Letzte Unklarheiten

Aus den Steckdosen auf der ganzen Welt kommt Wechselstrom. Warum eigentlich?

Gleichstrom hätte durchaus Vorteile. Eine Umstellung der Haushalte ist aktuell dennoch nicht denkbar.

Gleichstrom versus Wechselstrom – das war dereinst ein äußerst emotionales Thema. Der legendäre „Stromkrieg“, den die Erfinder Thomas Alva Edison und George Westinghouse Ende des 19. Jahrhunderts mit bemerkenswert harten Bandagen ausfochten, ging bekanntlich zugunsten von Westinghouse aus: Mit der Erfindung des Transformators setzte sich der Wechselstrom durch, ausgehend von den USA und schließlich weltweit. Das hatte vor allem zwei Gründe: Wechselstrom lässt sich einfacher transformieren und – zumindest mit den damals verfügbaren technischen Mitteln – einfacher schalten. Da Wechselstrom periodisch seine Polung ändert, entsteht immer wieder ein „NullDurchgang“, den man für Schaltvorgänge nutzen kann. Was mit moderner Leistungselektronik kein Problem mehr darstellt, war im 19. Jahrhundert noch ein massives Hindernis. Dabei spräche durchaus einiges für den Einsatz von Gleichstrom in der allgemeinen Stromversorgung. Etwa dass die Leistungsverluste bei Wechselstrom, speziell bei Übertragung über längere Strecken und hohen Spannungsebenen deutlich höher sind. Oder auch technische Entwicklungen: Der Gleichstrom, den Photovoltaikanlagen erzeugen, muss erst über Wechselrichter in Wechselstrom umgewandelt werden, um letztlich aus der Steckdose kommen zu können. Vice versa benötigen etwa Computer „Netzteile“, um Wechselstrom zu Gleichstrom umzuwandeln. Dass eine Umstellung der allgemeinen Stromversorgung auf Gleichstrom auf absehbare Zeit dennoch undenkbar ist, hat – neben offenen technischen und auch wirtschaftlichen Fragen – einen simplen Grund: Weltweit sind Milliarden an Haushaltsgeräten im Einsatz. Und fast alle benötigen Wechselstrom. 

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StromLinie 3-2020