Presse & Medien

Die Strommacherinnen

Sie arbeiten im Kraftwerk, planen Windparks oder montieren Zähler: 13 Frauen nehmen uns mit in ihren spannenden Arbeitsalltag. Sie erzählen über Motivation, Herausforderungen und wie sie die Corona-Zeit im Job erlebt haben.

Die Schaltberechtigte - Viktoria Kuneth

„Jede junge Frau, die sich für Technik interessiert, sollte versuchen, in diesem Bereich zu arbeiten.“ Diesen Tipp gibt Viktoria Kuneth gerne technikaffinen Mädchen – schließlich hat sie ihn auch selbst beherzigt. Nach ihrer Lehre für Metall- und Elektrotechnik bei der APG im Umspannwerk Obersielach in Kärnten ist sie heute Schaltberechtigte in Ausbildung. „Ich wollte mir beweisen, dass Frauen genauso gut Technik können wie Männer. Außerdem möchte ich meine Mama unterstützen, die in einem klassischen ,Frauenberuf‘ arbeitet und nicht so viel verdient.“ Viktorias Aufgaben im Umspannwerk reichen vom Glühbirnentausch über das installieren von neuen Heizkörpern bis zum Prüfen der Anlage. Dass sie ihren Beruf liebt, sieht man ihr an.

Die Laborantin - Ursula Polfliet

„Physik, Mathematik, Biologie, das waren die Fächer, die mich schon in der Schule interessiert haben.“ Nach der Matura hat Ursula Polfliet daher eine Doppellehre für Chemie- und Physiklaborantin begonnen. Seit 16 Jahren arbeitet die technische Angestellte nun für die Energie AG Erzeugung GmbH am Standort Timelkam: einerseits im Betriebslabor, andererseits im Magazin. Als sehr abwechslungsreich beschreibt die 49-Jährige ihren Beruf: „In der Technik stehe ich ständig vor neuen Herausforderungen.“ Auch die Corona-Ausgangsbeschränkungen haben neue Herangehensweisen gefordert: „Wir waren während dieser Zeit vor Ort, denn unsere Anlagen sind rund um die Uhr in Betrieb. Aus Sicherheitsgründen haben wir aber eine Schichtlösung eingeführt.“

Die Juristin - Petra Schweiger

„Verhandlungsgeschick und MultitaskingFähigkeiten sind gefragt in meinem Beruf – und damit ist er perfekt geeignet für Frauen“, erzählt Petra Schweiger. Die Juristin ist Sachbearbeiterin bei der Energie Steiermark, betreut Ausschreibungen, berät in Rechtsangelegenheiten und ist auch im Bereich Datenschutz und Compliance tätig. „Jeder Tag ist anders und genau das reizt mich an meiner Arbeit: Sie ist vielseitig und mit einer flexiblen Arbeitszeitgestaltung absolut familienfreundlich.“ Flexibler wird in Zukunft wohl auch die Wahl des Arbeitsplatzes werden, ist sich die 34-Jährige sicher, denn die Corona-Zeit hat im gesamten Energie-Steiermark-Konzern eine Welle der Digitalisierung mit sich gebracht. „Homeoffice, Webinare oder Desksharing werden wohl in unsere Office-Policy Einzug halten, denn das Arbeiten von daheim aus hat für alle sehr gut funktioniert.“

Die Windparkplanerin - Katharina Prüller

Katharina Prüller ist erst Mitte 30, arbeitet aber bereits seit zehn Jahren im Bereich der erneuerbaren Energien. „Nach meinem Studium der Landschaftsplanung und -pflege an der BOKU in Wien war ich in der Planung und Ausarbeitung von UVP-Unterlagen tätig und konnte Windparkprojekte betreuen. Seit Anfang März arbeite ich nun für die EVN, was für mich eine tolle Möglichkeit ist: Ich bin nun sowohl in der Vorplanung als auch in der Umsetzungsphase von Windparkprojekten dabei.“ Besonders faszinierend findet die Projektleiterin die vielen umweltfachlichen und technischen Themen, die ihr Beruf mit sich bringt. „Außerdem bin ich an der Erreichung der Klimaziele beteiligt. Es ist einfach ein tolles Gefühl, wenn ich durch die Landschaft fahre und Windparkprojekte sehe, die ich geplant habe.“

Die Fotovoltaik-Technikerin - Katrin Kalss

Fotovoltaikanlagen und Speichersysteme sind die (berufliche) Welt von Katrin Kalss. Die 35-jährige Projektleiterin ist seit acht Jahren für die Innsbrucker Kommunalbetriebe AG tätig und hat sich bereits in ihrer Diplomarbeit mit dem Thema Fotovoltaik befasst. „Ich denke, dass sich viel mehr Frauen für Technik interessieren würden, wenn man ihnen früh genug mehr Einblick in diese Welt geben würde“, ist die junge Mutter überzeugt und ergänzt: „Die Branche ist so abwechslungsreich! Mit jedem Projekt erweitere ich meinen Erfahrungsschatz. Außerdem kann ich etwas Sinnvolles für die Umwelt tun.“ Während der Corona-Zeit hat Katrin Kalss im Homeoffice gearbeitet und viele Vor-Ort-Termine mussten verschoben werden. Dennoch lief der Großteil der Arbeit störungsfrei. „Die persönlichen Kundentermine habe ich aber schon vermisst.“

Die Ressourcenmanagerin - Marei Döhler

Bereits als Studentin hat Marei Döhler für die Vorarlberger illwerke vkw AG gearbeitet, seit 2017 ist sie Beauftragte für nachhaltiges Ressourcenmanagement im Unternehmen. „Die Erzeugung und Umwandlung von Energie haben mich schon lange interessiert. Nachhaltiges Ressourcenmanagement ist noch dazu das Zukunftsthema schlechthin“, freut sich die 30-Jährige. Ob man als Frau oder Mann in einem technischen Beruf arbeitet, ist für sie nicht relevant, so lange die Tätigkeit Spaß macht und die Arbeitsumgebung gute Voraussetzungen bietet. „Ich versuche, das Thema Klimawandel für alle Mitarbeiter greifbarer zu machen. Ich unterstütze bei der Umsetzung von Umweltschutzmaßnahmen oder Maßnahmen zur Reduktion von Abfallmengen, vereinbare Ziele mit den einzelnen Organisationseinheiten und überprüfe, ob das Umwelt- und Energiemanagementsystem aufrechterhalten wird.“

Die Monteurin - Anna Katharina Dohr

Bis zu 15 neue Stromzähler baut Anna Katharina Dohr pro Tag bei den Kunden der KNG-Kärnten Netz GmbH ein, in etwa eine gute halbe Stunde dauert der Einbau eines Zählers. „Bei mir dreht sich den ganzen Tag alles um Stromzähler“, lacht die 21-Jährige. Seit sechs Jahren ist sie bereits im Unternehmen tätig, nach der Ausbildung zur Elektrotechnikerin hat sie sich zur Smart-Meter-Monteurin schulen lassen. „Mich haben schon als kleines Kind keine typischen Mädchensachen interessiert. Ich habe immer schon gern meinem Vater über die Schulter geschaut und später den Elektriker bei unserem Hausbau genau beobachtet. Leider war es gar nicht so einfach, eine Lehrstelle in einem technischen Beruf zu bekommen. Ich kann anderen jungen Frauen daher nur raten: Bleibt dran und kämpft für euren Traum! Bei mir hat es dann ja auch geklappt und ich bin sehr glücklich in meinem Beruf.“

Die Energieexpertin - Stefanie Kritzer

„Die Energiewirtschaft ist nicht nur ein spannendes Arbeitsumfeld, sie benötigt auch dringend motivierte Frauen“, bringt es Stefanie Kritzer auf den Punkt. „Die Fragestellungen sind spannend, das Umfeld ist im Wandel und die Themen sind relevant.“ Bei der Salzburg AG ist die 35-jährige Mathematikerin seit 2009 tätig. „Ich betreue im Unternehmen Innovations- und Digitalisierungsprojekte im Bereich Energiehandel sowie Projekte im Bereich Klima und Energie.“ Spannend findet die Mutter eines fünfjährigen Sohnes auch die zunehmende Bedeutung von Strom- und Energiemanagement im Allgemeinen. Als herausfordernd hat sie die Corona-Zeit erlebt, während der sie 100 Prozent Homeoffice und Kinderbetreuung unter einen Hut bringen musste. „Aber alle Kollegen haben mit großem Verständnis auf zu suchende Playmobilritter während der Telko reagiert.“

Die Bautechnikerin - Elisa Spörr

„Der technische Berufszweig hat mich immer schon sehr interessiert. Mir war es wichtig, eine ‚greifbare‘ Arbeit auszuführen, einen abwechslungsreichen Alltag zu haben und Möglichkeiten vorzufinden, um mich in verschiedene Richtungen weiterzuentwickeln“, erzählt Elisa Spörr. All das hat die 28-Jährige vor sechs Jahren bei der TIWAG – Tiroler Wasserkraft AG vorgefunden. Als Bautechnikerin plant sie für das Unternehmen Bauprojekte der Wasserkraftplanung wie Tunnel oder Umspannwerke, erstellt Einreich- und Ausführungspläne und leitet und begleitet Kleinprojekte. „Ich kann einen technischen Beruf jeder Frau empfehlen, die gerne selbstständig und lösungsorientiert arbeitet, die Freude daran hat, ihre Ideen einzubringen, und die viel Wert auf Abwechslung legt. Schließlich ist jedes Bauwerk individuell – und nichts kann nach Schema F abgearbeitet werden.“

Die Energiebeauftragte - Sarah Hamberger

Sarah Hamberger. Die 28-Jährige ist seit fünf Jahren Energiebeauftragte und Energieberaterin bei der LINZ-ENERGIESERVICE GmbH-LES, einem Tochterunternehmen der LINZ AG. „Das übergeordnete Thema meiner Tätigkeit lässt sich am besten mit Energieeffizienz zusammenfassen. Ich habe die Energieflüsse des Konzerns im Blick, erstelle Berichte und stehe in Sachen Optimierung beratend zur Seite. Ich biete Workshops für die Mitarbeiter an und betreue daneben die ISO-Zertifizierungen (Energie- und Umweltmanagementsystem).“ Fasziniert ist Sarah Hamberger vor allem davon, die Energiezukunft mitgestalten zu können und in ihrer täglichen Arbeit viel Abwechslung zu erfahren: „Als Energiebeauftragte habe ich Einblicke in alle Konzernsparten: vom öffentlichen Verkehr über die Energieversorgung bis hin zu den Freizeiteinrichtungen.“

Die Weiterentwicklerin - Sonja Zahradnik-Leonhartsberger

Wenn Sonja Zahradník-Leonhartsberger über SPAROX.eu, den größten Onlinemarktplatz für Ersatzteile im Energiesektor, spricht, dann ist das Ziel klar: „Wir wollen ,Amazon für Ersatzteile‘ im Energiesektor werden.“ Die 44-Jährige leitet das Corporate Start-up seit 2018, davor war sie als Controllerin bei der Wien Energie GmbH tätig. „Mit SPAROX.eu setzen wir neue Maßstäbe und einen Schritt in Richtung Digitalisierung und vernetzter Plattformwirtschaft.“ Wie wichtig die Digitalisierung ist, hat sich auch während der Corona-Zeit gezeigt: „Zeitweise waren 80 Prozent der Wien-Energie-Mitarbeiter im Homeoffice. Möglich war die rasche Verlegung des Arbeitsplatzes dank einer ausgezeichneten IT-Ausstattung.“ Die Betriebswirtin hält einen Tipp für technikbegeisterte Frauen bereit: „Schlagt mutig neue Wege ein. Die Geschlechteraufteilung in der Branche ist in Wahrheit nicht relevant.“

Die Kraftwerkerin - Manuela Furtlehner

Ihr Arbeitsplatz ist das Donaukraftwerk Melk: Manuela Furtlehner ist Kraftwerkerin. Gemeinsam mit ihren Kollegen arbeitet sie an den Außenanlagen im Staubereich des Kraftwerks. „Natürlich ist mein Beruf einer, der hauptsächlich von Männern ausgeübt wird. Aber ich hatte nie Angst vor einer Männerdomäne. Das Geheimnis ist, sich selbst etwas zuzutrauen“, rät Manuela Furtlehner allen technikbegeisterten jungen Frauen. „Für mich war schon immer klar, dass ich im Technikbereich arbeiten möchte. Nach einem Jahr an der HTL habe ich dann 2014 in der VERBUND-Lehrwerkstätte in Ybbs die Doppelberufsausbildung zur Elektrikerin und Metalltechnikerin begonnen.“ Beeindruckend findet die Kraftwerkerin die Kombination von Technik und Natur. „Das Wasser der Donau, der Wind, die Sonne, manchmal auch das Eis begleiten mich bei meiner Arbeit.“

Die Projektleiterin - Nicole Paloda

"Die Umstellung auf neue, elektronische Stromzähler ist das größte Projekt in der Unternehmensgeschichte der Wiener Netze“, berichtet Nicole Paloda. Innerhalb dieses Projekts leitet die 32-jährige Wienerin das Smart Meter Operation Center, eine zentrale Informationsdrehscheibe und Kompetenzzentrum für das Monitoring und Reporting im gesamten Smart-Meter-Projekt. Hier laufen alle Informationen rund um die neue Zählertechnologie zusammen und zum Teil werden auch Anfragen von Kunden bearbeitet. Nicole Paloda ist bereits seit ihrer Lehrzeit in der Sparte Strom tätig: „Geweckt wurde mein Interesse durch meinen Vater und meine Schwester, die bereits bei den Wiener Stadtwerken tätig waren. Und so habe ich mich 2002 dort für eine Ausbildungsstelle beworben. Ich kann jeder technikinteressierten Frau raten, in einem technischen Umfeld zu arbeiten und ihre Expertise dort einzubringen: Es ist spannend und fordernd zugleich.“