Stromhandel und -vertrieb

Physikalisches und bilanzielles Stromsystem

Im liberalisierten Strombinnenmarkt können Konsumenten ihre Lieferanten unabhängig vom Standort frei wählen. Herkunftsnachweise für den gekauften Strom bringen zusätzliche Transparenz in den Strommarkt und bieten den Stromkunden Wahlmöglichkeiten.  Die Herkunftsbezeichnung des Stroms ist allerdings unabhängig vom Strom, den die Kunden physisch geliefert bekommen. Er bezieht sich auf den Strom, den sie bezahlen. Demnach gilt es zwischen dem  physikalischen Stromsystem und dem bilanziellen bzw. finanziellen Stromsystem zu unterscheiden.

Das physikalische Stromsystem

Die physikalische Übertragung des Stroms zum Verbraucher erfolgt ausgehend von der Erzeugung über die Stromnetze bis zur Steckdose. Das europäische Stromnetz kann man sich in seiner Funktion wie einen großen „See“ vorstellen, in den alle Zuflüsse von den einzelnen Stromproduzenten münden.

Aufgrund der physikalischen Gesetze muss der „Wasserspiegel“ – Spannung und Frequenz – immer gleich hoch sein: Es muss also immer genau jene Menge an Strom eingespeist werden, die auch im selben Moment verbraucht wird.

Die österreichischen Stromerzeuger speisen einen Großteil des Stroms in Form von erneuerbaren Energien oder hocheffizienten thermischen Kraftwerken ein.

Das finanzielle/bilanzielle Stromsystem

Im finanziellen bzw. bilanziellen Stromsystem wird der Strom unabhängig vom physikalischen Stromfluss im Groß-
handel weiterverkauft und geht schließlich über Lieferanten zu den Endkunden.

Der produzierte Strom wird im Großhandel weiterverkauft und geht schließlich über den Lieferanten zum Endkunden. Das Handelsvolumen kann dabei deutlich höher liegen als die eigentliche Strommenge, da jede Einheit Strom auch mehrmals gehandelt werden kann. An die Endkunden kann allerdings nur genauso viel Strom verkauft werden, wie auch erzeugt wurde.

Im finanziellen System kaufen die Endkunden somit genau definierten Strom, den ihre Lieferanten eingekauft haben. Diese Käufe werden über Herkunftsnachweise dokumentiert und auf der Stromrechnung zusammengefasst. Die entsprechenden Strommengen sind durch garantierte Zertifikate bestätigt. Diese Nachvollziehbarkeit der Stromherkunft ermöglicht es den Stromvertrieben, unterschiedliche Tarife und Produkte, wie beispielsweise reine Ökostromprodukte, Strom aus Wasserkraft oder ausschließlich Strom aus heimischer Erzeugung anzubieten. Die Stromkunden können entscheiden, aus welcher Quelle der Strom kommt, den sie beziehen. Die tatsächliche Herkunft des Stroms lässt sich schließlich auf der Jahresabrechnung oder auf Werbematerial des Stromlieferanten detailliert nachlesen.