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Exakte Fakten sind das stärkste Argument

Zur Bewältigung der Krise braucht es kluge Klimapolitik und den Zusammenhalt aller. Denn der Klimawandel geht uns alle an. Und Strom aus erneuerbaren Quellen spielt dabei eine ganz wesentliche Rolle. Einer, der seit vielen Jahren genau beobachtet, welche Auswirkungen Treibhausgase auf uns und unseren Planeten haben, ist Österreichs bekanntester Meteorologe: Marcus Wadsak.

Foto: Daniela Klemencic

Marcus Wadsak erzählt im Gespräch, wie harte Fakten Fake-News den Wind aus den Segeln nehmen. Er erklärt, warum die positiven Auswirkungen der Corona-Krise auf unser Klima nur ein Tropfen auf den heißen Stein sind. Und er berichtet, wie leicht Klimaschutz im Kleinen gelingen kann – etwa in seinem eigenen Familienalltag im Burgenland.

Unsere Sommer werden immer heißer, es fehlt der Regen – die Auswirkungen des Klimawandels sind für jeden von uns spürbar. Was passiert gerade mit unserem Planeten?

Um es auf den Punkt zu bringen: Unsere Atmosphäre heizt sich auf. Die Temperaturen steigen. Und das spüren wir am eigenen Leib. Früher etwa waren richtig heiße Sommer in Österreich unvorstellbar. Wenn ich an meine Kindheit zurückdenke, da gab es sogar einmal einen Sommer mit keinem einzigen Tag über 30 Grad. Heute sind solche Hitzetage in den Sommermonaten und selbst im Spätherbst normal geworden. Begleitet wird die Hitze von Dürreperioden, die massive negative Auswirkungen haben.

Sie vertreten die Ansicht: „Wir sind die erste Generation, die den Klimawandel zu spüren bekommt, und die letzte, die etwas dagegen unternehmen kann.“ Was können wir tun, damit auch unsere Enkel noch eine lebenswerte Welt vorfinden?

Wir können an vielen Schrauben drehen, um dem Klimawandel entgegenzutreten. Da ist zum einen natürlich der Verkehr: Statt das Auto oder Flugzeug zu nehmen, können wir öffentliche Verkehrsmittel wie den Zug nutzen, zu Fuß gehen oder mit dem Rad fahren. Ein anderer wesentlicher Bereich ist die Ernährung: Wir essen in Österreich viel zu viel Fleisch! Gerade die Massenrinderhaltung produziert unheimlich viel Methan – und Methan ist ein noch viel stärkeres Treibhausgas als CO2 . Wir sollten umdenken und vermehrt auf regionales und saisonales Obst und Gemüse setzen. Und dann haben wir als dritten Bereich den Konsum: Wir sollten uns fragen, woher die Güter kommen und welchen Schadstoffausstoß sie haben. Und dann gibt es natürlich die großen Dinge, die die Politik steuern muss: Sie muss die Weichen auf nachhaltige Energiegewinnung stellen.

Welche Fake-News rund um den Klimawandel halten sich hartnäckig und wie begegnen Sie als Wissenschaftler und Meteorologe unwahren Aussagen?

Eigentlich möchte ich diesen Fake-News gar keinen Platz einräumen – denn wir alle kennen sie. Es gibt einen amerikanischen Präsidenten, der behauptet, die Chinesen hätten den Klimawandel erfunden. Es gibt Leute, die leugnen die Tatsache, dass es auf der Erde immer wärmer wird. Unwahrheiten wie diesen begegnet man am besten mit exakten Daten, Fakten und Studien. Die Temperaturkurve geht in den letzten fünfzig Jahren stetig nach oben. Wir wissen, dass die CO2 -Konzentration in der Erdatmosphäre in den vergangenen 800.000 Jahren nie so hoch war wie heute. Auf diese Fakten können wir uns berufen und auf dieser Grundlage sollten wir auch unsere Entscheidungen treffen.

Die COVID-19-Ausnahmesituation hat dazu beigetragen, dass die Welt über Wochen stillstand – mit positiven Folgen für das Klima: klares Wasser in Venedigs Kanälen, weniger Luftverschmutzung und Delfine, die wieder im Bosporus schwimmen. Hat jetzt das große Umdenken begonnen?

Hier muss man unterscheiden: Die aufgezählten positiven Entwicklungen haben mit der bodennahen Luftqualität zu tun, die sich infolge eines geringeren Verkehrsaufkommens verbessert hat. Das merken wir auch daran, dass wir in den klaren Nächten viel mehr Sterne am Himmel sehen können. Der positive Effekt auf das Klima ist allerdings recht gering. Denn auch in der Corona-Krise haben wir Treibhausgase produziert. Das Problem bei Treibhausgasen ist, dass sie extrem langlebig sind. Für das Klima war die Corona-Krise also nur eine kleine Verschnaufpause. Trotzdem bin ich überzeugt davon, dass ein Umdenken stattgefunden hat: Viele haben im Homeoffice gearbeitet. Man spart sich die Fahrt ins Büro und die Abgase, die dadurch entstehen – und man spart sich natürlich Zeit! Auch das Konsumverhalten wurde überdacht: Wir haben festgestellt, dass wir eigentlich gar nicht so viel brauchen. Wenn Sie nach Wien schauen, sehen Sie, dass auf Straßen auf einmal Radwege aufpoppen. Ich finde diese Entwicklung gut und hoffe, sie verstärkt sich in Zukunft noch.

Wann werden die Menschen in Sachen Klimaschutz aufmerksam und aktiv?

Ich setze hier auf den Leitsatz: „Willst du etwas verändern, dann mache es vor!“ Nehmen wir das Thema Energie: Wenn Sie die Sonnenenergie in einem kleinen Ort fördern wollen, dann schenken Sie drei Haushalten Fotovoltaikzellen fürs Hausdach. Ich wette mit Ihnen, dass die Nachbarn neugierig werden, sich informieren und früher oder später nachziehen werden. Genauso ist das mit der Elektromobilität.

Wie können wir uns den klimafreundlichen Alltag von Marcus Wadsak vorstellen?

Ich persönlich versuche alles, was irgendwie möglich ist, zu Fuß zu gehen beziehungsweise mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen. Ich wohne im Burgenland und arbeite in Wien und ich brauche mit dem Zug 40 Minuten, die ich zum Arbeiten oder Ausrasten nutze. Ich werde chauffiert und muss mir um nichts Gedanken machen, das ist doch großartig! Ich habe außerdem in den letzten Jahren auf Urlaubsreisen per Flugzeug verzichtet. Wir wohnen in einem so schönen Land, dass ich einfach nichts vermisse, wenn ich meine Urlaube hier verbringe. Und bei der Ernährung ist es so, dass wir wenig Fleisch essen und meist regionale Produkte kaufen. Im Burgenland gibt es wunderbare Lebensmittel von Biobauern! All diese Schritte für ein umweltbewussteres Leben haben uns als Familie nicht eingeschränkt. Ganz im Gegenteil: Wir leben heute gesünder und fühlen uns sehr wohl.

Über Marcus Wadsak

Marcus Wadsak ist Meteorologe sowie Radio- und Fernsehmoderator. Jahrelang war er Wetter-Anchor im Ö3-Wecker, seit 2004 moderiert er das ZiB-Wetter, seit 2012 leitet er die ORF-Wetterredaktion. 2019 wurde er zum Journalisten des Jahres in der Kategorie Wissenschaft gewählt. Er ist Gründungsmitglied von Climate without Borders. In seinem neuesten Buch „Fakten gegen Fake & Fiction“ (Braumüller Verlag, 2020, 144 S.) gibt er Antworten auf die brennendsten Fragen zum Thema Klimawandel.