5-Punkte-Programm

5 Punkte für die Energieversorgung Österreichs

Gemeinsames Grundsatzprogramm der führenden Energie-Unternehmen Österreichs zum Ausbau der erneuerbaren Energien für eine ressourcenschonende, nachhaltige, sichere und leistbare Energieversorgung unseres Landes

Unsere Verantwortung

Österreichs führende Energieunternehmen der Sektoren Strom, Gas und Wärme bekennen sich zu den Klima- und Energiezielen unseres Landes und sind bereit, als treibende Kraft des Umbaus des Energiesystems zu wirken. Die Herausforderungen, die sich auf Basis der Beschlüsse der Klimakonferenz von Paris und der EU Energie- und Klimaziele ergeben, können nur durch einen Schulterschluss aller maßgeblichen Akteure positiv gemeistert werden.

Die beteiligten Branchen sind sich der Verantwortung bewusst, die sich aus ihren zentralen Rollen im Rahmen des Energiesystems in Österreich ergeben. Ziel unseres gemeinsamen 5-Punkte-Programms ist eine sichere und nachhaltige Transformation unseres Energiesystems in eine erneuerbare Energiewelt und die Schaffung der dafür notwendigen Rahmenbedingungen. Der Umbau des Energiesystems ist eine gesamtgesellschaftliche Herkulesaufgabe, der sich die
führenden Unternehmen der Strom-, Gas- und Fernwärmewirtschaft mit Unterstützung der Politik
stellen möchten.

1. Versorgungssicherheit

Versorgungssicherheit hat oberste Priorität – für den Wirtschaftsstandort und die Sicherstellung der Lebenschancen in Österreich. Neben dem Ausbau der erneuerbaren Energien muss beim Umbau des Energiesystems die Aufrechterhaltung einer leistbaren und zuverlässigen Energieversorgung im Mittelpunkt stehen. Besonderes Augenmerk ist in einer immer stärker erneuerbaren Zukunft auf die notwendige Flexibilität, Speicherbarkeit und verfügbaren Kapazitäten im Energiesystem zu legen. Ein einstündiger Ausfall einer 110-kV-Leitung führt zu einem Stromausfall bei etwa einer Viertelmillion Kunden und 48 Mio. Euro Schaden pro Tag. Ein einstündiger Ausfall auf Ebene des 380-kVÜbertragungsnetzes betrifft fast ganz Österreich und verursacht pro Tag einen Schaden von etwa einer Milliarde Euro.

Österreich als europäische Gasdrehscheibe verfügt über hervorragende Anbindungen an die weltweit verfügbaren Gasressourcen und nimmt im europäischen Kontext eine wesentliche Rolle für eine sichere, unterbrechungsfreie
und hochqualitative Gasversorgung ein. Mit den gut ausgebauten Gasspeichern ist Österreichs Gaswirtschaft ein Garant für Versorgungssicherheit.

• Mit dem „Energy-only-Markt“ alleine kann die Erhaltung der notwendigen Versorgungssicherheit nicht gewährleistet
werden.

• Die sichere, zuverlässige und leistbare Versorgung mit Energie muss zu jedem Zeitpunkt der Transformation des Energiesystems gewährleistet sein.

• Der Ausbau der volatilen erneuerbaren Energieträger im Strombereich muss zwingend mit dem Umbau von Back-Up Systemen (Speicher und Kraftwerke, die jederzeit abrufbar sind) einhergehen.

• Es braucht Bestandssicherung hocheffizienter Erzeugungsformen (KWK) und die Nutzung flexibler Kapazitäten (Gaskraftwerke).

• Politik und Verwaltung müssen im Rahmen eines faktenbasierten Ansatzes die notwendigen Rahmenbedingungen und Incentives schaffen.

2. Nachhaltigkeit

Österreich hat nicht nur das Potenzial, den Stromverbrauch bilanziell zu 100 Prozent aus erneuerbaren Quellen abzudecken. Bis 2050 soll das gesamte Energiesystem weitgehend dekarbonisiert werden. Durch erneuerbares Gas aus Biomethan, Wasserstoff und synthetisches Gas kann auch der Gasverbrauch bis 2050 weitgehend erneuerbar werden.
Diese „Greening the Gas– Strategie“ ermöglicht große Mengen an erneuerbarer Energie rasch zu integrieren, zu distribuieren und den Endverbrauchern zur Verfügung zu stellen. Die Energiewirtschaft ist bereit, große Summen in den weiteren Ausbau der Erneuerbaren und in neue Technologien zu investieren, sofern die Politik rasch die notwendigen gesetzlichen Rahmenbedingungen schafft.

• Dazu bedarf es eines Finanzierungsmodells mit variablen Marktprämien auf Basis technologiespezifischer
Ausschreibung, sowohl für den Ökostromausbau als auch für die Einspeisung von erneuerbaren Gasen ins Netz.

• Die Technologieoffenheit und Gleichbehandlung aller erneuerbarer Energieträger muss gewährleistet sein, insbesondere auch im Raumwärmemarkt.

• Nachweislich in das Gasnetz eingespeiste und im Biomethanregister erfasste Anteile an erneuerbaren Gasen sind von der fossilen Erdgasabgabe zu befreien.

• Steuerliche Anreize für alternative Antriebstechnologien (Strom, Gas, Wasserstoff) zur Dekarbonisierung des Verkehrssektors sollen fortgeführt und ausgebaut und regulatorische Hemmnisse abgebaut werden.

3. Sektorkopplung

Die Sektoren Elektrizität, Wärme- und Kälteversorgung sowie Verkehr werden in einem zunehmend erneuerbaren Energiesystem stärker vernetzt, um die Versorgungssicherheit und die Ressourceneffizienz zu erhöhen, einen wesentlichen Beitrag zur Dekarbonisierung zu leisten und die Systemkosten so gering wie möglich zu halten. Österreich kann dazu auf ein hervorragend ausgebautes Infrastrukturnetz (Gas- und Pumpspeicher, Leitungen, Produktionseinrichtungen) setzen,
welches das Rückgrat für die Sektorkopplung ist.

Wasserstoff kann als universeller Energieträger der Zukunft eine zentrale Rolle zur Verknüpfung der einzelnen Sektoren bieten. Power-to-Gas ermöglicht die Speicherung von erneuerbarem Strom in großen Mengen und über längere Zeiträume. Wasserstoff, eingesetzt als Rohstoff, Energieträger oder Speichermedium, leistet somit einen wertvollen Beitrag zur Flexibilisierung des Energiesystems.

• Es braucht eine mehrjährige Dotierung von Förderprogrammen sowie die Festlegung von Förderschwerpunkten für Wasserstoff als universeller Energieträger der Zukunft inkl. Implementierungsprojekte.

• Die Einspeisung von grünem Wasserstoff ins Gasnetz muss z.B. durch Ausnahme von den Netztarifen forciert werden.

• Power-to-Heat-Technologien (wie z.B. Wärmepumpen, Elektrodenkessel etc.) müssen verstärkt zur Verwertung erneuerbaren Stroms eingesetzt werden.

• Alternative Antriebstechnologien (Strom, Gas, Wasserstoff) stellen den Schlüssel für eine umweltfreundliche Mobilitätswende dar.

• Sektorkopplungsprozesse müssen, soweit rechtlich möglich und wirtschaftlich sinnvoll, von Netzgebühren, Abgaben und Umlagen befreit werden.

4. Investitionssicherheit

Investitionssicherheit ist die Grundvoraussetzung für die notwendigen milliardenschweren Investitionen der Energiewirtschaft in den Umbau des Energiesystems. Damit einhergeht die Forderung nach Planungssicherheit, insbesondere auch die Sicherung der bestehenden Infrastruktur, die Beschleunigung notwendiger Infrastrukturvorhaben sowie eine vorausschauende Regulierung.

Investitionen in alle notwendigen Speicher- und Leitungsinfrastrukturen müssen weiterhin möglich sein.

• Von wesentlicher Bedeutung ist der weitere Abbau von Investitionshemmnissen, die Beschleunigung von
Genehmigungsverfahren und eine generelle Entbürokratisierung.

• Investitionsentscheidungen in Unternehmen, die im Wettbewerb stehen, können nur auf Basis fundierter Rentabilitätsberechnungen getroffen werden.

• Unvorbereitete Strategiewechsel, die zu Stranded Investments und Lock-in-Effekten führen, sind zu vermeiden. Wenn die Politik Verantwortung für die Auswirkungen ihrer Entscheidungen wahrnimmt, können die Unternehmen ihrerseits Verantwortung für die Verwirklichung der politischen Ziele schultern.

• Anreize für Investitionen in neue Technologien müssen gesetzt werden, statt mit Ge- und Verboten zu agieren.

5. Energieeffizienz

Die Steigerung der Energieeffizienz ist neben dem Ausbau der Erneuerbaren die zweite zentrale Stellschraube zur Erreichung der notwendigen Dekarbonisierung. Der verstärkte Einsatz von Strom ist einer der wichtigsten Effizienztreiber, Gas sein Backup und seine klimaschonende Ergänzung. Die Forcierung strategischer Maßnahmen muss demnach das Gebot der Stunde sein.

• Der Endenergiebedarf muss daher bis 2050 durch Effizienzmaßnahmen auf die Hälfte des Werts von 2016 sinken, sonst ist die weitgehende Dekarbonisierung des Energiesystems, wie sie von der EU angestrebt wird, nicht zu verwirklichen.

• Zur Erreichung dieses Ziels sind erhebliche Anstrengungen zur Setzung und Finanzierung von strategischen Energieeffizienzmaßnahmen erforderlich, über die Grenzen der unterschiedlichen Sektoren und Ministerien hinweg.

• Insbesondere braucht es zusätzliche steuerliche Anreize im Gebäudesektor und eine durchgängige Forcierung
alternativer Antriebstechnologien.

• Das System der Lieferantenverpflichtung ist zur Erreichung der ambitionierten Zielvorgaben nicht geeignet. Dies kann anhand der bisherigen Erfahrungen mit diesem bürokratischen System zweifelsfrei belegt werden.

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