Stromhandel und -vertrieb

Mehr Transparenz für den Stromhandel im Flow-Based Market Coupling

Barrieren, Lösungen und Schlüsselindikatoren – Eine Studie der Österreichischen Energieagentur im Auftrag von Oesterreichs Energie

In der gesamten Day-Ahead-Marktkopplung werden täglich über 200 Mio. Euro Umsatz generiert bzw. jährlich 1.500 TWh Handelsvolumen umgesetzt. Die resultierenden Preise sind für Erzeuger, Lieferanten, Stromhändler und Verbraucher das wesentliche Marktsignal. Die derzeit nur im CWE-Raum umgesetzte lastflussbasierte Marktkopplung soll sukzessive auf weitere Regionen und Märkte (Intraday) in Europa ausgedehnt werden.

Nachvollziehbarkeit mit vertretbarem Aufwand nicht gegeben: hohe Such- und Transaktionskosten

Es ist daher dringend notwendig, die bestehenden Barrieren, die die Markttransparenz aktuell einschränken, abzubauen. Diese Barrieren resultieren größtenteils nicht daher, dass Informationen und Daten nicht vorhanden sind, sondern zumeist, dass sie nur mit unverhältnismäßig hohen Such- und Transaktionskosten aufzufinden sind (Stichwort Scheintransparenz). Dies wirkt sich negativ auf das Marktvertrauen, den Wettbewerb und die systemische Effizienz aus. Vor allem für kleinere oder neue Marktteilnehmer ist dies problematisch, da sie den Aufwand für die derzeit notwendige Informationssuche und
-aufbereitung schwerer übernehmen können als der größere bzw. etablierte Mitbewerb. Bedenkt man zudem, dass es sich bei vielen Dokumenten um rechtlich gültige Dokumente handelt, wirkt die fehlende Transparenz noch gravierender.

Aktuell kein „Level Playing Field“ für kleinere oder neue Marktteilnehmer

Darüber hinaus sind nicht nur die Marktteilnehmer, sondern beispielsweise auch Regulatoren, politische  Entscheidungsträger, Marktbeobachter und Forschungseinrichtungen, aber auch die Übertragungsnetzbetreiber selbst von diesem Problem betroffen. Vor allem für Stakeholder, die nicht über entsprechend hohe finanzielle und/oder Personalressourcen verfügen, erzeugt die fehlende Transparenz eine nicht zu begründende Asymmetrie und Benachteiligung. Dies gilt auch für die über die Marktkopplung erfassten Länder: Kleinere und oft weniger erfahrene Länder sind tendenziell im Nachteil. Daher müssen, gerade bei Prozessen mit einer derart hohen Komplexität wie dem FBMC, im Sinne eines „Level Playing Field“ höchste Transparenzstandards gewährleistet sein. Dies umfasst auch die zielgruppenspezifische Entwicklung von Nutzungskonzepten für Informationen und Daten, um die derzeit bestehende Scheintransparenz zu verringern.

One-Stop-Shop als beste Lösung

Die optimale Maßnahme zur Förderung der Transparenz wäre der Aufbau eines One-Stop-Shops, also einer zentralen Anlaufstelle, die den Marktteilnehmern Zugang zu allen FBMC-relevanten Dokumenten und Daten erlaubt. Dokumente sollten HTML-basiert zur Verfügung gestellt werden, mit der Möglichkeit des Downloads im PDFFormat, wie dies bei allen rechtsverbindlichen Dokumenten (national und auf EU-Ebene) in der Regel der Fall ist. Vor allem müssten Dokumente – auch im zukünftigen CORE FBMC – in konsolidierten Fassungen sowie in einer Art und Weise vorliegen, die die Entwicklung nachvollziehbar macht. Filter- und Suchmöglichkeiten sollten sowohl für Daten als auch für Dokumente bereitgestellt werden. Daten sollten nicht nur im Excel-Format mit Zeitstempel, sondern auch maschinenlesbar mit entsprechender Dokumentation verfügbar sein. Zur Darstellung der Prozessabläufe eignet sich ein Flussdiagramm, verlinkt mit der HTML-basierten Beschreibung. Zur Wissensvermittlung ideal wäre zusätzlich eine Visualisierung der Daten angelehnt an die Network-Map der ENTSO-E mit Zoomfunktion und Querverweisen zu den Datensätzen.

Key-Performance-Indikatoren (KPI) für schnellen und intuitiven Marktüberblick

Neben der Beseitigung von bestehenden Barrieren erhöhen Schlüsselindikatoren die Transparenz im FBMC weiter und stärken das Marktvertrauen. Durch die Entwicklung und tägliche Publikation von KPIs wird Marktteilnehmern, Regulatoren, Entscheidungsträgern und Marktbeobachtern ein schneller Überblick über die aktuelle Situation und akute Auffälligkeiten ermöglicht. Die vorgeschlagenen Indikatoren sollen (1) FBMC als Marktorganisationsprozess legitimieren, (2) die Performance des Marktkopplungsalgorithmus EUPHEMIA bewerten und (3) überblicksmäßige Information für die Marktteilnehmer zu den Daten des FBMC bieten.