Stromnetze

Inhaltliche Schwerpunkte und Benchmarking in der dritten Regulierungsperiode

Nach rund zwei Jahren Verhandlungen zwischen Oesterreichs Energie und E-Control wurden schließlich die wesentlichen Parameter der Regulierungssystematik für die dritte Periode (2014 bis 2018) festgelegt. Die regulatorischen Rahmenbedingungen für Netzbetreiber in der dritten Regulierungsperiode werden im Wesentlichen von drei Einflussfaktorenbestimmt:

1. Ergebnisse des Benchmarkings
2. Regulierungssystematik
3. Ergebnis des Kostenprüfungsverfahrens 2013

Komplexität führt zu Diskussionen

Hinterlegt ist dieser Prozess durch ein Berechnungsmodell mittelshochkomplexer Regulierungsformel. In dieser Formel werden beispielsweise

  • Investitionskosten (CAPEX),
  • Betriebskosten (OPEX), sowie die
  • Summe beider Kostenfaktoren (TOTEX).

aus den ersten beiden Regulierungsperioden berücksichtigt. Auch Kosten für Implementierung und Betrieb von Smart Metering finden ihren Niederschlag.

Weiterer Abbau von Ineffizienzen

Ein wesentlicher Bestandteil der dritten Regulierungsperiode ist der weitere „Abbau von Ineffizienzen“. Innerhalb von zehn Jahren wurden entsprechende Parameter festgelegt, die zu erfüllen sind. Generell wurde auch eine jährliche Produktivitätssteigerung von durchschnittlich 1,25 Prozent vereinbart. Veränderungen gab es auch beim so genannten WACC, dessen Höhe auf 6,42 Prozent für die gesamte Laufzeit festgelegt wurde. WACC (Weighted Average Cost of Capital oder „gewichteter durchschnittlicher Kapitalkostensatz“) ist ein Verfahren, das von Unternehmen eingesetzt wird, um eine Mindestrendite für Investitionsprojekte zu errechnen.

Je nach betroffenem Unternehmen und je nach Benchmarking-Ergebnis sind in der Folge individuelle Abschläge von den Unternehmen zu erfüllen.

Investitionen der Netzbetreiber erfordern Netzentgelterhöhungen

Andererseits erfordert der hohe zusätzliche Investitionsbedarf Netzentgelterhöhungen: Dabei geht es keineswegs nur um die Finanzierung der Kosten durch die politisch verordnete Einführung von Smart Metering in den nächsten Jahren. Nicht vernachlässigt werden dürfen Kosten, die sich aus der wachsenden Integration erneuerbaren Energien ergeben (Stichwort Energiewende). Außerdem führte die zunehmende Überalterung der bestehenden, heimischen Stromnetze dazu, dass massiv in den Bestand investiert werden muss. - Ein herausforderndes Szenario, vor dem die Verhandlungen zur dritten Regulierungsperiode geführt wurden.

Benchmarking in der dritten Regulierungsperiode

Basierend auf dem ElWOG 2010 wurden in der dritten Regulierungsperiode ein Benchmarking-System eingeführt. Dabei wird die Input- und Output-Mengen einzelner Unternehmen in Beziehung gesetzt werden. Ziel der Benchmarking-Analyse ist es zu prüfen, ob die tatsächlichen Kosten des Netzbetriebs einer effizienten Betriebsführung entsprechen.

Stromnetzbetreiber: Die Größe der Stichprobe beinahe verdoppelt

Das Modell wurde im Vergleich zu den ersten beiden Regulierungsperioden erweitert: Gegenüber der ersten Regulierungsperiode wurde die Teilnehmerzahl mit 38 beinahe verdoppelt. Grundsätzlich kann diese Vergrößerung der Stichprobe zwar potenziell Vorteile bieten – zugleich birgt sie das Risiko in sich, dass Netzstrukturen eines Netzbetreibers mit Netzstrukturen eines anderen Betreibers (ländlich/städtisch; klein/groß) verglichen werden, die eigentlich nicht direkt miteinander verglichen werden sollten.