Stromerzeugung

Systemnutzungs-/entgelte/-regelungen aus Sicht der Stromerzeuger

In Österreich wird die Stromerzeugung in starkem Maße zur Tragung netz- und systemseitiger Kosten herangezogen. Die aus der internationalen Wettbewerbssicht besonders relevanten Nachbarländer Österreichs bzw. der deutsch-österreichisch-luxemburgischen Gebotszone weisen dagegen keine oder teils erheblich geringere G-Komponenten auf.

Die Angemessenheit dieser Belastung österreichischer Erzeuger im internationalen Wettbewerb erscheint den Gutachtern vor dem Hintergrund einer mangelnden EU-weiten Harmonisierung der Kostenallokationsprinzipien zumindest fragwürdig. Auch ACER konstatiert aufgrund uneinheitlicher Tarifstrukturen eine Gefahr verzerrter Investitions- und Einsatzentscheidungen und fordert den Verzicht auf – jedenfalls energiebezogene – G-Komponenten.

Im Rahmen eines wissenschaftlichen, von den Positionen des Branchenverbandes sowie einzelner Interessengruppen der Branche unabhängigen Gutachtens zur Weiterentwicklung der österreichischen Systemnutzungsentgeltsystematik sprechen sich die Gutachter daher – neben einer Vielzahl weiterer Empfehlungen – für eine deutliche Reduktion des Beitrags der Erzeuger zur Netzkostentragung aus.

Im vorliegenden Ergänzungsgutachten werden die hierauf bezogenen konkreten Empfehlungen dezidiert herausgearbeitet:

  • Abschaffung des Netzverlustentgelts und des Messentgelts bei Integration der darüber verrechneten Kosten in die Kostenbasis des Netznutzungsentgelts;
  • Deutliche Erhöhung des über die Ausgleichsenergiepreise an die Bilanzgruppen verrechneten Anteils der Sekundärregelungskosten; sowie
  • Reduktion der Belastung von Strom-Zwischenspeichern mit netzseitigen Entgelten, etwa indem die derzeit bis 2020 geltende Aussetzung der verbrauchsseitigen Netzentgelte für neue Speicheranlagen auf Bestandsanlagen (unabhängig von der verwendeten Speichertechnologie) ausgedehnt und zeitlich unbefristet fortgeführt wird. Allenfalls wäre eine Entgeltbelastung erwägenswert, die sich an den Wirkungsgradverlusten von Speichern orientiert.

Des Weiteren plädieren die Gutachter im Rahmen der Prämissen und Zielsetzungen des Haupt-gutachtens (insbesondere der Forderung nach Verursachungs- bzw. Verteilungsgerechtigkeit und Praktikabilität) für die Abschaffung der Sonderregelung für Verbraucher, die negative Regelenergie erbringen. Bei Vorgabe abweichender Zielsetzungen könnte man zu anderen Schlüssen kommen, die dann jedoch nicht nur auf die Sonderregelung für negative Regelenergie beschränkt blieben, sondern alle verbrauchsseitigen Flexibilitäten umfassen würden und letztlich in eine grundsätzliche Umstellung der Netzkostentragung münden könnten.

Bei der Beurteilung der obigen Empfehlungen ist zu beachten, dass selbst bei deren vollständiger Umsetzung eine gewisse Benachteiligung österreichischer Erzeuger gegenüber Erzeugern in anderen Ländern verbliebe, beispielsweise im Vergleich zu Deutschland aufgrund der dortigen vermiedenen Netzentgelte.