Forschungsbericht 2017

Neue Wege für Fische

Fisch-Reisen durch eine Schnecke

VERBUND ist bemüht, die Ziele der Wasserrahmenrichtlinie der EU bestmöglich umzusetzen und damit einen Beitrag zu Erreichung des guten ökologischen Zustands bzw. Potenzials zu leisten. Im Zuge dessen werden Varianten zur Herstellung der Gewässer-Durchgängigkeit erforscht.

Bis dato entsprechen Vertical-Slots, Beckenpässe und Umgehungsgerinne dem Stand der Technik zur Herstellung der Durchgängigkeit laut Leitfaden zum Bau von Fischaufstiegshilfen des Bundesministeriums. Gerade die Beckenpässe und Umgehungsgerinne benötigen viel Platz und auch für Vertical-Slot-Pässe müssen die geologischen Gegebenheiten entsprechend gegeben sein. Deshalb hat VERBUND das neuartige Konzept der Doppel-Drehrohr-Wasserkraftschnecke in der Praxis getestet und weiter entwickelt.

Artenvielfalt und Stromerzeugung

Beim Anblick der 17 Tonnen schweren Maschine würden wohl die wenigsten an eine Fischwanderhilfe denken. Seit 2015 wird beim steirischen VERBUND-Laufkraftwerk Retznei an der Sulm eine neue Methode angewandt, welche die Wasserrahmenrichtlinie in Hinblick auf die Durchgängigkeit von Fließgewässern für Fische und andere Wasserlebewesen erfüllt und zugleich Strom aus Wasserkraft erzeugt. Das Kraftwerk Retznei, direkt im Mündungsbereich zur Mur gelegen, bietet dem Testlauf für diesen Prototypen ideale Rahmenbedingungen. 

Die Fischwanderung erfolgt mit dem neuartigen Konzept in der nach außen geschlossenen Doppel-Drehrohr-Wasserkraftschnecke der Firma Hydro-Connect. Über die zwei ineinander liegenden Schnecken mit gegenläufigen Windungen transportiert die innere Schnecke die Fische nach oben und die äußere Schnecke ermöglicht den Fischabstieg. Zugleich wird die Rotation mit 20 Umdrehungen pro Minute zur Stromerzeugung genutzt. Für die Integration dieser Stromerzeugung parallel zu einer Großturbine mussten Regelalgorithmen mit Unterstützung der Technischen Universität Wien entwickelt werden. Mit der Stromerzeugung der Schnecke kann der Bedarf von 22 Privathaushalten gedeckt werden. Bei konventionellen Fischwanderhilfen bleibt die benötigte Wassermenge energetisch ungenutzt.

Universität prüft Durchgängigkeit

Das Bauwerk der Schnecke sollte sowohl hochwassersicher ausgebildet als auch eine ausreichende Lockströmung zur Auffindbarkeit gewährleisten. Im Probebetrieb werden permanent 350 Liter Wasser pro Sekunde aus der Sulm durch die Fisch-Schnecke geleitet. Damit soll sogar Hechten von bis zu 90 Zentimeter Länge ein problemloser Aufstieg aus der Mur in die Sulm ermöglicht werden. Wie gut die Tiere die neuartige Fischwanderhilfe annehmen, wird in einem wissenschaftlichen Monitoring durch die Wiener Universität für Bodenkultur überprüft.

Die gesamte Umsetzung der Fischschnecke und das Monitoring belegen die sehr gute und kontinuierliche Funktionsfähigkeit der Fischaufstiegshilfe. Dieser, in diesem Ausmaß nicht erwartete Erfolg ist so beeindruckend, dass das Ministerium für ein lebenswertes Österreich (BMLFUW) bereits zugesichert hat, die Fischschnecke als Stand der Technik in der Adaptierung des Leitfadens nach Erscheinen des Nationaler Gewässer Plan (NGP) II anzuerkennen.

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