Neue Energiewelt

Sicher, sauber, leistbar

Österreichs Elektrizitätswirtschaft ist bereit, eine wichtige Rolle für Klimaschutz und den Umbau des Energiesystems zu übernehmen

„Österreichs Elektrizitätswirtschaft ist bereit, die Herausforderungen der Dekarbonisierung, der Digitalisierung und der Dezentralisierung aktiv anzugehen“, ist Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie überzeugt. Zu begrüßen ist, dass das Thema Energie über die Klimaschutz-Debatten nunmehr breite Bevölkerungskreise interessiert. Allerdings besteht ein Dilemma: „Am Freitag demonstrieren die Kinder für den Klimaschutz. Am Samstag protestieren ihre Eltern gegen den geplanten Windpark im Ortsgebiet.“ E-Wirtschaft und die Politik müssen daher danach streben, dass die Menschen den Ausbau der Energie-Infrastruktur akzeptieren und dabei klarmachen, „dass die Energiewende auch etwas kosten wird“. Strom, insbesondere jener, der mittels erneuerbarer Energien erzeugt wird, könne und müsse ein Teil der Lösung des Problems einer klimaverträglichen Energieversorgung sein.

 



Das Hauptthema der österreichischen Energiewirtschaft ist für Leonhard Schitter, Präsident von Oesterreichs Energie „derzeit der Klimaschutz“ Dass Österreich seinen jährlichen Strombedarf ab 2030 zu 100 Prozent mit erneuerbaren Energien decken will ist aus Sicht der E-Wirtschaft extrem ambitioniert. Dringend erforderlich dafür ist ein rascher Beschluss des Erneuerbaren Ausbau Gesetzes mit einer neuen Systematik der Incentivierung von Ökostrom. Notwendig sind auch ein zeitgemäßes Energieeffizienzgesetz“ (EEffG), das vor allem auf Anreize für die Endverbraucher statt auf Verpflichtungen für die Energielieferanten setzt. Hinsichtlich der Versorgungssicherheit ist der weitere und schnellere Ausbau der Stromnetze, aber auch der Erzeugungsanlagen, unverzichtbar.

Österreichs Elektrizitätswirtschaft ist bereit, eine wichtige Rolle für Klimaschutz und den Umbau des Energiesystems zu übernehmen

Schon derzeit entfallen rund 75 Prozent der Stromerzeugung in Österreich auf erneuerbare Energien, überwiegend Wasserkraft. Eine bedeutende Rolle spielen aber auch Windkraft und Photovoltaik. Etwa 23 Prozent des Elektrizitätsbedarfs decken nach wie vor thermische Kraftwerke. Dabei handelt es sich fast ausschließlich um hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplungen (KWK), die mit Erdgas betrieben werden. Das einzige noch „aktive“ Kohlekraftwerk ist Mellach bei Graz wird nach der Heizperiode 2019/20 stillgelegt. Thermische Kraftwerke sind auch weiterhin unverzichtbar, stellte Schmidt klar: „Wir brauchen sie, um Strom zu erzeugen, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint.“ Etwa 20 Prozent der benötigten elektrischen Energie werden importiert.

Um eine vollständige Versorgung mit Ökostrom zu gewährleisten und die Importe auszugleichen, muss die Produktion von Elektrizität mit Wasser- und Windkraft sowie Photovoltaik um rund 30 Milliarden Kilowattstunden (Terawattstunden, TWh) auf 88 TWh gesteigert werden. Das bedeutet sechs bis acht TWh mehr Wasserkraft und je 11 bis 13 TWh Windenergie und Photovoltaik. Rein rechnerisch würde das bedeuten „alle drei Minuten eine PV-Anlage in Betrieb nehmen zu müssen, alle zwei Tage ein Windrad und alle zwei Jahre ein Wasserkraftwerk wie jenes in der Freudenau in Wien“. Weil die Stromproduktion von Windkraft- und PV-Anlagen witterungsbedingt stark schwankt und ist auch saisonal höchst unterschiedlich ist, wird es 2030 im Sommer erhebliche Überschüsse und im Winter dagegen mindestens ebenso große Erzeugungslücken geben. Daher werden dringend stärkere Übertragungsnetze, Technologien zur saisonalen Speicherung sowie Sektorkopplung von Strom mit (Erd-)Gas und Fernwärme benötigt. Die E-Wirtschaft habe dabei das gesamte System der Energieversorgung im Blick, so Schmidt: „Denn die Versorgungssicherheit ist weiterhin unser oberstes Ziel.“

Die neue Energiewelt erfordert umfassende gesetzliche Maßnahmen für Versorgungssicherheit. Thermische Kraftwerke zur Netzstützung müssen langfristig wirtschaftlich abgesichert werden. Weiters sollte ein neues System der Stromnetztarife die vom Kunden benötigte Leistung stärker gewichten. Osterreichs E-Wirtschaft spricht sich für eine eine faire CO2-Bepreisung aus, die bei jenen Sektoren ansetzen soll, die nicht in den europäischen Emissionshandel einbezogen sind, also Verkehr, Gebäude (Raumwärme) sowie Landwirtschaft. So kann aus einer Stromwende eine wirkliche Energiewende werden.