Klima- und Energiestrategie

Zehn Anforderungen an eine sichere, saubere und leistbare Energiezukunft aus Sicht der E-Wirtschaft

Das Ziel der Bundesregierung, über eine Klima- und Energiestrategie Österreichs Stromverbrauch bis 2030 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien (national bilanziell) zu decken, ist ehrgeizig. Oesterreichs Energie begrüßt den klaren Zeitrahmen und die pragmatische Vorgangsweise der Bundesregierung. Damit die Ziele erreicht werden sowie Qualität und Sicherheit der Stromversorgung auf hohem Niveau erhalten bleiben, muss die Strategie mit geeigneten Rahmenbedingungen ausgestattet werden. Folgende Leitlinien und Handlungsfelder sind aus Sicht der E-Wirtschaft im Zusammenhang mit der Klima- und Energiestrategie zu beachten, damit Strom auch in Zukunft sicher und leistbar bleibt:

1. Sicherheit im Fokus

Versorgungssicherheit, Umweltverträglichkeit und Leistbarkeit müssen die Säulen einer langfristigen Energiestrategie sein. Die umfassende Verfügbarkeit von elektrischer Energie ist ein Basis-Input moderner Industriestaaten und unverzichtbar
zur Sicherung von Lebensqualität, Arbeitsplätzen und Wohlstand in unserem Land.

2. Flexibilität erhalten

Für die von der Klima- und Energiestrategie angestrebte Stromversorgung durch erneuerbare Energien bis 2030 sind ausreichend (quantitativ) und jederzeit abrufbare (qualitativ) Kraftwerkskapazitäten (inklusive Kraft-Wärme-Koppelung) bereitzustellen bzw. zu erhalten. Zu diesem Zweck muss eine ökonomische Basis für die Wahrung der Versorgungssicherheit und -qualität geschaffen werden.

3. Alle Sektoren einbeziehen

Eine ernst gemeinte integrierte Klima- und Energiepolitik muss den gesamten Energiesektor einbeziehen. Bisher wurden die schwierig zu steuernden Bereiche Mobilität und Raumwärme zu wenig in die Pflicht genommen. Künftig müssen alle Sektoren ihren Beitrag leisten. Strom wird zur wichtigsten Energiequelle und muss andere Energieträger ersetzen.

4. Unabhängiger werden

Der steigende Strombedarf muss aus erneuerbaren, heimischen Quellen gedeckt werden. Dabei darf aber nicht nur das Verbrauchswachstum als Richtschnur dienen, sondern auch eine im Jahresverlauf ausgeglichene Import-Export-Bilanz
ist anzustreben. Die bilanzielle Ausgeglichenheit ist zentral, um aus der Importabhängigkeit herauszufinden.

5. Verfahren beschleunigen

Die Stromproduktion aus erneuerbaren Energien sowie der damit verbundene und unverzichtbare Netzausbau müssen erleichtert und beschleunigt werden. Erforderlich sind Investitionssicherheit sowie kürzere und effizientere Genehmigungsverfahren. Systemblockaden und administrative Hemmnisse (wie Abgaben, Melde- und
Berichtspflichten) sind abzubauen.

6. Mehr Markt

Die Leistbarkeit von elektrischer Energie gewinnt an Bedeutung, wenn die Stromversorgung zum wichtigsten Bereich des Energiesystems wird. Das gilt gleichermaßen für Industrie, Gewerbe, Handel, Landwirtschaft und Haushalte. Um übermäßige Belastungen der Stromkunden zu vermeiden, sollte das Incentivierungsvolumen für Ökostrom das derzeitige Ausmaß auch in Zukunft nicht wesentlich übersteigen. Konkurrenzfähige Strompreise sind eine wichtige Grundlage für den Wirtschaftsstandort.

7. Faires Preisniveau

Strom ist ein wertvolles Gut und braucht einen angemessenen Preis. Schwere Verzerrungen am Strommarkt haben in den vergangenen Jahren zu massiven wirtschaftlichen Problemen geführt. Durch den Verfall der Strompreise am Großhandelsmarkt kann aktuell praktisch keine neu erbaute Anlage ihre Kosten durch die Stromerlöse decken. Die Funktionsfähigkeit des Strommarkts muss mit Blick auf künftige Entwicklungen und durch die Integration der zugebauten
erneuerbaren Energien in den Markt wiederhergestellt werden. Ziel ist die Schaffung eines Level Playing Field für alle Teilnehmer im Rahmen eines fairen Marktmodells.

8. Regionalität

Die Klima- und Energiestrategie muss regionsspezifische Besonderheiten berücksichtigen, um optimale Ergebnisse zu erreichen. Gefordert sind pragmatische Lösungen mit dem Ziel, die vorhandenen Ausbaupotenziale zu marktgerechten technologiespezifischen Gestehungskosten auszuschöpfen und die Menschen in den Regionen von den Projekten zu überzeugen.

9. Auf Speicher setzen

Der Weg zu einem Energiesystem, das vornehmlich auf Strom setzt, erfordert eine strategische Ausrichtung von Forschung, Entwicklung und Investitionen in Richtung innovativer Speichersysteme. Inkludiert sind Anstrengungen zur Entwicklung eines neuen flexiblen Systems aus Speicherung, Netzen und Verbrauchern sowie Sektorkopplung. Zusätzlich muss es auch für die bestehenden Speichersysteme faire Marktbedingungen geben.

10. Forschung fördern

Der Umbau des Energiesystems erfordert eine deutliche Erhöhung der Investitionen in Energieforschungsprojekte. (Schwerpunkte: Speicherung, [intelligente] Energiesysteme und -netze, Sektorkopplung sowie soziale Innovationen).