10 Jahre Liberalisierung Strommarkts in Österreich
Oesterreichs Energie präsentiert Liberalisierungsbuch und -Studie
Gut aufgestellt für die Zukunft sieht sich Österreichs E-Wirtschaft zehn Jahre nach dem Start der Liberalisierung des Strommarkts. „In Summe hat die Liberalisierung den Stromkunden viele Vorteile gebracht und auch den Unternehmen gut getan“, konstatierte Wolfgang Anzengruber, Präsident von Oesterreichs Energie, der Interessenvertretung der E-Wirtschaft, anlässlich der Präsentation des Buchs „STROM AUFWÄRTS“, mit dem die E-Wirtschaft und prominente Autoren eine erste umfassende Bilanz der Strommarktliberalisierung ziehen.
Laut Anzengruber hatte es im Vorfeld der Liberalisierung noch große Befürchtungen bezüglich der technischen Umsetzung gegeben. Viele hätten es auch als Bedrohung gesehen, dass ausländische Großkonzerne den heimischen Markt handstreichartig übernehmen könnten. Anzengruber: „Beides war unbegründet, denn die österreichische E-Wirtschaft hat mit einer großen Anstrengung die notwendigen Änderungen und Effizienzsteigerungen erfolgreich herbeigeführt.“ Aus Monopolisten auf dem Gebiet der Daseinsvorsorge wurden Unternehmen, die sich im internationalen Wettbewerb behaupten und aktiver Partner am europäischen Strommarkt sind.
Wichtigstes Ergebnis für die Stromkunden: Die Strompreise liegen heute real auf dem gleichen Niveau wie vor zehn Jahren, während andere Energieformen real um bis zu 65 Prozent teurer wurden. Anzengruber: „Der Wettbewerb am Markt und die Regulierung der Netztarife haben zu deutlichen Strompreissenkungen geführt, ein Wermutstropfen ist allerdings, dass wir heute 25 Prozent weniger Beschäftigte haben.“ Aus Strombeziehern wurden Konsumenten, die ihren Lieferanten und die Herkunft Ihres Stroms frei wählen und umfangreiche Beratung in Anspruch nehmen können. Zudem hat der liberalisierte Strommarkt die Position und die Rechte der Kunden der E-Wirtschaft deutlich verbessert. Auch die Umwelt hat von der Liberalisierung profitiert. Anzengruber: „Die spezifischen CO2-Emissionen der thermischen Kraftwerke in Österreich wurden seit dem Jahr 2000 um fast 40 Prozent gesenkt, seit 1999 wurden in Summe 30 Millionen Tonnen CO2 eingespart. Dies entspricht dem 3,5fachen des jährlichen Ausstoßes des privaten PKW-Verkehrs in Österreich.“
Konjunkturmotor E-Wirtschaft läuft wieder mit voller Kraft
Wenige Jahre nach dem Start des freien Elektrizitätsmarkts hat die Branche wieder zu ihrer alten Stärke zurückgefunden. Anzengruber: „Der Konjunkturmotor E-Wirtschaft, ist nach dem ‚großen Service’, das bis Mitte des vergangenen Jahrzehnts dauerte, wieder mit voller Kraft angelaufen.“ Seit Beginn der Liberalisierung wurden von der E-Wirtschaft rund vier Milliarden Euro in die Stromerzeugung investiert. Nach der Liberalisierung kam es vorerst zu einem Rückgang der Investitionen in den Kraftwerkspark, hauptsächlich begründet durch die damals starke Planungsunsicherheit. Ab 2006 begann ein starker Anstieg der Investitionen, so dass das heutige Investitionsniveau von rund 600 Millionen Euro pro Jahr sogar deutlich über dem Vor-Liberalisierungsniveau liegt. Anzengruber: „Angesprungen sind auch die Investitionen in das Leitungsnetz, hier sind die Unternehmen allerdings angewiesen auf die Regulierungsbehörde.“ Die Netzentgelte wurden in Österreich um insgesamt 26 Prozent reduziert gegenüber 20 Prozent in Deutschland und 13 Prozent in Großbritannien. In Schweden stiegen die Netzentgelte um 30 Prozent. Dennoch wurden nach der Liberalisierung bisher rund fünf Milliarden Euro in die Netzinfrastruktur investiert.
Hohes Engagement in Zukunftsbereichen
Explizit
streicht die Studie von booz&co auch das starke Engagement der
österreichischen E-Wirtschaft in Zukunftsbereichen heraus. „Mit dem aktuellen
Anteil an erneuerbaren Energien am Bruttoendenergieverbrauch von 30 Prozent hat
Österreich bereits rund 85 Prozent des 2020-Ziels erreicht, und hier ist die
E-Wirtschaft einer der wichtigsten Akteure“, so die Generalsekretärin von
Oesterreichs Energie, Barbara Schmidt. Die Endkunden unterstützt die
E-Wirtschaft mit Beratung und Serviceangeboten zur Effizienzsteigerung und
engagiert sich intensiv im Bereich E-Mobilität. Schmidt: „Wir haben uns
intensiv mit den künftigen Herausforderungen auseinandergesetzt. Heute werden
unsere Ideen immer stärker zum Mainstream der Planungen einer nachhaltigen
Energiezukunft.“
Nach den Jahren der Liberalisierung und Umstrukturierung sieht die Generalsekretärin von Oesterreichs Energie für die Branche jetzt eine steigende Bedeutung beim Aufbau eines innovativen und nachhaltigen Energiesystems. Kernthemen dabei sind der Ausbau der Erzeugung aus erneuerbaren Energien und der Aufbau intelligenter Netze. Schmidt: „Für die künftigen Aufgaben, insbesondere den Ausbau der Netze werden auch moderate Netztariferhöhungen nötig sein.“
Positiv sieht Schmidt die hohe Kundenzufriedenheit, die in den vergangenen Jahren weiter gestiegen ist: „52 Prozent der Österreicherinnen bescheinigen der Branche einen guten Ruf und die Zahl der Kunden die auf jeden Fall bei ihrem Anbieter bleiben wollen, ist von 41 auf 49 Prozent gestiegen.“ Die E-Wirtschaft habe ihre Hausaufgaben gemacht, beispielsweise mit der neuen Stromrechnung, Energieberatungen, Serviceleistungen und demnächst mit einem deutlich beschleunigten Verfahren zum Anbieterwechsel. Von der Politik forderte Schmidt ein Bekenntnis zu den erneuerbaren Energien und funktionierende Modelle für ihren Ausbau. Das mache auch volkswirtschaftlich Sinn, denn „jeder Job in der E-Wirtschaft sichert 1,5 Jobs in anderen Branchen und die geplanten 15 Milliarden Euro Investitionen der E-Wirtschaft bis 2020 sichern 140.000 Jobs“, so Schmidt.
Bezugsnachweis:
STROM AUFWÄRTS, das Buch
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