Oesterreichs Energie Trendforum

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Bis 2030 soll in Österreich die Menge an gefördertem Ökostrom verdreifacht werden - aber zu den gleichen jährlichen Kosten wie bisher. Dieses Ziel definierte Oesterreichs Energie mit dem Branchenvorschlag für das geplante Erneuerbaren-Ausbau-Gesetz. Erreicht werden soll das durch eine modernere finanzielle Unterstützung, die auf höhere Effizienz und mehr Systemverantwortung der Anlagenbetreiber setzt. Credo beim Ausbau solle so viel Markt wie möglich und so wenig Förderung wie nötig sein.

Dr. Barbara SCHMIDT, Generalsekretärin Oesterreichs Energie

Aktuell stammt in Österreich rund ein Sechstel des Strom-Endverbrauchs aus geförderten erneuerbaren Quellen - rund 10,5 von insgesamt 66 Terawattstunden (TWh). Bis 2030 sollen zur Erfüllung der Ziele der Klima- und Energiestrategie aus neu geförderten Anlagen auf Basis von Wasserkraft, Wind, Photovoltaik und Biogas rund 30 TWh hinzukommen, erklärte Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie im Rahmen eines Trendforums am 8. November 2018. Das Unterstützungsvolumen dafür soll aber mit knapp 900 Mio. Euro pro Jahr gleichbleiben. Pro geförderter Strommenge würden sich die Kosten bei neuen Anlagen damit dritteln. Zum forcierten Ökostrom-Ausbau hat das BMNT noch vor Jahresende eine Punktation zum EAG angekündigt.

 

Die Klima- und Energiestrategie #mission2030 der Bundesregierung sieht vor, Österreichs Strombedarf ab 2030 bilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien zu decken. „Dieses Ziel ist ambitioniert, aber wir könnten es schaffen“, betonte Karl-Heinz Gruber, Spartensprecher Erzeugung von Oesterreichs Energie. Laut Oesterreichs Energie sind bei diesem Gesetzesvorhaben vor allem folgende drei Schwerpunkte zu beachten, erläuterte Gruber: Erstens ist eine technologiespezifische Förderung vorzusehen, um die unterschiedlichen Kosten und sonstigen Charakteristika von Wasser- und Windkraft, Photovoltaik und Biomasse angemessen zu berücksichtigen.

Die E-Wirtschaft sieht es als sehr kurze Zeitspanne an, binnen zwölf Jahren bei Strom von rund drei Viertel auf 100 Prozent Erneuerbare zu kommen. Zuletzt bezog Österreich rund 60 Prozent des Stroms aus Wasserkraft, 10 Prozent aus Windkraft, 6 Prozent aus Biomasse, 2 Prozent aus PV und ein Prozent aus Biogas. Aktuell stammen 54 TWh Strom aus Erneuerbaren, nur gut 10 TWh davon sind gefördert.

Dipl.-Ing. Dr. Karl Heinz Gruber, Spartensprecher Erzeugung, Oesterreichs Energie

Beim Ausbau um rund 30 auf 88 TWh sollen an Windkraft und Photovoltaik je 11 bis 13 TWh dazukommen, an Wasserkraft 6 bis 8 TWh, hat Oesterreichs Energie zuletzt errechnet. Auch mit den zusätzlichen Mengen wäre das Potenzial bei Wind- und Wasserkraft jeweils erst zu rund 60 Prozent genutzt (ohne Antasten von Wachau oder Nationalparks), bei PV erst zu rund 35 Prozent, so Gruber. Ein derartiger Ausbaupfad sei auch für die Bevölkerung akzeptabel. Weitere rund 2 TWh aus Biomasse-KWK sind zur Anlagen-Bestandssicherung angedacht. Voraussetzung ist freilich der komplette Erhalt der bestehenden Stromerzeugung. Im Erzeugungssektor sind bis 2030 rund 30 Mrd. Euro an Investitionen erforderlich. Weitere 20 Mrd. Euro sind für die Netze nötig, was zusammen rund 50 Mrd. Euro ergebe. Maßnahmen zu Stromspeichern, Batterien, "Power to X" usw. seien hier aber noch nicht enthalten, so Gruber.

Zweitens sollte die Subventionierung der Ökostromanlagen im Wesentlichen mittels variabler Marktprämien erfolgen, die 20 Jahre lang ausbezahlt werden. Die Marktprämien decken die Lücke zwischen den Erzeugungskosten und den Preisen an der Strombörse ab. Je höher diese Preise sind, desto niedriger ist automatisch die Marktprämie. Vergeben werden sollten die Marktprämien mittels Ausschreibungen. Für Kleinanlagen empfiehlt Oesterreichs Energie weiterhin eine Förderung mittels Einspeisetarifen.

Drittens müssen auch die Betreiber von Ökostromanlagen künftig Systemverantwortung übernehmen. Das heißt: Ein Einspeisen von Strom ins Netz ohne Rücksicht auf die Sicherheit des Netzbetriebs („produce and forget“) kann es nicht mehr geben. Aus Sicht von Oesterreichs Energie sollte das neue Fördersystem nach etwa zwei bis drei Jahren überprüft und allenfalls angepasst werden. Ferner fordert Oesterreichs Energie die Einrichtung einer „Transparenzdatenbank“. Sie soll nachvollziehbar machen, wofür die Fördermittel ausgegeben wurden.

DI Josef Plank, Generalsekretär, Bundesministerium fürNachhaltigkeit und Tourismus

Josef Plank, Generalsekretär des für Energiepolitik hauptverantwortlichen Bundesministeriums für Nachhaltigkeit und Tourismus (BMNT), bezeichnete die Vorschläge der E-Wirtschaft als „sehr ausgewogen“. Österreich könne sich keine Lücke im Ökostromausbau leisten: „Wir müssen den Weg zum 100-Prozent-Ziel engagiert gehen.“ Im Nationalrat die erforderliche Zustimmung zu finden, sei zweifellos eine Herausforderung: „Aber es ist eines der spannendsten Projekte, die wir derzeit haben.“ Kosteneffizienz ist laut Plank ein wesentliches Thema. Klar ist ihm zufolge allerdings auch, dass es keine Alternative zum Umbau des Energiesystems gibt. Gelinge dieser nicht, so seien die Folgekosten schlechterdings unabsehbar. Ferner ist das Erneuerbaren Ausbau Gesetz keineswegs als Abschluss der Energiewende in Österreich zu betrachten, betonte Plank. Nach 2030 werde es dann „wirklich spannend. Dann gehe es um die Nutzung der Ökoenergien in der Industrie“. Diese müsse erfolgen, um eine weitgehend klimaneutrale Wirtschaft zu entwickeln. Für die Kleinkunden, insbesondere die Haushalte, wird sich laut Plank „sehr viel im Hintergrund abspielen“. Es gelte, diese Kundengruppen nicht zu überfordern.

 

„Sehr konstruktive Forderungen“

Univ.-Doz. Mag. Dr. Stephan Schwarzer, Wirtschafts- kammer Österreich, Abteilungsleiter für Umwelt- und Energiepolitik

Stephan Schwarzer, der Leiter der Abteilung für Umwelt- und Energiepolitik der Wirtschaftskammer Österreich, konnte den Vorschlägen von Oesterreichs Energie einiges abgewinnen. Es handle sich um „sehr konstruktive“ Forderungen. Zu beachten sei freilich: Die Industrie benötige Energie zu günstigen Preisen, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können: „Die Ökostromförderung muss daher insgesamt billiger werden.“

Barbara Teiber, MA, Geschäftsführende Vorsitzende Gewerkschaft der Privatangestellten

Barbara Teiber, die geschäftsführende Vorsitzende der Gewerkschaft der Privatangestellten, betonte, die künftige Ökostromförderung müsse auf einer „breiten Finanzierungsbasis“ beruhen und bedürfe einer fairen Kostenverteilung. Es gehe nicht an, „dass ausschließlich die Konsumenten die Kosten tragen“. Überdies gelte es, die anerkannt hohe Sicherheit und Qualität der Stromversorgung Österreichs aufrecht zu erhalten. Wichtig sei auch, alle Sozialpartner inklusive der Arbeitnehmervertreter in den Gesetzwerdungsprozess einzubeziehen. Den Willen der Bundesregierung hierzu sah sie nicht notwendigerweise gegeben.

Gemeinsam anpacken

Dr. Christoph Gatzen, Associate Director, Frontier  Economics Köln

Christoph Gatzen, Associate Director des deutschen Beratungsunternehmens Frontier Economics, bezeichnete das österreichische Ausbauziel für Ökostrom als „ambitioniert, aber zweifellos erreichbar.“ Ein effizientes Fördersystem für Ökostrom müsse sich auf „wirksamen Wettbewerb“ stützen. Auktionen würden eine Mengensteuerung bieten, es könnten sich die effizientesten Projekte durchsetzen, unterm Strich sei das ökonomisch sinnvoll. Aufgrund des Beihilfenrechts der Europäischen Union habe Österreich ohnehin nur begrenzten Spielraum. Ferner müssten die Anlagenbetreiber veranlasst werden, systemkonform zu agieren, soweit sie dazu in der Lage sind: „Produce and forget funktioniert einfach nicht mehr.“ Selbstverständlich böten geänderte Rahmenbedingungen den Ökostromproduzenten eine Reihe von Herausforderungen. Aber dies lasse sich nicht vermeiden. Insgesamt ist die Neugestaltung des Förderregimes laut Gatzen „eine komplexe, aber wichtige Aufgabe“. Die österreichischen Energieunternehmen, Ökostromproduzenten und Behörden seien gut beraten, diese „gemeinsam anzupacken“.

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