Stromhandel und -vertrieb

Handelsplätze für Strom

Stromhandel kann an regulierten Marktplätzen wie Börsen, auf Organisierten, Multilateralen Handelssystemen (Organised Trading Facility, Multilateral Trading Facility) oder am sogenannten
OTC (Over-the-Counter) Markt stattfinden.

Rolle der Strombörsen

Strombörsen sind organisierte, geregelte Marktplätze für Strom, wo Angebot und Nachfrage den Preis bestimmen. Der Handel an der Strombörse erfolgt über standardisierte Produkte wie zum Beispiel Futures, das sind standardisierte börsengehandelte Termingeschäfte. Strombörsen bieten große Liquidität (genügend Zahlungsmittel und Handelspartner, um ein Wirtschaftsgut schnell umsetzen zu können) und eine Absicherung gegen das Risiko des Ausfalls eines Geschäftspartners (Kontrahentenrisiko) für Stromanbieter und Stromnachfrager.

Das Clearing (Auf- und Verrechnung von Forderungen und Verbindlichkeiten aus Wertpapier- und Termingeschäften) übernimmt ein Clearinghaus.

Nicht standardisierte Termingeschäfte (Forwards), deren Struktur durch die Vertragsparteien individuell vereinbart wird, werden nicht an Börsen gehandelt, sondern am OTC-Markt (Over-the-Counter). Der Handel erfolgt meist über Broker. Vorteile des OTC-Handels sind die Möglichkeit der individuellen Produktgestaltung, als Nachteil gegenüber der Börse als Handelsplatz gilt eine geringere Liquidität und dass keine automatische Absicherung des Kontrahentenrisikos besteht. Allerdings können diese OTC-Geschäfte auch an einer Börse gecleart werden.

Für Österreich sind die Börsen EPEX SPOT SE in Paris, EXAA in Wien sowie die Leipziger EEX besonders relevant. 

Zum Beispiel die EEX-Gruppe bietet den Spot- und Terminhandel für eine Vielzahl von europäischen Strommarktgebieten an. Am Spotmarkt können Beschaffung und Verkauf bis 30 Minuten vor Lieferung optimiert werden. Am Terminmarkt haben die Handelsteilnehmer die Möglichkeit, sich bis zu sechs Jahre in die Zukunft gegen zukünftige Preisänderungsrisiken abzusichern. Die rund 250 Handelsteilnehmer haben zudem die Möglichkeit, bilateral abgeschlossene Transaktionen clearen zu lassen. Das Clearing (Auf- und Verrechnung von Forderungen und Verbindlichkeiten aus Wertpapier- und Termingeschäften) und Settlement (Abschluss und Erfüllung eines Börsengeschäfts) börslicher und außerbörslicher Geschäfte (OTC Clearing) in Strom übernimmt die European Commodity Clearing AG (ECC). Darüber hinaus bietet die EEX-Gruppe Produkte an, die vor dem Hintergrund des steigenden Anteils erneuerbarer Energien im Strommix eine größere Flexibilität im Handel ermöglichen.

Bedeutung des Flexibilitäten-Handels nimmt mit Energiewende weiter zu

In Anbetracht ständig steigender Einspeisung erneuerbarer Energien in Deutschland und Europa ist die Beibehaltung großer Marktgebiete und sogar die Vergrößerung bestehender sogenannter Gebotszonen oder Bidding Zones für die Fortsetzung der Marktintegration im europäischen Elektrizitätsbinnenmarkt wesentlich. Zum Beispiel können im großen Marktgebiet Deutschland Österreich temporäre Überschüsse an erneuerbaren Energien aus Deutschland in den österreichischen Flexibilitäten genutzt werden und müssen nicht verstärkt abgeregelt werden.