Die Strommacherinnen

Die Strommacherinnen

Sie sorgen dafür, dass in Österreich die Lichter nicht ausgehen: die tausenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Energiewirtschaft. Strom Linie lässt in jeder Ausgabe zwei von ihnen selbst zu Wort kommen: Hier erzählen sie von ihrer Motivation, ihrer Verantwortung und ihrem beruflichen Alltag.

Daniela Schlüsselberger, Projektleiterin Wasserkraft, VERBUND AG

(c) VERBUND AG

Das Thema „Frauen in Technikberufen“ ist ein zwiespältiges. Dass es überhaupt noch ein Thema ist, empfinde ich manchmal als zermürbend. Aber andererseits muss man wohl darüber sprechen.

Da mich der Bereich Elektro- und Energietechnik von Beginn an gefesselt hat, habe ich vor rund 20 Jahren eine Lehre zur Elektroinstallateurin begonnen. Ich fand damals ein einziges Unternehmen, das den Mut hatte, es mit mir zu probieren – und auch das wohl nur, weil ich beim Aufnahmetest am besten abgeschnitten hatte. Für ein junges Mädchen auf Montage ging es damals wirklich ums Überleben, und am meisten hat mich erschreckt, wie normal die dummen Sprüche irgendwann für mich wurden.

Mit wachsender Kompetenz wurde es natürlich leichter. Nach dem Lehrabschluss habe ich berufsbegleitend die Ausbildung zur Ingenieurin und Diplomingenieurin nachgeholt und zuletzt noch eine Ausbildung im Bereich Changemanagement absolviert. Heute leite ich Projekte bei Wasserkraftwerken des VERBUND: Ich konzipiere Umbauarbeiten, begleite die Ausschreibungsverfahren und die technische Umsetzung bis hin zur Inbetriebsetzung. Außerdem beschäftige ich mich mit Prozess- und Wissensmanagement.

Gleichzeitig hat sich in diesen zwei Jahrzehnten selbstverständlich auch das generelle Mindset verändert. Viele Unternehmen, auch außerhalb unserer Branche, heften sich auf die Fahnen, dass wir mehr Frauen in der Technik brauchen. Vor allem auf Vorstandsebene gibt es hier viel Commitment. Aber dann kommt die berühmte Lehmschicht, in die das oft noch nicht eingesickert ist. Manche Männer empfinden Frauen im Job immer noch als potenzielle Bedrohung. Ich habe auf Montage durchaus schon erlebt, dass alle auf den Herrn Schlüsselberger gewartet haben. Und dass sich niemand gewundert hat, warum ich hier eigentlich auch herumstand.

Manchmal erschüttert mich, wie wenig sich im Kern verändert hat. Dann wieder erlebe ich, wie sich jüngere Kolleginnen über die Probleme wundern, die ich früher hatte, und sehe, dass manche Konflikte wohl einfach ausgekämpft werden müssen. Und dass es sich lohnt, immer wieder darüber zu sprechen.

Julia Wenin, Projektentwicklerin Photovoltaik, Wien Energie GmbH,

(c) Wien Energie

Es ist durchaus möglich, dass es meinen Job noch nicht gab, als ich mit meinem Studium begann. Da erneuerbare Energien ein Herzensthema waren, ich aber nicht ausschließlich Technikerin sein wollte, belegte ich an der Boku Umwelt- und Bioressourcenmanagement. Im Master habe ich mich auf das Thema erneuerbare Energien spezialisiert und konnte bereits damals als Forschungspraktikantin bei Wien Energie arbeiten. In gewissem Sinne bin ich also genau zur richtigen Zeit gekommen, als das Thema in der Energiewirtschaft massiv an Bedeutung gewann.

Heute bin ich für die technische und wirtschaftliche Planung großer Photovoltaikanlagen für Industrie und Gewerbe verantwortlich. Das reicht von der ersten Besichtigung und Gesprächen über Ziele und Wünsche des Kunden über die technische Grob-planung und die Wirtschaftlichkeits-rechnung bis hin zu den finalen Vertragsverhandlungen.

Das Schöne daran: Natürlich existieren bewährte Lösungen, auf die man zurückgreifen kann, doch gleichzeitig gibt es im Bereich der erneuerbaren Energien viel Raum für Kreativität. Die Photovoltaik ist noch eine sehr junge Technologie, die sich permanent weiterentwickelt. Wir beschäftigen uns

daher viel mit neuen Trends und arbeiten immer wieder kundenspezifische Lösungen aus. Derzeit beschäftige ich mich auch mit dem Thema Agrar-Photovoltaik, also der Suche nach neuen technischen Lösungen, um landwirtschaftliche Flächen gleichzeitig für die Energiewirtschaft und die Landwirtschaft nutzbar zu machen. Wien Energie arbeitet seit rund zwei Jahren an diesem Thema und hat im vergangenen Herbst die erste Agrar-PV-Pilotanlage in Guntramsdorf eröffnet. Das ist sicherlich einer der Vorteile in einem großen Unternehmen: Man kann sich über seine Kernaufgaben hinaus auch in neuen Bereichen engagieren und dort mitwirken.

Meine Arbeit gibt mir die Möglichkeit, die Energiewende aktiv mitgestalten zu können und somit einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Das gibt mir täglich das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun. Die sehr hohen Ausbauziele stellen natürlich eine Herausforderung dar, dies macht das Ganze aber auch spannend.

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StromLinie 3-2020