Zukunftsvision Smart Grid
Vom Abnahmenetz zum einspeisegeführten Netz: Das Stromnetz, das weltweit größte und komplexeste von Menschenhand errichtete System, ist im Wandel begriffen. Aus dem hierarchisch-konventionellen System soll ein flexibles dezentrales System werden.
Paradigmenwechsel im Stromnetz
Die Vision ist ein Stromnetz, das flächendeckend mit Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) ausgestattet ist. Damit soll es auf die jeweiligen Anforderungen, die sich aus Verbrauch bzw. Erzeugung ergeben, rasch und richtig reagieren können. Grund für diese Anforderungen ist die verstärkte Einbindung erneuerbarer dezentraler Stromerzeugungsanlagen.
Die Erzeugung von Strom aus Wind und Sonne unterliegt naturgemäß Schwankungen, die sich auf das Netz auswirken. Das Stromnetz muss daher die so ausgelösten Schwankungen erkennen und darauf ausgleichend reagieren können.
Was ist ein Smart Grid?
Das heutige Stromnetz ist bereits in vielen Bereichen mit intelligenten Komponenten ausgestattet. Diese unterstützen die Stromnetzbetreiber dabei, zuverlässige Stromversorgung Österreichs täglich aufrechtzuerhalten. Zukünftig sollen aber zahlreiche weitere neue und „intelligentere“ Komponenten eingesetzt werden. Damit soll das Netz für zukünftige Anforderungen gerüstet sein. Fachkreise sprechen vom Smart Grid − dem Stromnetz der Zukunft.
Die Aufgabe des Netzbetreibers ist es, die Stromverbraucher, -erzeuger und -speicher durch Kommunikationstechnologie miteinander zu verbinden und zu managen und moderne Technologie kann dazu beitragen, die Netzinfrastruktur noch optimaler zu nutzen.
Welche Auswirkungen haben Smart Grids auf die einzelnen Kunden? In erster Linie soll damit die gewohnte verlässliche Strom-Versorgung in Österreich erhalten bleiben. Ein wesentliches Ziel ist es, vermehrt kleine Strom-Erzeuger in das Stromnetz einzubinden, man spricht in diesem Zusammenhang von der verteilten oder auch dezentralen Erzeugung.
Was bedeutet das für die Betreiber der Stromnetze?
Die Stromnetzbetreiber müssen dafür sorgen, dass das Stromnetz stabil bleibt, denn Stromausfälle verärgern die Kunden. Die Einbindung verteilter Erzeuger macht hingegen umfangreiche Erweiterungen notwendig. Für Netzbetreiber stellt diese Änderung eine besondere Herausforderung dar. Grundsätzlich geht es darum, das Stromnetz um Komponenten zu erweitern, die optimal auf den aktuellen Strombedarf reagieren können. Um dies aber bewerkstelligen zu können, sind massive Investitionen notwendig.
Vergleich der Systeme
Konventionelle Stromnetze sind im Großen und Ganzen hierarchisch aufgebaut. Sie stellen weltweit das größte und komplexeste System dar, das von Menschenhand geschaffen wurde. Bislang basiert das System Elektrizität darauf, dass wenige große Kraftwerke an zentralen Punkten den Strom erzeugen. Über Leitungen gelangt der Strom von den Kraftwerken zu den Kunden in die Steckdose.
| Konventionelles System | Smart Grid |
|---|---|
| • Hierarchische Struktur • Hauptsächlich große zentrale Kraftwerke • Große wenige zentrale Energiespeicher (Pumpspeicherkraftwerke) • IKT nicht flächendeckend eingesetzt |
• Verteilte Komponenten unterschiedlicher Größe • Einbindung dezentraler Erzeuger (DEG: Distributed Energy Generation) • Einbindung vieler kleiner dezentraler Energiespeicher (E-Mobil) • Intelligentere Komponenten • Durchgängige Verwendung von IKT bis zum Endkunden |
Hintergründe zu Smart Grids
Die generell steigende Nachfrage nach Energie bei schwindenden fossilen Rohstoffreserven steht der Forderung nach höherer Energieeffizienz, geringerem CO2‑Ausstoß sowie dem verstärkten Umweltbewusstsein gegenüber. Kleine Anlangen für die Stromerzeugung sollen in Zukunft helfen, den Strombedarf aller Kunden zu decken.
Das Stromnetz hat deshalb aber noch lang nicht ausgedient, vielmehr wächst Relevanz des Stromnetzes. Das Smart Grid muss jedoch durch die künftige Volatilität der Stromerzeugung und des -verbrauches noch besser reagieren können. Dazu ist es notwendig, dass der Netzbetreiber im Smart Grid Informationen über den aktuellen Zustand von relevanten Indikatoren hat und über geeignete Steuer- und Regelmöglichkeiten verfügt, um auf Erzeuger und Verbraucher entsprechend der übermittelten Informationen einwirken zu können.






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