtschaft durch die Beschäftigung von Menschen mit Behinderung. Die Branchenenquete wurde von Oesterreichs Energie und der Essl Foundation auf eine Initiative der Sozialpartner der E-Wirtschaft veranstaltet.

Im Mittelpunkt der Zero Project Branchenenquete Energie stand die Frage, wie erfolgreiche Integration von Menschen mit Behinderung im Energiebereich aussehen kann, was ausschlaggebende Schlüsselfaktoren sind und welche unterstützenden Rahmenbedingungen notwendig sind. Neben der Präsentation ausgewählter Best-Practice Beispiele von Verbund, EVN und Energie Steiermark wurden zahlreiche Mythen zum Thema Beschäftigung von Menschen mit Behinderung durch empirische Fakten widerlegt. Workshops zu Fragestellungen rund um das Thema Arbeit und Behinderung, eine „Sensing Journey“ von myAbility sowie Präsentationen innovativer Technologien zum Thema Barrierefreiheit boten den Teilnehmern weitere Einblicke in das Thema.

Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie, hob in ihren Eröffnungsworten die wachsende Bedeutung von Diversität für die E-Wirtschaft hervor: „Wir leben in einer Zeit, in der sich Märkte und Kundenwünsche zunehmend differenzieren. Um mit dieser Entwicklung schrittzuhalten, muss es uns gelingen, eine möglichst diverse Gruppe von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die neue Sichtweisen einbringen und so auch neue Lösungsansätze entwickeln können, für unsere Branche zu begeistern.“

ÖGB Behindertensprecher Herbert Pichler betonte, den Wert, den Menschen mit Behinderung für ein Unternehmen schaffen können: "Aufgrund der Behinderung muss man, um am gesellschaftlichen Leben teilnehmen zu können, verschiedenste Bereiche kompensieren. Dadurch erlernt man besondere Fähigkeiten, was auch für Unternehmen ein Gewinn ist."

Dr. Johannes Klietmann, Paläobiologe

In einer spannenden Keynote stellte Paläobiologie und Innovation Specialist Johannes Klietmann die Idee der Neurodiversität vor und erläuterte ihre Bedeutung im wirtschaftlichen Kontext. Anhand von Beispielen aus der Natur illustrierte er dabei die besonderen Stärken von Menschen mit Störungen aus dem Autismus-Spektrum und welche Aufgaben diese in Unternehmen übernehmen können. Zum Abschluss seines Vortrags appellierte er an das Publikum professionelles Auftreten bei Einstellungsgesprächen nicht mit Professionalität im Job zu verwechseln und künftig auch Menschen mit Behinderung öfter eine Chance zu geben. Christian Keimel, Customer Success Manager bei Microsoft Österreich gab in seinem anschließenden Vortrag einen Einblick in Technologien, die bereits heute Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderung ermöglichen und in die künftigen Trends in diesem Bereich.

15 Prozent ungenutztes Potenzial

Mag. Gregor DEMBLIN, Gründer und GF von „myAbility“

Gregor Demblin, Gründer und Geschäftsführer des Beratungsunternehmens myAbility, griff die Vorurteile auf, mit denen Menschen mit Behinderung im Berufsleben häufig konfrontiert sind und stellte diesen Zahlen und Fakten gegenüber. Zudem betonte er die Bedeutung von Menschen mit Behinderung als Zielgruppe. 15 Prozent der Bevölkerung leben mit einer Behinderung. Diese 15 Prozent werden häufig als Zielgruppen für Angebote und als mögliche Mitarbeiter von Unternehmen vernachlässigt, so Demblin. Zudem werden Menschen mit Behinderung im beruflichen Kontext häufig als Sozialprojekt und nicht als potenzieller Wettbewerbsvorteil verstanden. Chancen im Recruiting, für das Betriebsklima oder die Erschließung neuer Kundengruppen bleiben daher zurzeit von vielen Unternehmen ungenützt.

KR Martin ESSL, Gründer der Essl Foundation & Initiator von ZERO PROJECT

Martin Essl, der Initiator der Zero Project Unternehmensdialoge betonte sein Ziel Menschen mit Behinderung die Möglichkeit zu geben, durch eigene Arbeit ihren Lebensunterhalt selbst zu verdienen. „Dadurch erfahren sie Anerkennung und das Gefühl, gebraucht zu werden, was sich positiv auf ihr Selbstbewusstsein auswirkt. Aus meiner jahrelangen Erfahrung als Unternehmer weiß ich, dass diese Menschen sich auch durch vorbildliches Engagement, hohe Motivation und Loyalität auszeichnen“, so Essl.

Eine Win-Win-Win Situation für alle Beteiligten

Die im Rahmen der Enquete präsentierten Best-Practice-Beispiele zeigen, dass durch die Integration von Menschen mit Behinderung am Arbeitsmarkt eine Win-Win-Win-Situation für die Gesellschaft, das Unternehmen und den Einzelnen entstehen kann. Das belegt auch eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien, die zu dem Ergebnis kam, dass Menschen mit Behinderung sinnvoll und entsprechend ihrer Stärken und Fähigkeiten in die Arbeitsabläufe integriert werden können, wenn man diese als vollwertige Arbeitskräfte anerkennt. Diese Integrationsbestrebungen wirken sich nicht nur positiv auf das Betriebsklima aus, sondern führen auch zu höherer Mitarbeiterzufriedenheit und geringerer Fluktuation.

In den abschließenden Workshops wurden mögliche Maßnahmen diskutiert um tatsächliche Barrieren – und solche, die nur im Kopf bestehen – gegenüber der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung abzubauen. Dabei setzte sich vielfach die Sicht durch, dass Barrierefreiheit weniger ein bauliches oder arbeitstechnisches Thema ist, sondern vor allem eines der Unternehmenskultur. Vor diesem Hintergrund zeigte sich auch klar, dass sich die wesentlichen Hebel im Bereich der Inklusion von Menschen mit Behinderung vor allem auf betrieblicher Ebene befinden und weniger in den rechtlichen Rahmenbedingungen.

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