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Physikalische vs. bilanzielles Stromsystem

Seit Öffnung des Strommarktes im Jahr 2001 können sich die heimischen Stromkunden ihren Stromlieferanten frei auswählen. Stromerzeugung, Stromvertrieb und Übertragung bzw. Verteilung des Stroms wurden entbündelt und liberalisiert. Aus Versorgern wurden Energiedienstleister. Die Unternehmen der E-Wirtschaft stehen im Wettbewerb und müssen Strom zu möglichst attraktiven Kosten erzeugen oder beschaffen.

Kunden entscheiden, woher der Strom kommt

Mit der Liberalisierung wurden die nationalen Strommärkte aufgelöst und ein europäischer Binnenmarkt für Strom verwirklicht.

Herkunftsnachweise für den gekauften Strom bringen zusätzliche Transparenz in den Strommarkt und bieten den Stromkunden Wahlmöglichkeiten. Die Herkunftsbezeichnung für die gekaufte Energie ist allerdings unabhängig vom Strom, den ein Kunde physisch über das Netz geliefert bekommt. Der Herkunftsnachweis bezieht sich ausschließlich auf den Strom, den der Kunde bezahlt.
Denn neben dem physikalischen Stromsystem gibt es parallel das bilanzielle bzw. finanzielle Stromsystem.

Das physikalische Stromsystem

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Die physikalische Übertragung des Stroms zum Verbraucher erfolgt ausgehend von der Erzeugung über die Stromnetze bis zur Steckdose. Das europäische Stromnetz kann man sich in seiner Funktion wie einen großen „See“ vorstellen, in den alle Zuflüsse von den einzelnen Stromproduzenten münden.

Aufgrund der physikalischen Gesetze muss der „Wasserspiegel“ – Spannung und Frequenz – immer gleich hoch sein: Es muss also immer genau jene Menge an Strom eingespeist werden, die auch im selben Moment verbraucht wird.

Die österreichischen Stromerzeuger speisen einen Großteil des Stroms in Form von erneuerbaren Energien oder hocheffizienten thermischen Kraftwerken ein (der Anteil der Erneuerbaren an der Stromerzeugung liegt in Österreich aktuell bei knapp 79 Prozent).

An anderer Stelle in Europa wird natürlich auch Strom aus Atomkraftwerken oder große Mengen aus weniger effizienten Kohlekraftwerken in den „See“ eingespeist.

Das finanzielle/bilanzielle Stromsystem

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Im finanziellen bzw. bilanziellen Stromsystem wird der Strom unabhängig vom physikalischen Stromfluss im Großhandel weiterverkauft und geht schließlich über Lieferanten zum den Endkunden.

Das Handelsvolumen kann deutlich höher sein als die tatsächlich ins Netz eingespeiste Strommenge, da jede Einheit Strom auch mehrmals gehandelt werden kann. An die Endkunden kann allerdings nur genauso viel Strom verkauft werden, wie auch erzeugt wurde.

Im finanziellen System kaufen die Endkunden somit genau definierten Strom, den ihre Lieferanten eingekauft haben. Diese Käufe werden über Herkunftsnachweise dokumentiert und auf der Stromrechnung zusammengefasst. Die entsprechenden Strommengen sind durch garantierte Zertifikate bestätigt. Diese Nachvollziehbarkeit der Stromherkunft ermöglicht es den Stromvertrieben, unterschiedliche Tarife und Produkte, wie beispielsweise reine Ökostromprodukte, Strom aus Wasserkraft oder ausschließlich Strom aus heimischer Erzeugung anzubieten. Die Stromkunden können entscheiden, aus welcher Quelle der Strom kommt, den sie beziehen. Die tatsächliche Herkunft des Stroms lässt sich schließlich auf der Jahresabrechnung oder auf Werbematerial des Stromlieferanten detailliert nachlesen.

Standardisierte Herkunftsnachweise

Der Nachweis für die garantierte Herkunft des Stroms erfolgt über standardisierte Herkunftsnachweise. Wie der Nachweis zu erfolgen hat, ist durch gesetzliche Regeln im Elektrizitätswirtschafts und -organisationsgesetz (ElWOG) und im Ökostromgesetz sowie in Verordnungen der E-Control zur Stromkennzeichnung (Labeling) genau geregelt. Auf europäischer Ebene liefert ein entsprechender Rechtsrahmen Sicherheit, dass bei grenzüberschreitendem Stromhandel die Herkunft des gelieferten Stroms bestimmten Anlagen zugeordnet werden kann. Denn in Österreich werden nur Herkunftsnachweise anerkannt, die die strengen Anforderungen der EU-rechtlichen Vorgaben erfüllen. Somit ist sichergestellt, dass jedes Zertifikat nur einmal für eine bestimmte Menge Strom verwendet wird und den Kunden die Transparenz geboten wird, um selbst über die Herkunft ihres Stroms entscheiden zu können.