Stromnetze

Elektromobilität

Die Elektromobilität in Österreich nimmt langsam aber sicher an Fahrt auf. Nicht zuletzt durch die 2017 gestartete Investitionsförderung bei der Anschaffung von E-Fahrzeugen, zahlreichen Begünstigungen wie dem Entfall der motorbezogenen Versicherungssteuer, Vorsteuerabzugsfähigkeit, Entfall der Sachbezugsversteuerung, Parkbegünstigungen in
Städten, geringe Wartungskosten und vielen weiteren Vorteilen wird für immer mehr Privatpersonen und Unternehmen die Anschaffung eines Elektroautos zur wirtschaftlichen Alternative. Inzwischen übertrumpfen sich die Autohersteller mit den maximal erzielbaren Reichweiten und mit Elektroautos können nahezu ohne Komforteinbußen alle notwendigen
Fahrten erledigt werden. Alle namhaften Hersteller arbeiten intensiv an Fahrzeugverbesserungen und erweitern ihre Modellpalette.

Elektromobilität ist für die Stromnetze eine neue Aufgabe und sie kommt vielleicht schneller, als derzeit angenommen wird. Die Bedeutung des Stromnetzes für das wirtschaftliche und gesellschaftliche Leben wird durch zusätzliche Dienstleistungen für die Elektromobilität weiter erhöht. Der energieintensive Lebensbereich Mobilität wandert vom Öl zum Strom. Durch die höhere Effizienz der E-Mobilität können in etwa 2/3 der Primärenergie (je nach
elektrischer Energieerzeugung) eingespart werden.

Diese Entwicklung der „Verkehrswende“ bietet ein großes Potenzial, um die energie- und klimapolitischen Ziele der österreichischen Regierung zu erreichen und zusätzlich die Ressourcenabhängigkeiten zu verringern und wird auch entsprechend von den österreichischen Verteilernetzbetreibern mitgetragen.

Der zusätzliche elektrische Energiebedarf aus den Verteilernetzen wird nur um etwa 16 Prozent steigen, wenn 100 Prozent Elektromobile auf Österreichs Straßen unterwegs sind. Um den benötigten Strom zu den Endkunden zu transportieren, werden die Stromnetze – hier insbesondere die Niederspannungsnetze – vor neue Herausforderungen gestellt.
Mit „netzfreundlicher“ Ladung mit niedriger Leistung, intelligenter Ladeleistungssteuerung oder Laden aus Batteriespeichern kann der Ausbaubedarf im Niederspannungsnetz reduziert werden.

Ladeleistung und Ladeinfrastruktur

Die Ladeleistungen von Elektromobilen betragen ein Vielfaches der derzeit üblicherweise an Hausanschlüssen geplanten Leistungen von 3 kW bis 5 kW. Unterschiedliche und meist kurze Einschaltzeiten etwa beim Kochen und Waschen waren bisher typisch für Haushaltslasten. Durch die langen Ladedauern von mehreren Stunden, tritt nun allerdings
eine hohe Gleichzeitigkeit des Leistungsbedarfs im Netz auf, wodurch eine wesentlich stärkere Belastung der Verteilernetze entsteht. Bestehende Niederspannungsnetze stoßen ohne Maßnahmen schnell an Ihre Grenzen.

An jedem Ort hohe Ladeleistungen zur Verfügung zu stellen, ist in Anbetracht des derzeit bestehenden Tarifmodells (dzt. leistungsbezogene Tarif-Komponente nicht verursachergerecht berücksichtigt) volkswirtschaftlich nicht vertretbar. Zukünftig müssen sich Schnellladestationen im öffentlichen Raum, Ladeinfrastruktur am Arbeitsplatz und Lademöglichkeiten zu Hause sinnvoll ergänzen. Vielfach werden Elektromobile zu Hause über die ganze Nacht geladen. Damit ist ausreichend Zeit vorhanden, um die Akkumulatoren mit geringerer Leistung voll aufzuladen. Hohe Ladeleistungen zur Verfügung zu stellen ist in privaten Haushalten einerseits technisch meist schwierig realisierbar und andererseits mit hohen Kosten verbunden.

Die österreichische Netzregulierungsbehörde spricht sich in solchen Fällen klar für das Verursacherprinzip aus: wer mehr Leistung will, muss dafür bezahlen! Laden mit geringer Leistung schont die Geldtasche und die Batterie!

Eine Umsetzungsstrategie für den Netzanschluss der Ladeinfrastruktur umfasst neben dem klassischen Netzausbau die Entwicklung intelligenter Lösungen für netzfreundliches Laden sowie zweckmäßige rechtlich-regulatorische Rahmenbedingungen. Durch Elektromobilität werden Verteilernetze in einer neuen Art und Weise beansprucht, eine starke Rückwirkung auf die Verteilernetze entsteht. Um die Netzintegrationskosten der Elektromobilität zu minimieren und somit deren Entwicklung zu fördern ist ein spezifisches Regelwerk erforderlich, welches die Anforderungen an das Ladeverhalten von Elektromobilen am öffentlichen Verteilernetz festlegt. Wir haben dazu einen Leitfaden verfasst, der als Grundlage für die Überführung in ein nationales Regelwerk dienen soll. (siehe Download-Box)