Veranstaltungen

Bundesländertour: Innovationen für die Stromzukunft 2030

Burgenland: Erneuerbare Energie im Fokus

Strom aus Wasserkraft, Wind- und Sonnenenergie spielt eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung der Klimakrise. Studien belegen, dass der Energiebedarf steigen wird und wir bis 2030 bis zu 30 TWh mehr an sauberem Strom brauchen. Damit könnte auch eine deutliche CO2-Reduktion erreicht werden. 
Die E-Wirtschaft ist aktiv und setzt seit vielen Jahren auf Forschung und Innovation. Es gibt zahlreiche Beispiele, die heute schon zeigen, wie die Energieversorgung der Zukunft aussehen kann. 
Bei der Oesterreichs Energie-Bundesländertour sehen wir uns diese Projekte genauer an. Unser erster Halt war Ende Oktober 2019 im Burgenland.

Dr. Barbara SCHMIDT, Generalsekretärin Oesterreichs Energie

Mit Klimaschutz, Energieeffizienz und dem Ausbau der Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien wird es in den kommenden zehn Jahren zu einer umfassenden Neugestaltung des Elektrizitätssystems kommen. „Die Umstellungsarbeiten sind voll im Gang, die Stromversorgung der Zukunft ist auch in Österreich schon vielfach mit innovativen Vorzeigeprojekten sichtbar“, erklärte Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie, der Interessenvertretung der österreichischen E-Wirtschaft. „Auch der Strom der Zukunft wird aus der Steckdose kommen, die dahinterstehenden Systeme werden sich jedoch gravierend von der bisherigen Stromversorgung unterscheiden“, so Schmidt.

Ein Vorzeigeprojekt, das die Zukunft der Energieversorgung schon jetzt greifbar macht, ist das Wärmepumpenkonzept in Neusiedl am See. Dabei versorgt eine effiziente power2heat-Anlage der Energie Burgenland AG die wachsende Bevölkerung des Ortes mit Fernwärme aus Windstrom. Zusammen mit einem Biomasseheizwerk bietet die windreiche Region die beste Voraussetzung für diesen innovativen Ansatz.

Leistungsschau des Stromsektors

Eine zu hundert Prozent auf erneuerbaren Energien basierende Stromversorgung benötigt nicht nur die entsprechenden Erzeugungssysteme, sondern auch ein neues Umfeld. „Wichtigste Punkte dabei sind die Sicherung der Versorgung auch mit einem Stromangebot, das im Tages- und Jahresverlauf stark schwankt“, so Schmidt. Diese Herausforderung wird auch die Einbindung der erwarteten vielen tausend kleinen Erzeugungsanlagen in privater Hand umfassen, neue Speicher und -Verteilsysteme und einen voll-digitalisierten Background erforderlich machen. Hierfür wurden und werden gerade die notwendigen Datensysteme, Verrechnungsplattformen und Sicherheitssysteme etabliert.

Schmidt: „Darüber hinaus müssen wir langfristig auch die klassische Netz- und Speicherinfrastruktur und die flexible Leistung zur Absicherung der Versorgung weiter ausbauen. Grundvoraussetzung dafür ist aber, dass so rasch wie möglich ein langfristiger regulativer Rahmen für diese Themen – und den damit verbundenen Incentivierungsbedarf – geschaffen wird.“

Die neue Strom-Infrastruktur wird schließlich auch ein neues Design der Strommärkte erfordern. Schmidt: „Nur mit funktionierenden Märkten kann der Balanceakt zwischen Nachhaltigkeit und Versorgungssicherheit langfristig gelingen.“ Dass Ökologie und Energieerzeugung aus erneuerbaren Quellen keine Gegenätze sind, zeigte schließlich auch das Wärmepumpenkonzept der Energie Burgenland in Neusiedl am See.

Erneuerbare Energie

Die Energie Burgenland hat frühzeitig ihren ganz speziellen, in Österreich und europaweit einzigartigen Weg eingeschlagen, und sich vom Energieimporteur zum Energieproduzenten entwickelt – bei gleichzeitiger Festlegung auf Ökostromproduktion.

Unter anderem setzt die Energie Burgenland weiterhin auf Ökostrom aus Windenergie. Seit 1997 wurde rund 1 Milliarde Euro in Ökostrom investiert. 225 Windkraftanlagen liefern in etwa 522 MW Leistung. Das entspricht dem Energiebedarf von rund 240.000 Haushalten. Im Burgenland wird seit 2013 mehr Ökostrom hergestellt als Strom verbraucht wird. Die Ökobilanz der Investition ist hervorragend: Mit allen burgenländischen Windkraftanlagen werden pro Jahr rund 1,6 Millionen Tonnen CO2 eingespart.

 

Michael Gerbavsits, Vorstandsvorsitzender Energie Burgenland

„Bis 2025 werden wir rund 233 Millionen Euro zusätzlich in die Hand nehmen und unsere Windstromproduktion auf gut 620 Megawatt installierte Leistung steigern“, erklärt Energie Burgenland Vorstandsvorsitzender Michael Gerbavsits. Der burgenländische Energiedienstleister setzt dabei zukünftig auf Repowering. Dabei werden ältere Bestandsanlagen durch leistungsstärkere Anlagen ersetzt. Trotz der Verringerung um 10 Anlagen kann dadurch die Ökostromproduktion aus den Windparks der Energie Burgenland Windkraft um über 25 Prozent steigen. Das ist auf den technologischen Fortschritt zurückzuführen. Energie Burgenland Windkraft ist Österreichs größter Windstromproduzent und ein Erfolgsbeispiel dafür, wie Windenergienutzung in einer bestimmten Region funktionieren kann.

„power2heat“

Die Parndorfer Platte ist nicht nur eine der windstärksten Binnenregionen Europas, sie bietet in Neusiedl am See mit einem Biomasse-Heizwerk samt Fernwärmenetz auch optimale Voraussetzungen für die Kombination von Strom und Wärme für einen noch effizienteren Energieeinsatz. „Mit dem Bau einer „power2heat“-Anlage werden die beiden Energieträger durch eine Wärmepumpe intelligent gekoppelt und ermöglichen so den Ersatz von Gas- und Biomasse durch den Einsatz von Windenergie“, erklärt Alois Ecker, Vorstandsdirektor der Energie Burgenland. Für diese Innovation wurde die Energie Burgenland mit dem EPCON AWARD und dem AWARD bei der Mission Innovation Austria Week ausgezeichnet.

 

Bisher wurde Strom über mehrere Umspannwerke von den Windenergieanlagen abtransportiert und die Wärme vom Biomasse-Heizwerk über das Fernwärmenetz an die Haushalte geliefert. Teil des Projektes ist nun der Bau einer Direktleitung zwischen dem Umspannwerk und dem Heizwerk, mit der der Windstrom zu den Hochleistungswärmepumpen transportiert wird. Ein stationärer Batteriespeicher sorgt wiederum für eine durchgehende Stromversorgung der Wärmepumpen.

Den innovativen Ansatz der „power2heat“-Anlage stellen die unterschiedlichen Betriebsarten dar: Mit dem Konzept „power2heat“ kann eine Windflaute ohne weiteres ausgeglichen werden, indem die Anlage auf den stationären Batteriespeicher umschaltet. „In unserem Heizwerk wird zu dem bestehenden Pufferspeicher ein zweiter Speicher errichtet. Damit stehen dann rund 300m³ Puffervolumen zur Verfügung. So kann die Stadt im Sommer noch für rund 10 Stunden mit Fernwärme versorgt werden“, so Alois Ecker. Im Winter ist dann der Biomassekessel in Betrieb.

 

Dr. Alois Ecker, Vorstandsdirektor Energie Burgenland

Mit Wind zur Wasserstoff-Region

Die Energie Burgenland beschäftigt sich auch intensiv mit dem Thema Wasserstoff. Das Verkehrsunternehmen ÖBB-Postbus GmbH plant, in Kooperation mit dem Land Burgenland und der Energie Burgenland ab Herbst 2021 15 Wasserstoffbusse im Bezirk Neusiedl sowie für die Verbindungslinie Neusiedl-Eisenstadt zum Einsatz zu bringen; derzeit werden auf diesen Linien Dieselbusse betrieben. Bis 2024 sollen dann weitere 14 Wasserstoff-Busse im Burgenland verkehren. Die Energie Burgenland beschäftigt sich mit dem Thema der Elektrolyse-Anlage und der Erzeugung von grünem Wasserstoff. 

Damit wird die Energie Burgenland eine Vorreiterrolle einnehmen, die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern und den CO2-Ausstoß verringern und lokal Arbeitsplätze schaffen. Schwerpunktmäßig werde der Einsatz von Wasserstoff im Industriebereich liegen und im Verkehrsbereich dort, wo batterieelektrische Fahrzeuge zu wenig Energiedichte haben, also Busse und LKW. Generell gelte der Grundsatz „Vermeiden, Verlagern, Verbessern“, sagt Ecker.

Photovoltaik und erneuerbare Wärme

Auch die Photovoltaik und Fernwärme aus Biomasse tragen inzwischen zur positiven Ökobilanz bei. 36 Millionen Euro fließen in den nächsten vier bis fünf Jahren in die Photovoltaik. Damit wird die Stromproduktion aus Sonnenenergie bis zu verzehnfacht. Weitere 31 Millionen werden in den Ausbau der erneuerbaren Wärme investiert.

All diese Maßnahmen gehen Hand in Hand mit der Klima- und Energiestrategie des Landes Burgenlandes: bis 2050 wird der gesamte Energiebedarf aus erneuerbaren Quellen bezogen werden und die Treibhausgasemissionen sollen bis 2050 um 90 Prozent gesenkt werden. Der Ausbau und die Fokussierung auf die Windstromerzeugung sowie Photovoltaik spielen dabei eine tragende Rolle.

„Big Data ist einer der wesentlichsten Bausteine für die Energiewende“, betont Gerbavsits und verweist darauf, dass sich in einem Stromsystem, das zu großen Teilen auf Strom aus Wind und Photovoltaik setzt, die Stromerzeugung sowohl im Tagesverlauf als auch im Jahresverlauf stark schwankt. Eine Studie des Austrian Institute of Technology und der TU Wien errechnet, dass in Österreich im Jahr 2030 im Jahresschnitt bis zu 10 TWh Strom zum flexiblen Ausgleich von Schwankungen bereitgestellt werden muss. Das ist nur durch Speicher, hocheffiziente GuD-Anlagen, Biomasse-Anlagen, neue Sektorenkoppelungstechnologien wie Powert-to-heat und über gut ausgebaute und leistungsfähige Übertragungsnetze möglich. 

Wer ja zu Ökostrom sagt, muss auch ja zu „intelligenten“ Stromnetzen und deren Ausbau sagen. Nur so kommt der nachhaltige Strom auch zum Verbraucher. 115 Millionen Euro werden in den nächsten Jahren in die burgenländischen Stromnetze investiert.