Viktor Kaplan-Lecture

Erneuerbaren-Ausbau jetzt!

Was das Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz leisten muss, damit Österreich bis 2030 zu 100 % (national, bilanziell) mit Strom aus erneuerbaren Energien versorgt werden kann, war Thema der Viktor-Kaplan-Lecture am 10. Dezember.

Dr. Barbara Schmidt, Generalsekretärin Oesterreichs Energie, (c)Regina Hügli

 

Was ist zu tun, um Österreichs jährlichen Strombedarf ab 2030 vollständig mit erneuerbaren Energien zu decken? Mit dieser Frage befasste sich die Viktor-Kaplan-Lecture des Elektrizitätswirtschaftsverbands Oesterreichs Energie und der FH Technikum Wien am 10. Dezember in Wien. Eine entscheidende Rolle dabei wird das Erneuerbaren Ausbau Gesetz spielen, erklärte Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie.

Ing. Mag. Rudolf Plasil, Unternehmensentwicklung Corporate Development, KELAG-Kärntner Elektrizitäts-Aktiengesellschaft

Bei den derzeitigen Preisen im Stromgroßhandel können neue Anlagen zur Stromerzeugung nur mit finanzieller Unterstützung errichtet werden. Rudolf Plasil, bei der KELAG verantwortlich für Unternehmensentwicklung sieht die Gestaltung des Erneuerbaren Ausbau Gesetzes für die kommenden fünf bis zehn Jahre wegweisend an, auch wenn es durchaus Updates geben könnte. Denn die Herausforderungen, die die geplante vollständige Versorgung Österreichs mit Strom aus erneuerbaren Energien mit sich bringt, sind immens. So müsse allein die Leistung der Photovoltaikanlagen von derzeit 1.000 Megawatt (MW) auf etwa 13.500 MW gesteigert werden. Plasil: „Das heißt, wir müssen ab jetzt jedes Jahr so viel zubauen, wie wir in den vergangenen zehn Jahren insgesamt errichtet haben.“ Das Erneuerbaren Ausbau Gesetz wird laut Plasil ein Rahmengesetz sein, auf dessen Basis eine Reihe von Einzelgesetzen zu adaptieren ist, vom Elektrizitätswirtschafts- und Organisationsgesetz (ElWOG) über das Gaswirtschaftsgesetz (GWG) bis zum Mineralrohstoffgesetz (MinRoG). Ferner sind Verordnungen zur Regelung von Detailfragen zu erlassen. Ebenso maßgebliche Bedeutung kommt der Steigerung der Energieeffizienz zu: „Notwendig ist eine Reduktion des Energieverbrauchs um 60 bis 80 %, teilweise sogar noch mehr“, so Plasil. Oesterreichs Energie b betont in diesem Zusammenhang die Bedeutung der Sektorkopplung, die früher getrennt agierende Energiebereiche zu einem Ganzen zusammenführen wird. Allein dadurch lässt sich die Energieeffizienz erheblich steigern.

Erneuerbare in den Markt

Die Bundesregierung plant, ihren Entwurf des Erneuerbaren Ausbau Gesetz im kommenden Frühjahr dem Parlament zur Begutachtung zu übermitteln. Vorbehaltlich der Zustimmung des Parlaments steht indessen bereits jetzt fest: Die Betreiber von Ökostromanlagen müssen die von ihnen erzeugte Energie künftig selbst vermarkten, erläuterte Plasil. Zusätzlich erhalten sie eine Marktprämie, um die Differenz zwischen dem von ihnen erzielten Strompreis und ihren Erzeugungskosten zu decken: „So werden die erneuerbaren Energien in das Marktdesign eingebunden und müssen im Sinne der Systemverantwortung einen Beitrag zum Funktionieren der Stromversorgung leisten.“ Geplant ist weiters, die Marktprämien mittels Ausschreibungen zu vergeben, soweit dies sinnvoll ist. Erfahrungen aus anderen Ländern wie Deutschland zeigen die Bedeutung des Ausschreibungsdesigns für das Funktionieren von Ausschreibungsmodellen. Oft wird der Ausbau der erneuerbaren Energien allerdings durch das sonstige Umfeld erheblich stärker beeinflusst als durch die Ausschreibungen selbst: „Wenn beispielsweise keine Flächen für den Bau von Windparks zur Verfügung stehen und wenn sich die Einsprüche der Anrainer häufen, wird nichts gebaut, egal, wie die Ausschreibungen konzipiert sind.“

DI Michael Schmidt, Wien Energie

Michael Schmidt, Technik-Experte von Wien-Energie betonte die Bedeutung der Netzreserve: „Die Stromversorgung jederzeit gewährleistet sein, auch während kalter, nebliger Winterwochen mit schlechter Wasserführung und geringem Winddargebot („trockene kalte Dunkelflaute“).“ Für solche Zeiten sind sicher verfügbare Kraftwerke bereitzuhalten, vorzugsweise mit Erdgas betriebene Kraft-Wärme-Kopplungen (KWK). Entscheidend für den Erfolg der Energiewende werden schließlich saisonale Stromspeicher. Dabei geht es insbesondere um die Power-to-Gas-Technologie: Mit Strom aus erneuerbaren Energien wird dabei Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff gespalten. Unter Reaktion mit CO2 entsteht aus dem Wasserstoff Methan, der Hauptbestandteil von Erdgas. Das Methan kann in Gasspeicher verpresst werden und steht somit jederzeit zur Wiederverstromung (Gas-to-Power) zur Verfügung. Somit wird es möglich, die in den Sommern erwartete Überschussproduktion von Strom aus erneuerbaren Energien im Winter zu nutzen.

Planungssicherheit nötig

Dipl. Ing. (FH) Alfred Pichsenmeister, Dipl. Consultant für  Erneuerbare Energie, Verkaufsleiter Erneuerbare Energien,  Siblik Elektrik Ges.m.b.H. & Co. KG

Die Umstellung des Energiesystems ist aber kein Selbstläufer, sondern benötigt umfangreiche organisatorische Maßnahmen. Alfred Pichsenmeister, Consultant und Verkaufsleiter im Bereich Erneuerbare Energien der Siblik Elektrik Ges.m.b.H. & Co. KG, erklärte, die Anlagenanbieter in Industrie und Gewerbe benötigten vor allem Planungssicherheit, beispielsweise um das nötige Personal einstellen und schulen zu können oder um die Fertigungskapazitäten für Komponenten des Ökostromsystems aufzubauen. Dafür seien stabile rechtliche Rahmenbedingungen unverzichtbar, beispielsweise eine „Kontinuität der Ökostromförderungen“. Das Wort „Förderungen“ sollte man zudem vermeiden, meint Pichsenmeister: „Das sind ja Investitionen in die Zukunft.“