Neue Energiewelt

Intensiver Wettbewerb am Strommarkt

E-Wirtschaft setzt sich für rasche und kundenfreundliche Lösungen ein

Als Balanceakt zwischen Wettbewerb, Regulierung und Steuerlast beschrieb Michael Baminger, Geschäftsführer der Energie AG Oberösterreich Vertrieb GmbH die Arbeit der Stromvertriebe knapp zwei Jahrzehnte nach der Liberalisierung. Aktuell stehen mittlerweile rund 150 Anbieter in Konkurrenz um die österreichischen Haushaltskunden und offerieren diesen etwa 130 unterschiedliche Produkte. Und immerhin rund 200.000 Kunden entscheiden sich jedes Jahr dafür, ihren Lieferanten zu wechseln.

Aufgabe der Vertriebsgesellschaften der Energieunternehmen ist für Baminger, Strom zu beschaffen, auf dieser Grundlage attraktive Produkte zu kreieren und diese an Endkunden zu verkaufen. Als Ausgangspunkt für die Berechnung der Preise, die den Endkunden angeboten werden, dienen im Übrigen nicht die Erzeugungskosten der einzelnen Versorger. Relevant ist vielmehr der Einkaufspreis im Großhandel. Üblicherweise beschaffen die Vertriebsgesellschaften ihre elektrische Energie rollierend. Jeden Monat wird etwa ein Zwölftel der benötigten Jahresmenge eingekauft. So ergibt sich, dass die Endkundenpreise oft erheblich von den aktuellen Börsenpreisen abweichen.

Strom ist wertvoll, aber preiswert. Der Anteil der elektrischen Energie am Endkundenpreis macht durchschnittlich nur rund 27,9 des Gesamtpreises aus. Weitere 35,6 Prozent entfallen auf Steuern und Angaben, die übrigen 36,5 Prozent auf das Netz. Steuern und Abgaben auf Strom sind damit inzwischen höher als die Energiekosten. Insgesamt liegt der österreichische Endkundenpreis mit rund 20,12 Cent pro Kilowattstunde (kWh) im europäischen Mittelfeld. Im Durchschnitt der Europäischen Union hat ein Kunde derzeit 21,13 Cent/KWh zu bezahlen, in Deutschland sind es - nicht zuletzt getrieben durch die Ökostromkosten - 30,00 Cent. Ferner ist zu beachten, dass ein österreichischer Haushalt monatlich nur etwa 2,2 Prozent seines verfügbaren Einkommens für Strom ausgibt. Zum Vergleich: Auf Alkohol und Tabak, die nicht zwangsläufig zu den lebensnotwendigen Gütern des täglichen Bedarfs zählen, entfallen rund 2,3 Prozent.

 

Spezielle Regeln

Was die Rahmenbedingungen für den Stromvertrieb betrifft, gilt in Österreich eine ganze Reihe von Spezialregulierungen. So sind die Elektrizitätsunternehmen verpflichtet, den Kunden ein Onlineportal zur Verfügung zu stellen. Auch sind eine kostenlose Hotline sowie eine Ombudsstelle einzurichten. Bamiger kommentierte das so: „Es ist schon interessant, dass man kundenorientierten Dienstleistungunternehmen eigens eine Kundenservicestelle vorschreibt.“ Eine weitere österreichische Spezialität besteht in der Pflicht der Energieunternehmen zur Steigerung der Energieeffizienz bei ihren Endkunden.

Überdies führt eine Vielzahl von Detailvorgaben laut Bamiger zu „völlig überladenen Stromrechnungen“, die den Kunden wenig Nutzen bringen und in dieser Form zumeist auf gar nicht erwünscht sind. Eine durchschnittliche Stromrechnung bringt es mittlerweile auf etwa vier bis fünf Seiten und muss dem Kunden auf Wunsch in Papierform übermittelt werden, „ökologischer Unsinn“, der österreichweit jährlich rund 51,5 Tonnen an CO2-Emissionen verursacht.

Vor dem Hintergrund des Drängens der Regulierungsbehörde Energie-Control Austria (E-Control) auf monatliche Stromrechnungen gab Oesterreichs Energie eine repräsentative Umfrage in Auftrag, um die Wünsche der Kunden zu erfragen. Die unmissverständlichen Ergebnisse: Eine monatliche Information über ihre aktuellen Stromkosten wünschen lediglich 16 Prozent der Bevölkerung. Dagegen erklären 65 Prozent jener Kunden, die diese Frage beantworteten, eine jährliche Rechnung zu wünschen. Auch halten 50 Prozent der Österreicher ihre Stromrechnung „sehr“ bzw. „eher“ verständlich. Etwa 67 Prozent wünschen weniger Details oder überhaupt kein Detailblatt. Rund 38 Prozent schenken diesem Blatt keinerlei Beachtung. Ökologisch gesehen, wäre eine monatliche Stromrechnung in Papierform für alle Österreicher wohl eher eine zweifelhafte Angelegenheit, ergänzte Baminger: „Inklusive der Jahresabrechnung bekäme jeder Stromkunde 13 Rechnungen pro Jahr. Das würde rund 556 Tonnen an CO2-Emissionen auslösen.“ Und die „unendliche Komplexität“ der monatlichen Abrechnung ginge offenbar völlig an den Kundenbedürfnissen vorbei, wie die Umfrage beweist. 

Weg mit der Lieferantenverpflichtung

Wenig Freude haben die Stromvertriebe mit den derzeit geltenden Bestimmungen des Energieeffizienzgesetzes (EEffG). Verkaufen sie pro Jahr mehr als 25 Gigawattstunden (GWh) an Endkunden, so sind sie dem Gesetz zufolge verpflichtet, „jährlich Energieeffizienzmaßnahmen nachzuweisen, die mindestens 0,6 Prozent ihrer Energieabsätze an ihre Endkunden in Österreich im Vorjahr entsprechen“. Dies wird als „Lieferantenverpflichtung“ bezeichnet. Der Nachweis hat jeweils bis zum 14. Februar, also bis zum Valentinstag, zu erfolgen. Der Nachweis hat gegenüber der Monitoringstelle zu erfolgen. Sie hat zwei Jahre Zeit, um die Richtigkeit der Angaben sowie die Zulässigkeit der Maßnahmen zu prüfen.

Zurzeit ist eine Überarbeitung des EEffG im Gange. Sie dient dazu, die Bestimmungen der aktualisierten Energieeffizienzrichtlinie der Europäischen Union in Österreich umzusetzen. Wünschenswert wäre laut Baminger der Entfall der „Lieferantenverpflichtung“. Sollte diese beibehalten werden, müsste die Politik jedoch den Konsens mit den Verpflichteten suchen. „Auch sind generell Systeme abzulehnen, welche die bestehende Beziehung zwischen Lieferant und Kunde konterkarieren“, resümierte Baminger.