30. März 2017

Smart Meter in Österreich: Status – Ausblick – Kundenservices

Ausschreibungen und Roll-Out für Smart Meter im gesamten Bundesgebiet gestartet

Die Einführung der Smart Meter in Österreich tritt 2017 in eine entscheidende Phase. Laut einer Erhebung zum Status der Umsetzung der Projekte in Österreichs
E-Wirtschaft waren Ende 2016 rund 5 Prozent der vom Roll-Out-Plan erfassten 5,5 Millionen Zähler bereits umgestellt. Im laufenden Jahr soll der Anteil der installierten Smart Meter auf 12 Prozent steigen, erklärte Barbara Schmidt, Generalsekretärin von Oesterreichs Energie. Das liegt unter dem verordneten Ziel von 70 Prozent Smart Meter 2017.

Grund der Verschiebungen sind vor allem der hohe Vorbereitungsaufwand, beispielsweise der Umbau von Trafostationen und die Dauer der Ausschreibungen. Insgesamt 13 große Netzbetreiber, aber auch viele kleinere Netzgesellschaften haben bereits Ausschreibungen durchgeführt, bzw. mit der Installation der Zähler begonnen. Konkrete Beispiele dafür präsentierte Oesterreichs Energie gemeinsam mit Spitzenrepräsentanten namhafter Mitgliedsunternehmen bei einem Hintergrundgespräch. Smart Metering, so Gerald Obernosterer, Leiter Netzmanagement der Kärnten Netz GmbH „ist mehr als der Einbau neuer Zähler“. Die Kärnten Netz investiert insgesamt 140 Mio. € in die Umsetzung von Smart Metering, das größte Einzelprojekt in der Unternehmensgeschichte. Es müsse auch eine Infrastruktur geschaffen werden, das Datenmanagement aufgebaut und für die Sicherheit der Daten gesorgt werden. Der Roll Out der Smart Meter wurde in Kärnten 2017 gestartet und ist derzeit in vollem Gang

1,2 Mio. Zähler in Salzburg, Tirol und Vorarlberg

Gemeinsam definiert haben die Smart Meter-Infrastruktur die Netzgesellschaften in den westlichen Bundesländern Salzburg, Tirol und Vorarlberg. Die gemeinsame Festlegung der Standards stärkt die Verhandlungsbasis der Netzgesellschaften mit Lieferanten und reduziert Kosten für die Entwicklung von Systemen, so Herwig Struber, Geschäftsführer der Salzburg Netz GmbH – eine 100%-Tochter der Salzburg AG. In Salzburg umfasst die Einführung der Smart Meter insgesamt 20 voneinander getrennte Projekte, getauscht werden sollen insgesamt 470.000 Zähler. Rund 170 unternehmensinterne Prozesse sind von der Einführung betroffen und müssen umgestellt werden. Für den Roll-Out waren in Summe 20 Vergabeverfahren erforderlich. Struber: „Die Einführung kostet allein in Salzburg
175 Mio. € bei einer Projektlaufzeit von zusammen sechs Jahren.“

Größter Roll-Out in Wien

Größtes Smart Meter-Projekt Österreichs und derzeit größter Roll-Out im deutschsprachigen Raum ist die Umstellung der Zähler bei den Wiener Netzen. „Insgesamt 1,6 Millionen Zähler müssen getauscht werden, aktuell sind mehrere Pilotprojekte in Abwicklung. Der Zuschlag für die Anbieter soll noch heuer erfolgen. 2018 erfolgt der Start des Roll-Out, und 2019 sollen in Spitzenzeiten im Schnitt pro Minute sieben neue Zähler angeschlossen werden“, erklärte Karin Zipperer, Geschäftsführerin der Wiener Netze GmbH. Der Roll-Out startet stufenweise und soll 2020 zu 80 Prozent abgeschlossen sein. 2022 soll schließlich der Vollausbau erreicht sein. Zipperer sieht die Smart Meter als Ermöglicher der Energiewende, mit denen den Prosumern der Zukunft ein intelligentes Netz zur Verfügung gestellt werden könne. Zudem seien Smart Meter die notwendige Grundlage für innovative Zusatzservices und -produkte.

Smarte Services der Energievertriebe

Viele dieser Services sind bereits in Erprobung, eine Reihe davon sogar schon bereits für Kunden zugänglich, erklärte Michael Strebl, Sprecher Handel & Vertrieb von Oesterreichs Energie. Strebl: „Die Umstellung der Energiezähler auf Smart Meter durch die Netzbetreiber wird die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle fördern. Auf der einen Seite wird die Kommunikation zwischen Kunde und Lieferant quantitativ und qualitativ besser.“ Heute noch weitgehend fehlende oder abstrakte Daten werden im Zeitalter der smarten Netze zu wertvollen Informationen zur Verbesserung des Service. „Das wird zu neuen flexibleren Strompreisangeboten und Dienstleistungen führen“, ist Strebl überzeugt. Als erste Beispiele nannte Strebl Strom-Produkte einer Reihe heimischer Stromvertriebe, die Unterstützung von Smart-Home-Systemen, Sektorkopplung auch bei Kunden oder das von einem Unternehmen, der Wien Energie angebotene Produkt HausMaster.