Ausfalls- und Störungsstatistik der letzten Jahre
Österreichs Stromnetze zeichnen sich im internationalen Vergleich durch eine nach wie vor hohe Verfügbarkeit aus. Damit dies auch in Zukunft gewährleistet ist, muss schon zeitgerecht in die heimische Netzinfrastruktur investiert werden.
In Österreich wird seit 2002 die Erstellung einer Ausfalls- und Störungsstatistik durch die Regulierungsbehörde E-Control betrieben. Gemäß der Statistikverordnung von 2001 sind Netzbetreiber dazu verpflichtet, Daten über Stromausfälle in ihrem Netz zu erheben. Diese Zahlen werden durch Oesterreichs Energie gesammelt und auf ihre Plausibilität hin überprüft. Daraus werden Kennzahlen der Verfügbarkeit errechnet.
Allerdings ist zu bedenken, dass der Vergleichszeitraum 2009 von wenigen „besonderen Wettersituationen“ wie Orkanen und Unwettern gekennzeichnet war. − Dennoch sank die Zahl der Unterbrechungen gegenüber den Vorjahren nicht im erwartbaren Ausmaß. Dies sollte als erstes Anzeichen dafür gewertet werden, dass stärker in Österreichs Netze investiert werden muss. Die Finanzierung dieser notwendigen zukünftigen Investitionen ist bislang nicht gesichert.
Unterschiedliche Berechnungsmethoden bei der Nichtverfügbarkeit
Zum Vergleich herangezogen wird vor allem die Kennzahl der so genannten Nichtverfügbarkeit. Diese gibt in Minuten pro Jahr an, wie lange der Durchschnitt aller Kunden im Berichtsjahr unversorgt war. Errechnet wird dieser Wert aus der gewichteten Dauer von Versorgungsunterbrechungen gemäß dem Standard IEEE 1366. Die Gewichtung kann dabei nach Anzahl der Kunden oder nach installierter Transformatorleistung (Mittelspannung/Niederspannung) erfolgen. Ebenfalls berechnet wird die mittlere Unterbrechungshäufigkeit. Diese gibt die durchschnittliche Anzahl von Versorgungsunterbrechungen pro Kunde an. Auch hier gibt es die Möglichkeit, die Unterbrechungshäufigkeit nach der Kundenanzahl oder nach installierter Transformatorleistung zu ermitteln.
Die durchschnittliche Dauer einer Versorgungsunterbrechung ergänzt die Aussagen zur Versorgungszuverlässigkeit und wird als gewichteter Mittelwert über alle aufgetretenen Unterbrechungen errechnet. In Österreich (und anderen Staaten) werden Nichtverfügbarkeit und Unterbrechungshäufigkeit auf die Transformatorleistung bezogen. Veröffentlicht werden dabei die Ergebnisse für Mittelspannungsnetze, da ungefähr 90 Prozent der Störungsereignisse in diesen entstehen. So können mit vertretbarem Erhebungsaufwand ausreichend genaue Werte geliefert werden können.
Die Ergebnisse der letzten Jahre für die Nichtverfügbarkeit (ASIDI − Average System Interruption Duration Index) und die Unterbrechungshäufigkeit (ASIFI − Average System Interruption Frequency Index) können im Downloadbereich dieser Seite eingesehen werden. Unterschieden wird dabei nach den Kategorien geplant und ungeplant, ergänzt durch den ungeplanten Anteil der „außergewöhnlichen Ereignisse“.
Österreichs Ergebnisse für das Jahr 2009 sind zwar im internationalen Vergleich nach wie vor sehr gut, allerdings liegen die Nichtverfügbarkeitswerte in den letzten vier Jahren seit Beginn der Statistik 2002 über den Werten der ersten Jahre. Wie bereits erwähnt, ein Indiz für den wachsenden Investitionsbedarf in die heimischen Netze.
Der Umgang mit Naturkatastrophen
Darüber hinaus gibt es Versorgungsunterbrechungen, die als Naturkatastrophen klassifiziert und in der Statistik kenntlich gemacht werden. Außergewöhnliche Naturereignisse treten selten auf, beeinflussen die Nichtverfügbarkeit aber stark und führen zu starken Schwankungen in den Ergebnissen. Will man die Nichtverfügbarkeit vieler Länder vergleichen, wie es zum Beispiel im 4. Benchmarking Bericht über Qualität der Elektrizitätsversorgung des CEER geschieht, ergeben sich oft Probleme, da jedes Land Naturkatastrophen unterschiedlich bewertet. Während in Österreich beispielsweise Naturkatastrophen nur dann anerkannt werden, wenn ein lokal ansässiger Krisenstab eine Katastrophe ausruft oder wenn seitens des Landes oder Staates Maßnahmen ergriffen werden, werden Naturkatastrophen in anderen Staaten nach mehr oder weniger nachvollziehbaren Regeln mit sehr unterschiedlichen Ermessensspielräumen beurteilt. Ein belastbarer statistischer Vergleich wird damit unmöglich. Trotzdem werden Vergleichszahlen und Diagramme veröffentlicht.
Oesterreichs Energie fordert einheitliche Berechnungsmethode
Deshalb propagiert Österreichs Energie die Methode der Major Event Days (MEDs) nach IEEE 1366 zur Identifizierung von außergewöhnlichen Ereignissen − meist Naturkatastrophen − was eine internationale Vergleichbarkeit der Ergebnisse gewährleisten soll. Nach dieser Methode wurden auch die österreichischen Daten der letzten Jahre analysiert und damit plausible Ergebnisse errechnet.
Dadurch kann eine objektive Aussage darüber getroffen werden, welche Tage tatsächlich außergewöhnlich für das Land waren und besonders hohe Ausfallzeiten verursachten. Diese Tage werden nicht einfach herausgestrichen, sondern in der Statistik separat erkennbar gemacht. Wichtig für die Anwendbarkeit der Methode nach IEEE 1366 ist eine möglichst große Stichprobe über viele große und kleine Netzbetreiber, da diese nur bei ausreichendem Datenmaterial stichhaltige Ergebnisse liefern kann. Für die Beurteilung einzelner – auch vergleichsweise größerer – Netzbetreiber kann diese Methode nicht angewendet werden. Selbst ganze Bundesländer sind als zu kleine Einheiten, hier müssen andere Kriterien herangezogen werden.
Die Einführung der MED-Methode für ganz Österreich, und gleichzeitig in den anderen Ländern Europas, würde insgesamt einen bedeutenden Fortschritt in der Vergleichbarkeit der Nichtverfügbarkeit einzelner Länder bewirken. Sie wird deshalb von Österreichs Netzbetreibern empfohlen, um der derzeitigen Inhomogenität der internationalen Methoden seriös zu begegnen und die Qualität der allerorts mit Interesse wahrgenommenen Störungs- und Verfügbarkeitsstatistik anzuheben.







Artikel weiterleiten